Automobiltest 06.05.2011, 19:53 Uhr

Luxusautos mit Mittelklasseverbrauch

Luxuslimousinen sind Technologieträger. In ihnen steckt das, was hoffentlich bald in allen Pkw angeboten werden wird, etwa fortschrittlichste Assistenz-, Fahrdynamik- und Sicherheitssysteme. Höchsten Komfort ist bei ihnen selbstverständlich. Überraschend ein Kraftstoffverbrauch von 7,4 l Diesel oder 9,3 l Super je 100 km, der eher bei Pkw der Mittelklasse zu finden ist.

Geht es um die Etikette, sitzt beim Adel unter den Automobilen der Besitzer im Fond. Abgesehen vom Bentley, wo er im Gegensatz zu Rolls-Royce und Maybach schon mal selbst am Volant sitzen „darf“.

In den exquisiten Limousinen der Oberklasse von Audi, BMW, Lexus, Mercedes, Porsche und VW geht es demokratisch zu. Sie werden sowohl vom Chauffeur als auch vom Eigentümer gefahren. Dass ein Nobeldiesel im Test 7,4 l/100 km wie ein Mittelklasse-Pkw verbrauchte, überrascht.

Doch hinkt der Vergleich von Mittelklassewagen und Luxuslimousinen? Wenn es um den Kraftstoffverbrauch geht, nicht, denn groß und massig muss nicht gleich Spritschleuder heißen. Technik und Gasfuß geben hier den Takt, sprich Verbrauch vor.

Die Hersteller haben aufgerüstet, um mit technischer Feinkost der exquisiten Kundschaft nicht den Geschmack zu verderben. Soll heißen, alle Oberklassemodelle der Marken gibt es mit sparsamen Benzin- und Dieselmotoren sowie überwiegend mit Start-Stopp-System. Lexus offeriert zwar kein Dieselaggregat, dafür sein Topmodell LS 600 h als bärenstarken Vollhybriden mit 5,0-l-V8-Motor Mercedes zusätzlich ein Mildhybridantrieb im S 400 Hybrid.

Es soll nicht unterschlagen werden, dass in der aristokratischen Autoklasse auch gerne Zwölfzylinder „getragen“ werden – überwiegend jedoch im Ausland. Ob W12- oder V12-Aggregate im Audi A8 und VW Phaeton bzw. BMW 760 und Mercedes 600 L, ihre Leistungen bis 400 kW werden in Gänze nicht gebraucht, ihr Effekt bei den Kunden anscheinend doch.

Die Oberklassewagen sind vorzügliche, bequeme Reiselimousinen. Und für den Insassen, hinter dem Lenkrad oder im Fond, der häufig und lange Strecken darin reist, eigentlich kein Luxus, sondern ein ergonomischer Arbeitsplatz bzw. eine sehr bequeme Karosse, wie wir in den Tests feststellten gefahren wurden Audi A8 4.2 TDI Quattro BMW 730d Lexus LS 600h Mercedes S 400 L Hybrid Porsche Panamera 4 und VW Phaeton 3.0 TDI 4Motion – Listenpreis 67 400 € bis 109 400 € (s. S. 26).

Die Kosten der Limousinen entsprechen denen einer kleinen, hübschen Eigentumswohnung. Aber für den Preis gibt es einen Wagen mit fortschrittlichster Technologie, die die Spitze im Automobilbau im höchsten Maße charakterisiert: Sicherheit, Assistenzsysteme, Kommunikation, Information, Unterhaltung, Fahrdynamik und -komfort sowie Antriebstechnik.

Bei den gefahrenen Oberklasselimousinen wurden Zwölfzylindermotoren nicht vermisst. Egal welcher Antrieb, sie erreichen mit ihren Acht- und Sechszylindern Beschleunigungszeiten von 5,5 s bis 8,6 s für den Spurt von 0 bis 100  km/h teilweise Sportwagenniveau. Fast alle bewegen sich mit Leistungen von 176 kW bis 327 kW sowie max. Drehmomenten von 350 Nm bis 800 Nm in Antriebsregionen die Spitzengeschwindigkeiten bis 259 km/h ermöglichen.

