HDTV 22.01.2010, 19:44 Uhr

Mit den Olympischen Winterspielen beginnt die HDTV-Regelausstrahlung  

Wird in drei Wochen, am 12. Februar, in Vancouver das olympische Feuer entzündet, beginnen nicht nur die XXI. Olympischen Winterspiele, in Deutschland startet zeitgleich eine neue medientechnische Epoche: Die Übertragung von hochauflösendem Fernsehen (HDTV) wird bei den öffentlich-rechtlichen Sendern zur Regel. Der „Regelbetrieb“ ist damit noch nicht gegeben, denn das würde eine durchgängige HD-Produktion bedingen. Aber es ist der lang erwartete Einstieg. VDI nachrichten, Düsseldorf, 22. 1. 10, jdb

Wenn in drei Wochen, am 12. Februar, in Vancouver das olympische Feuer entzündet wird, ist das auch der lang erwartete Einstieg in die Regelausstrahlung hochauflösender Fernsehbilder durch ARD und ZDF. Material in HD-Qualität gibt es von diesem Sportereignis in Fülle.

Es ist nämlich das erste Mal, dass nicht nur der Host-Broadcaster, Olympic Broadcasting Services Vancouver (OBSV), das sog. multilaterale Weltbild komplett in HD produziert, sondern auch die zusätzlichen Signale der Rechtehalter in den einzelnen Ländern werden mit hochauflösendem Equipment produziert. Das sind Kamerabilder, die z. B. ARD und ZDF mit eigener oder angemieteter Technik machen werden und die die deutschen Zuschauer besonders interessieren dürften.

Dafür haben die beiden öffentlich-rechtlichen Sender HD-Equipment in großem Umfang per Schiff und Bahn nach British Columbia gebracht. Insgesamt 18 Container waren unterwegs. Trotzdem reicht das nicht. Von Wellen+Nöthen kommt Miet-Equipment, das noch durch drei in Kanada und den USA angemietete HD-Übertragungswagen ergänzt wird. „Hätten wir die aus Deutschland mitgenommen, wäre es viel teurer geworden – und hier hätten wir viele Produktionen nicht machen können“, erklärt der technische Leiter des ARD-Olympiateams Volker Frank vom MDR, der für die Arbeitsgemeinschaft die Federführung inne hat.

ARD und ZDF senden alternierend, beginnend mit dem Eröffnungstag und der nächtlichen Eröffnungsfeier ab 3.00 Uhr im Ersten. „An neun Sendetagen senden wir 115 Stunden live, 25 Stunden Zusammenfassungen sowie nochmals 25 Stunden Magazine & Nachrichten“, so ARD-Programmchef Volker Herres. Das ZDF ist mit 106 Stunden an acht Sendetagen live dabei, einschließlich der Schlussfeier. Hinzu kommen noch 24 Stunden Zusammenfassungen sowie 25 Stunden Magazine und Nachrichten, insgesamt also 320 HD-Stunden. Auch im Programm ist der Auftritt recht homogen – der Sendetag beginnt wegen der Zeitverschiebung von neun Stunden um 18.00 Uhr.

In Zeiten knapper Mittel rücken ARD und ZDF besonders eng zusammen

Olympia live und Olympia extra heißen die großen Sendeblöcke – bei beiden. „In Zeiten wirtschaftlich knapper Mittel rücken ARD und ZDF besonders eng zusammen, zur gemeinsamen Techniknutzung kommen gemeinsame Regie und Redaktion“, wie Nikolaus Brender, Chefredakteur des ZDF, vor wenigen Wochen in der kanadischen Botschaft erklärte und „Olympische Spiele aus einer Hand“ versprach. An zehn Tagen gibt es Olympisches auch im Frühstücksfernsehen.

