Speichermedien 24.10.2003, 18:27 Uhr

Mittelstand im Datennotstand

Der fortschreitende Einsatz speicherintensiver Anwendungen im Mittelstand überfordert die Leistungsfähigkeit traditioneller dezentraler Speicherkonzepte.

Dezentrale, so genannte Direct-Attached-Storage(DAS)-Konzepte, bei denen Datenspeicher direkt an jedem einzelnen Server angeschlossen wurden, bildeten jahrelang die Grundlage der elektronischen Datenspeicherung. Einem „verteilten“ Ausfallrisiko und einer akzeptablen Datenübertragungsrate steht dabei ein hoher Administrationsaufwand gegenüber.
Aber auch „einfache“ zentrale Speicherkonzepte, wie ein in das LAN integriertes RAID-System, können die Anforderungen moderner speicherintensiver ERP-, CRM- oder E-Commerce-Applikationen nur mit Einschränkungen erfüllen. Zwar erhöht die zentrale Datenadministration generell die Sicherheit und senkt die Verwaltungskosten um 30 % bis 50 %, diese Vorteile müssen bei wachsendem Datenaufkommen allerdings mit einem deutlichen Einbruch der LAN-Performance teuer erkauft werden.
Abhilfe versprechen moderne Network-Attached-Storage(NAS)- und Storage-Area-Network(SAN)-Architekturen. Sie verbinden die Vorteile des dezentralen und zentralen LAN-Storage-Ansatzes, wobei die spezifischen Nachteile beider Konzepte vermieden werden.
Einzig die Anschaffungskosten eines SAN, die leicht das Doppelte einer dezentralen Storage-Lösung betragen können, schlagen auf den ersten Blick negativ zu Buche. Ein Aspekt, der sich bei näherer Analyse allerdings meist schnell relativiert. NAS und SAN sind nach Ansicht von Experten keine konkurrierenden, sondern sich ergänzende Technologien, die bei Bedarf auch kombiniert werden können.
Während Großunternehmen ihre Speicherinfrastrukturen in den vergangenen Jahren konsequent konsolidiert haben, besteht bei kleinen und mittelständischen Unternehmen weiterhin ein eklatanter Nachholbedarf. Bei der Konfiguration maßgeschneiderter Speicherlösungen gilt es eine Vielzahl von Parametern wie Skalierbarkeit, Konsolidierung, Kosten, Funktionalität, Performance und nicht zuletzt die Ausfallsicherheit unter einen Hut zu bringen.
Dabei ist zu beachten, dass sich das Anforderungsprofil von KMU durchaus von dem eines Großkonzerns unterscheidet. Da sich kleine und mittlere Unternehmen üblicherweise dynamischer entwickeln als Großunternehmen, kommt zum Beispiel der Skalierbarkeit eine zentrale Bedeutung zu. Zudem sind die Kosten, welche erst nach der Anschaffung für Betrieb und Wartung entstehen, im Mittelstand ein kritischer Faktor. Für ein mittelständisches Unternehmen, welches mit schlanken Strukturen arbeitet, sind deshalb niedrige Total Cost of Ownership (TCO) ein überlebenswichtiger Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit.
Der Versuch einiger Speicheranbieter dem Dilemma mit dedizierten „Mittelstandspaketen“, bestehend aus Hardware, Software, Middleware und Services, zu Leibe zu rücken, wird von unabhängigen Systemhäusern wie der Bonner Incom GmbH eher mit Skepsis betrachtet. „Lösungen von der Stange gibt es nicht. Eine seriöse Beantwortung der Frage, wann es sich für KMU lohnt die Datenhaltung zu zentralisieren, ist nur vor einem konkreten Unternehmenshintergrund möglich“, erklärt Incom-Pressereferent Joachim Dröse.
„In der Vergangenheit haben viele Mittelständler ihre Speicherlösungen entsprechend dem steigenden Speicherbedarf erweitert, das grundsätzliche Speicherkonzept allerdings selten verändert“, weiß Edith Latocha, Marketing Communication Manager bei StorageTek. Die Herausforderung besteht nach Latochas Worten darin, die Speicherlösung nicht nur an den wachsenden Kapazitätsbedarf, sondern an die vorhandenen Geschäftsprozesse anzupassen.
Dieser Lösungsansatz, den Aufbau einer Speicherinfrastruktur nicht mehr ausschließlich unter dem Blickwinkel von Hardware- und Software-Architekturen, sondern prozessorientiert zu betrachten, wird unter dem Slogan „Information Lifecycle Management“ inzwischen von immer mehr Speicherherstellern propagiert.
SIEGFRIED DANNEHL

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