Klobig, umständlich und langsam 25.02.2000, 17:24 Uhr

Mobile Netzsprinter fürjedermann auf der CeBIT

Für den kurzen Sprung in das Internet ist der PC zu groß und zu teuer. Um ein E-mail abzurufen oder ein Kochrezept nachzuschlagen tun es auch die neuen Info-Appliances oder Web-Pads, die es auf der CeBIT in vielen Varianten zu sehen gibt.

Zurück zum Notwendigen, lautet der Schlachtruf, mit dem die Computerkonzerne ein neues Internetprodukt durchsetzen wollen. „Web-Pad“ – ein Prozessor unter einem DIN-A4-großen Flachbildschirm einige Knöpfe im daumendicken Plastikgehäuse und einige Akkus. Dazu eine Ladestation, wie man sie vom kabellosen Telefon kennt: Fertig ist der mobile Netz-Zugang für jedermann.
Die Vorhersagen für mobile Internetgeräte sind euphorisch: „Schon im kommenden Jahr wird nur noch die Hälfte aller Internet-zugriffe über herkömmliche PCs erfolgen“, mutmaßt Christoph von Gamm, Sprecher der Forschungsabteilung bei IBM Deutschland. Internetzugriffe über Internet-fähige Telefone und mobile Notizblöcke eingerechnet. Die Prognosen anderer für Web-Pads nehmen sich dagegen bescheiden aus: Für Europa liegen sie bei 100 000 Stück in diesem Jahr und einer halben Million im nächsten. Der Durchbruch soll 2002 kommen: Dann sollen in Europa bereits 1,2 Mio. Geräte verkauft werden.
Voraussetzung ist, dass auch Computerlaien sich intuitiv zurecht finden. Die Maus wird darum durch die Fingerkuppe ersetzt, mit dem man Links über einen berührungsempfindlichen Bildschirm anklickt. Die Tastatur aus Plastik weicht einer virtuellen Tastatur und einem Programm, das Handschriften erkennt.
Mit einem Gewicht von 1 kg sind WebPads nicht schwerer als ein dickes Buch. Und wie mit einem guten Buch soll man sie zur Hand nehmen, wo immer man Lust hat. Egal ob im Bett oder im Fernsehsessel. Ein Funkempfänger wie bei einem schnurlosen Telefon hält im Umkreis von 150 m den Kontakt zu einer Basisstation, welche die Daten z.B. über einen modifizierten DECT-Telefonstandard übermittelt.
Und natürlich müssen die Web-Pads billig sein: „Der Markt will langfristig ein Gerät für unter 1000 DM“, sagt Christoph Wittlinger, als Produktmanager bei der Siemens Schweiz AG in Zürich zuständig für WebPads. „Die Knacknuss sind die Kosten der Bildschirme, die sind heute noch zu hoch.“ Und das werde sich erst 2001 entspannen, wenn in Taiwan neue Display-Fabriken ihre Produktion aufnehmen.
Um den günstigen Preis zu erreichen, plant Wittlinger zwei „Simpads“: Ein preiswertes Gerät „für zu Hause“, das schon nach zwei bis drei Stunden wieder an der Basisstation aufgeladen werden muss. Diese Basisversion läuft unter dem Betriebssystem Windows CE von Microsoft. Dadurch bleiben die Anforderungen an die Hardwareausstattung gering: 16 bis 32 MByte reichen für das Betriebssystem und die Software des Internetbrowsers. „Technisch sind die Geräte möglich geworden, weil uns erst heute hochwertige Bildschirme, diese Software und leistungsstarke, aber stromsparende Prozessoren zur Verfügung stehen“, sagt Wittlinger.
Der eigentliche Internetzugang erfolgt wie auch bei PCs über Internet-Provider wie AOL oder die Telekom. Nur schneller: Nach dem Druck auf den „Ein“-Knopf ist man nach etwa fünf bis 30 Sekunden im Internet: Abhängig davon, ob man einen ISDN- oder einen analogen Zugang besitzt.
Kaum ein größeres Unternehmen will den Einstieg bei den Web-Pads verpassen. „Wir arbeiten an einem Gerät, dass wir zusammen mit Internet-Providern verkaufen wollen“, orakelt IBM-Sprecher von Gamm. Zusammen mit einem Internet-Vertrag könnte das Web-Pad dann über Telefonläden für „einige hundert“ DM verkauft werden. Vielleicht noch in diesem Jahr.
Der amerikanische Prozessorhersteller National Semiconductors hat schon im vergangenen Jahr auf der CeBIT Referenz-Modelle eines Web-Pads vorgestellt und ist inzwischen Partnerschaften mit Herstellern wie dem taiwanesischen Konzern Acer eingegangen. In Hannover sind dieses Jahr Geräte zu sehen, die auf Basis der Prozessoren, des Designs und Software von National Semiconductors produziert werden: Die Firma RS Cordless Technology aus Schweden zeigt dort Modelle, die ab Mitte des Jahres für Preise zwischen 800 und 1700 DM auf den Markt kommen sollen. Weitere WebPads stellen Qubit und Samsung vor. Sie alle arbeiten mit einem „kleinen“ Betriebssystem des Herstellers QNX aus Kanada. Das System und ein spezieller Internetbrowser lassen sich über das Internet updaten. Herkömmliche Bürosoftware läuft auf diesen Web-Pads aber nicht.
Den Porsche unter den Web-Pads entwickelt das kleine Schweizer Unternehmen Monec, Mobile Network Computing AG, in Lohn bei Soloturn. 100 Studentinnen und Studenten in Bern und Fribourg testen ab April den „Voyager“ auf Herz und Nieren: Das heftgroße Web-Pad ist zugleich Telefon, hat eine integrierte Kamera für Videokonferenzen und für das speicherfressende Betriebssystem Windows 98 wurde eine Festplatte eingebaut. MARCUS FRANKEN
Mobil und dennoch ständig online – das kann der Desktop PC nicht leisten. Internet-Appliances wie die verschiedenen Web-Pad-Modelle, die derzeit auf der CeBIT gezeigt werden, versprechen unbegrenztes Surf-Vergnügen.
Brian Halla, Chef von National, mit dem Geode-Prozessor, der in einigen Web-Pads steckt.