Die beiden Digitalkanäle, also Einsfestival und ZDFinfokanal, steuern zudem rund 250 Stunden bei, meistens live oder zeitnah, werbe-, interview- und – leider – HD-frei, also in Standard-Qualität. Die Produktion freilich ist auch in HD – nur vor dem Transport nach Deutschland werden die Datenraten von 1,5 Gbit/s auf 270 Mbit/s reduziert.

In Vancouver, der drittgrößten Stadt Kanadas, liegen die meisten Sportstätten. Weitere Austragungsorte der 86 Wettkämpfe sind Richmond, Cypress Mountain in West-Vancouver und Whistler. Eis in Vancouver, Schnee in Whistler – so die Faustregel. Und weil die meisten deutschen Sportler wohl eher im Schnee als auf dem Eis zu Hause sind, haben ARD und ZDF einen Großteil der Technik nach Whistler gekarrt. Dort stehen auch die drei Ü-Wagen.

Für Olympia sind zwei Medienzentren aufgebaut – das Main Media Centre in Vancouver mit dem Main Press Centre und dem International Broadcast Centre, kurz IBC. Auch in Whistler gibt es ein Media Centre – mit dem Whistler Broadcast Centre WBC. Daneben haben ARD und ZDF auf einem Hoteldach ein Glasstudio aufgebaut – herrliche Bilder mit Blick auf die Bergwelt werden versprochen.

Allerdings müssen für die Fahrt von Vancouver nach Whistler über drei Stunden Fahrtzeit kalkuliert werden. „Wir können nicht ständig pendeln, arbeiten daher mit zwei Teams – einem in Vancouver und einem in Whistler“, so ZDF-Teamchef Dieter Gruschwitz. Auch zwei deutsche Häuser wurden errichtet. Insgesamt sind ARD und ZDF mit rund 540 Mitarbeitern vor Ort – die Hälfte von ihnen ist für die Technik zuständig, sollen, so Herres, „die schärfsten Spiele, die es je gegeben hat“, in Szene setzen.

„Das Weltbild kommt mit Dolby-5.1- Ton – und wenn wir live übertragen, werden wir den auch senden. Nur wenn wir das Signal aufzeichnen und bearbeiten müssen, bleibt es aus technischen Gründen noch beim Stereoton, den wir aber aufmotzen“, erklärt Gunnar Darge, technischer Leiter des ZDF-Olympiateams.

Dem kanadischen Haussender OBSV ist natürlich auch an spektakulären Fernsehbildern gelegen. Über 900 Stunden Live-Programm stehen den Rechtehaltern zur Verfügung. Dafür gibt es 400 HD-Kameras – davon 50 Panasonic-Camcorder. Insgesamt sind 22 HD-Übertragungswagen sowie 91 Broadcast Trailer bei OBSV unter Vertrag, über 60 Schnittplätze sowie 592 Kommentator-Positionen stehen zur Verfügung.

Zur Popularisierung der neuesten olympischen Disziplin Skicross setzt man Helmkameras ein. Bei dieser Sportart rasen vier bis sechs Fahrer gleichzeitig eine extrem schwierige Piste herunter und scheiden dabei nach dem K.o.-Prinzip aus. „Mit dem Helmkamerasystem wollen wir diese Sportart populärer machen“, so Martin Weigl, OC Direktor des FIS Skicross World Cup. (s. Kasten)

Über einen Multichannel-Satellit können jetzt auch erstmals kleinere Broadcaster – vor allem in Latein-Amerika – Programme des multilateralen Feeds nutzen. Dazu gehören neben der Eröffnungs- und Abschlussfeier die meisten Endläufe und Einzelentscheidungen. Aber auch zeitversetzte Wettkämpfe und Siegerehrungen sind möglich, alles in Standardauflösung (SD) mit englischem Kommentar. Eröffnung und Abschluss kann es auch in HD geben – ebenfalls einige Wettkämpfe. Es sind auch lokalisierte Fenster möglich. RAINER BÜCKEN

Von Rainer Bücken

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