Höchstes Tempo wird ein souveräner Fahrer nicht anstreben. Das bedeutet häufiges Bremsen und Beschleunigen, einen deutlichen Anstieg des Fahrzeugluftwiderstandes, größte Fahreranspannung und hoher Kraftstoffverbrauch – dem nur eine gering verkürzte Fahrtzeit gegenübersteht. Testfahrten auf der Autobahn ergaben tagsüber, bei 130 km/h bis 135 km/h gewollter Fahrzeuggeschwindigkeit, im Mittel Reisezeiten von 98 km/h bis 118 km/h.

Luxusautos mit Mittelklasseverbrauch

Luxusautos mit Mittelklasseverbrauch

Bei souveräner Fahrweise erwiesen sich die massigen Limousinen nicht als Spritschlucker. Ihr gemessener Verbrauch im Test lag im Mittel je 100 km mit 7,4 l bis 8,4 l Diesel und 9,3 l bis 10,9 l Benzin relativ niedrig. Hecktisches, nicht vorausschauendes Fahren – sportlich wäre hierfür der nicht zutreffende Ausdruck – treibt den Verbrauch selbstverständlich in die Höhe, weit über die 10-l-Grenze.

Im Mittel konsumierten im Test die Luxusliner je 100 km mit Dieselmotor wie Audi A8 4.2 TDI Quattro 8,3 l, BMW 730d (Heckantrieb) 7,4 l und VW Phaeton 3.0 TDI 4Motion (Allrad) 8,4 l sowie die mit Benzin bzw. Hybridantrieb wie Lexus LS 600 h (Allrad) 10,9 l, Mercedes S 400 L Hybrid (Heckantrieb) 9,3 l und Porsche Panamera 4 (Allrad) 10,2 l.

Alle Limousinen hatten Automatikgetriebe mit der Möglichkeit der manuellen Gangwahl. Die Tests zeigten, dass die Automatik besser, sprich optimaler schaltete als der Fahrer.

Der Fahrkomfort ist bei allen Kandidaten sehr ausgewogen – Audi, Lexus, Mercedes und VW hatten eine Luftfederung. Der LS 600 h darüber hinaus eine Wankstabilisierung, die bei Kurvenfahrten dafür sorgt, dass die Karosserieneigung fast ausgeglichen wird.

Im BMW 730d beeindruckte das optionale farbige Head-up-Display (1390 €) durch seine Funktionalität, das das serienmäßige, einfarbige im Lexus alt aussehen lässt. Überraschend war die Positionierung des Navis im VW Phaeton, etwa in Höhe des Fahrerknies. Wer am Lenkrad sitzend schon mal während der Fahrt auf die großflächige Kartendarstellung schauen möchte, unterlässt es aus Sicherheitsgründen – die Navi-Fahrtempfehlungen gibt es zusätzlich als Grafikdarstellung zwischen Tachometer und Drehzahlanzeige.

In der Luxusklasse gehört ein Tempomat mit Abstandsregelung zum vorausfahrenden Fahrzeug dazu. Die als adaptive Geschwindigkeitsregelung oder kurz ACC für „Adaptive Cruise Control“ bekannten Systeme funktionierten im Test ohne Fehl und Tadel: Konstantfahrten in Tempo-30-Zonen, Bremsen bis zum Stand und ein Hebeltipp zum abstandsgeregelten Anfahren – kein Problem. Warum das ACC beim Lexus erst bei 47 km/h die Tempofixierung akzeptiert ist störend und nicht nachvollziehbar – obwohl Toyota/Lexus waren beim ACC-Einsatz die Ersten.   W. PESTER

Von W. Pester
Von W. Pester

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