Speichermedien 05.05.2006, 19:21 Uhr

„Man muss dem Business genügend Zeit lassen, um sich zu entwickeln“  

VDI nachrichten, Boston/USA, 5. 5. 06, swe – Mit 52 % beherrschen inzwischen Software und Services das Geschäft von EMC, eines vor wenigen Jahren noch reinrassigen Herstellers von Datenspeicher-Hardware. Aber vielleicht kehrt sich dieser Trend bald wieder um, denn EMC hat bereits Prototypen von eigenen Desktops entwickelt. In Boston sprachen die VDI nachrichten mit Joseph Tucci, Chairman und CEO der EMC Corporation, über aktuellen Zahlen und Produkte sowie über die Zukunft der Branche und der Technologien.

Tucci: Mit unserem Konzept des Information-Lifecycle-Managements sind wir ein Spezialanbieter in einem Markt, der in diesem Jahr von 51 Mrd. $ auf 55 Mrd. $ anwachsen wird, das sind schon 8 %. Darüber hinaus wachsen wir schneller als unsere Konkurrenz, weil wir kontinuierlich Marktanteile hinzugewinnen.

VDI nachrichten: Ihre eigenen und die Wall-Street-Projektionen waren trotzdem höher als das tatsächliche Quartalsergebnis. Waren die Erwartungen unrealistisch hoch?

Tucci: Nein, wir haben einige Aufträge nicht mehr rechtzeitig zum Quartalsende hereinbekommen und in Asien, speziell in Japan, ist die Situation noch unbefriedigend.

VDI nachrichten: Wie wollen Sie das Problem in Japan lösen?

Tucci: Man muss investieren und dem Business dann genügend Zeit lassen, um sich zu entwickeln. Wir haben jetzt eine umfangreiche Kooperation mit NEC und sind sicher, dass das neben anderen internen organisatorischen Maßnahmen alsbald Früchte tragen wird.

VDI nachrichten: Weltweit macht EMC bereits weniger als die Hälfte seines Umsatzes mit Systemen. Der größte Teil sind Software und Services und in die eigene Softwareentwicklung werden 1,2 Mrd. $ investiert. Gibt es auch Pläne für Open-Source-Aktivitäten?

Tucci: Wir beteiligen uns und haben auch schon Software bereitgestellt, aber wir werden sehr sorgfältig darauf achten, dass wir auch weiterhin den größtmöglichen Nutzen aus der von uns selbst entwickelten Software ziehen.

VDI nachrichten: Bei allen Software-Applikationen rückt das Finden von Informationen immer mehr in den Vordergrund. Suchen scheint ein universelles Problem zu sein. Was tut sich bei EMC auf diesem Gebiet?

Tucci: Das Suchproblem wird in der Tat immer kritischer. Inzwischen sind bereits 80 % aller IT-Daten unstrukturiert und können folglich mit relationalen Datenbanken nicht mehr aufgefunden werden. Notwendig ist die Entwicklung einer applikationsunabhängigen Metadatenbeschreibung, so wie es mit XAM geplant ist (XAM: Extended Access Management, Anm. d. Red.). Damit kann dann ein Zugriff auf alle Daten mit unterschiedlichen Programmen und Suchkriterien erfolgen – allerdings sind diese Metadatenbestände häufig umfangreicher als die Informationen selbst. Wir arbeiten bereits gemeinsam mit allen großen Anbietern intensiv an der Verabschiedung dieses Standards.

VDI nachrichten: Auf der jüngsten EMC-Kundenveranstaltung in Boston wurde ein „datenzentriertes“ Sicherheitskonzept vorgestellt. Worin unterscheidet sich das von anderen Ansätzen, beispielsweise dem von Symantec-Veritas?

Tucci: Bei Symantec-Veritas ging es nur um einen Finanzdeal, technologisch hat Back-up überhaupt nichts mit Virenschutz zu tun. Bei uns steht die einzelne Information im Mittelpunkt, die geschützt werden muss. Beispielsweise vor den eigenen Mitarbeitern, die immer noch die größte Schwachstelle von allen Sicherheitskonzepten sind. Viren und Netzattacken sind zweifelsohne auch gefährlich, kommen aber in der Hierarchie erst viel später.