Von Marcus Franken
Von Marcus Franken

Stellenangebote im Bereich Produktmanagement

Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen-Firmenlogo
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen Product Manager Brake Control (m/w/d) Schwieberdingen bei Stuttgart
ifm efector gmbh-Firmenlogo
ifm efector gmbh Elektroingenieur als Assistent Produktmanagement Positionssensorik (m/w/d) Essen
Total Deutschland GmbH-Firmenlogo
Total Deutschland GmbH Leiter (m/w/d) Produkttechnik & Rangemanagement Berlin
Minimax GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Minimax GmbH & Co. KG Product Launch Manager (m/w/d) Bad Oldesloe
Diehl Defence GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Diehl Defence GmbH & Co. KG Trainee (m/w/d) für das Technische Traineeprogramm Entwicklung | Produktion | Produktmanagement deutschlandweit
fischerwerke GmbH & Co. KG-Firmenlogo
fischerwerke GmbH & Co. KG Leiter Projekttechnik & Segmente (m/w/d) Waldachtal-Tumlingen
PASS GmbH & Co. KG-Firmenlogo
PASS GmbH & Co. KG Verfahrensingenieur (m/w/d) in der Produktentwicklung Schwelm
motan holding gmbh-Firmenlogo
motan holding gmbh Senior Product Manager (m/w/d) Konstanz
Viessmann Group-Firmenlogo
Viessmann Group Product Owner (m/w/d) Electrical Warm Water Allendorf (Eder)
XTRONIC GmbH-Firmenlogo
XTRONIC GmbH Requirements Engineer Bereich Kombiinstrumente (m/w/d) Böblingen

Alle Produktmanagement Jobs

Top 5 Produkte

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.