VDI nachrichten: Zwei weitere EMC-Ankündigungen betrafen die Virtualisierung und das Ressourcen-Management. Was hat es damit auf sich?

Tucci: Schon in naher Zukunft wird die gesamte IT-Infrastruktur komplett virtualisiert sein. Virtualisierung ist bereits jetzt der am schnellsten wachsende Softwaremarkt. Wir haben mit Vmware, Invista und Rainfinity drei Topprodukte in diesem Markt und werden unsere Führungsposition weiter ausbauen.

VDI nachrichten: Intel hat soeben mit Vpro eine eigene Hardware-basierte PC-Virtualisierung angekündigt. Ist das eine Konkurrenz zu Vmware?

Tucci: Nein, man benötigt keine speziellen Prozessoren. Obwohl solche speziellen Chipsätze einen Teil des damit verbundenen Overhead reduzieren. Aber unsere Software arbeitet sowohl mit Intel als auch mit AMD, und bietet damit dem Kunden mehr Freiheit.

VDI nachrichten: Reizt es Sie nicht, das umfangreiche Speicher- und Software-Know-how, das EMC über die Jahre angesammelt hat, auch über einen Desktop an den Enduser zu vermarkten?

Tucci: Wir haben keine aktuellen Pläne auf diesem Gebiet, auch wenn wir bereits Desktop-Prototypen gebaut und über eine mögliche Vermarktung nachgedacht haben. Sollten wir aber jemals in den Enduser-Markt einsteigen, dann bestimmt in einer ähnlichen Form wie Cisco, die sich mit dem Kauf von Linksys einen erfolgreichen Zugang zum Consumer-Markt verschafft haben. Wir selbst – mich eingeschlossen – haben keine Ahnung, wie dieser Markt zu bedienen ist.

VDI nachrichten: Aber es gibt doch bereits ein lukratives Channelgeschäft von EMC?

Tucci: Das stimmt, aber unsere Channelprodukte sind immer noch Businesslösungen – wenn auch überwiegend Small-Business-Lösungen. Außerdem unterscheiden wir bislang nicht zwischen unseren Partnern und dem klassischen Channel, so dass in unserem Channel auch viel Systemgeschäft enthalten ist.

VDI nachrichten: Das Systemgeschäft ist offensichtlich weiterhin eine starke Säule bei EMC. Wie sieht denn die Zukunft der Magnetspeicher aus, was wird die gute alte Festplatte ersetzen?

Tucci: Vorläufig nichts. Gemessen an der Speicherkapazität, den Herstellungskosten und der Zuverlässigkeit werden wir noch viele Jahre rotierende Magnetscheiben als Basistechnologie in der Datenspeicherung verwenden.

HARALD WEISS

EMC Corp.: Gilt als einer der weltweit wichtigsten Hersteller von Datenspeicherprodukten. Ursprünglich reiner Hardwarehersteller, baute EMC seit 2000 die Spitzenposition als Softwarehaus durch den Zukauf von mehr als einem Dutzend Firmen auf. Der letzte Coup von Joe Tucci war die Übernahme von Captiva.

Gründung: 1979 durch Richard J. Egan und Roger Marino. E und M stehen für die Initialen von Egan und Marino.

Sitz: Hopkinton, Massachusetts/USA

Umsatz 2005: 9,664 Mrd. $

Gewinn 2005: 1,133 Mrd. $

Mitarbeiter: Fast 26 500 weltweit, davon rund 5000 im Bereich F&E.

Joe Tucci: Den EMC-Chef wählten die Leser des „Institutional Investor“ zum zweiten Mal in Folge zum Top-CEO der IT-Hardwarebranche – vor Apples Steve Jobs und dem dritten, Mark Hurd (HP). Tucci kam 2001 auf den EMC-Chefsessel. Vor EMC wirkte er u. a. beim IT-Dienstleister Getronics. Mit Tucci sitzt ein Marketing- und Finanzmann beim Technologiekonzern EMC an oberster Stelle.

Zahlen: Geschäftsjahr 2005 Quelle: EMC

 

Von Emc

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