Autotest 15.12.2000, 17:27 Uhr

Leichtester Audi spielt seine Vorzüge voll aus

Der Audi A2 steht für Pioniergeist und automobilen Fortschritt. Sein Konzept ähnelt gängigen Micro-Vans. Welcher Vergleich liegt da näher als der mit dem Trendsetter in der Klasse, dem Renault Scénic. Der A2 macht deutlich, Leichtbau bringt messbare Vorteile ohne Minderung der Fahrfreude.

Audi wagt mit dem A2 den Schritt zur weltweit ersten Großserienfertigung eines Aluminium-Pkw. Am außergewöhnlichen Ingolstädter, seit Juni auf dem Markt, scheiden sich jedoch die Geister. Die einen loben die Gewichtseinsparung durch die Aluminiumkarosserie und die konsequente -Raumausnutzung sowie seine quirligen Fahreigenschaften, die anderen stoßen sich an Form, Platzangebot und Raumgefühl. Obwohl sich die Ingenieure in Ingolstadt auch in letzterem Punkt sehr viel Mühe gegeben haben, liegt auf der Hand, dass der Audi A2 auf 3,83 m Länge nicht das bieten kann, was der etwas längere Renault Scénic auf 4,17 m bereitstellt. Beachtlich ist es dennoch, dass sich im kürzeren Audi vier -Personen und 390 l Gepäck gut unterbringen lassen.
Der Renault Scénic mit herkömmli-cher Stahlkarosserie ist ein echter Fünfsitzer. Mit 410 l Gepäckraumvolumen fasst er zwar nur 20 l mehr als der A2, doch die Trans-portkapazität des französischen Vans ist ausbaufähig: 1800 l, immerhin 715 l mehr als beim kleineren Rivalen, lassen sich unterbringen, wenn die hinteren Sitze umgeklappt sind. Hier zeigt sich, dass ein Vergleich der beiden an Grenzen stößt. Ähnliches gilt, wenn man das Leergewicht gegenüberstellt – nur spricht diesmal alles für den Audi: Der A2 bringt kaum mehr als 1000 kg auf die Waage, der etwas größere Scénic 1230 kg.
Zweifellos ist das Gewicht des A2 das Ergebnis konsequenter Leichtbauweise. Was von den Konstrukteuren in aller Welt seit Jahrzehnten gefordert wird, haben die Spezialisten von Audi mit der „Space-Frame“-Bauweise in der Großserie umgesetzt. In dieser technisch schwierigen Disziplin ist der A2 zusammen mit der großen Limousine Audi A8 Vorreiter.
Dass der Leichtbau auch bei Fahrleistungen, Fahrverhalten und Verbrauch Vorteile bringt, belegt der A2. Obwohl der leichte Audi bei identischem Hubraum mit 55 kW (75 PS) exakt 15 kW (20 PS) weniger leistet als der Renault Scénic, belegen die Messwerte des A2 deutlich dessen günstigere Eigenschaften. Er beschleunigt schneller und gibt sich deutlich elastischer lediglich in der Spitzengeschwindigkeit liegt der Scénic gleich auf. Die „Stunde der Wahrheit“ schlägt in der Verbrauchsmessung. Hier ist der eher kurz übersetzte Audi, der sich im Test mit durchschnittlich 6,9 l/100 km Super begnügte, dem Renault um gut 15 % überlegen. Schade, dass der Tank im A2 mit 34 l Inhalt sehr klein ausfällt das führt zu häufigen Stopps an der Zapfsäule.
Das Leichtgewicht aus Ingolstadt ist straff abgestimmt, auf ebener Fahrbahn vermittelt es das Gefühl guten Komforts. Direkte, leichtgängige Lenkung, sehr geringe Seitenneigung und eine hohe Fahrsicherheit bis in sportliche Dimensionen machen ihn zu einem sehr fahraktiven und handlichen Auto. Im Gefahrenfall sorgt das serienmäßige Antischleudersystem ESP im Audi für nützliche Korrekturen. Übrigens bietet der A2 auch hohe Sicherheit, wie interne Crashtest belegen. Nach den Wertmaßstäben des „Euro NCAB“ hätte er mit vier Sternen den Maximalwert erzielt, so die Audi-Ingenieure.
Der Renault Scénic versteht sich als Familien-Van, was er in Sachen Fahrkomfort auch dokumentiert. Das Fahrwerk schluckt jede Art von Bodenunebenheiten. Nur auf schlechter Wegstrecke sind schon mal Schläge bis in die Lenkung spürbar. In Kurven bleibt der Scénic stets problemlos, wenn auch mit starker Seitenneigung. Quietschende Reifen weisen manchmal auf Traktionsprobleme hin. Zum guten Eindruck tragen nicht zuletzt die Sitze bei – zwei ordentlich geformte vorn sowie drei längs verstellbare Einzelsitze hinten, wovon der mittlere schmaler geraten ist.
Man fühlt sich im A2 gut untergebracht, auch wenn das Raumgefühl durch die hochgezogene Gürtellinie, die relativ schmalen Fenster und das hinten abgesenkte Dach nicht so ausgeprägt ist wie im Scénic. Andererseits haben die Audi-Techniker einiges aus 3,83 m Außenlänge herausgeholt dazu gehört die Absenkung des Wagenbodens im Fondbereich um 25 cm (Space Floor-Konzept genannt). Die Insassen sitzen dort aufrecht und können die Füße bequem unter die die Vordersitze stellen. Obwohl die Sitzflächen recht kurz sind, steigen sie selbst nach Langstrecken entspannt aus. Platz im Gepäckraum schafft der tiefe Boden, der bei Lieferung des serienmäßigen „Tirefit“-Systems nicht durch ein Notrad eingeschränkt wird. Die hinteren Sitzbankhälften lassen sich leicht nach vorn klappen oder wie die Scénic-Fondsitze herausnehmen.
Im Preisvergleich schneidet der kompaktere Audi A2 1.4 auf den ersten Blick besser ab. Sein Einstandspreis liegt mit 31 978 DM inklusive EPS um 522 DM niedriger als der des Renault Scénic 1.4 16V. Allerdings müssen manche Extras teurer bezahlt werden. Den Ausschlag für eine Kaufentscheidung zugunsten des A2 werden andere Überlegungen geben. Kann doch der technisch ambitionierte Käufer u.a. dokumentieren, dass er die Umweltverantwortung ernst nimmt. INGO REUSS/WOP

Teststenogramm

Audi A2 1.4: Kompakte Aluminium-Limousine, vier Sitzplätze, variabler, ausreichend erweiterbarer Gepäckraum 1,4-l-Vierzylinder, 16-Ventiler, dank geringem Leergewicht und niedrigem Luftwiderstand (und trotz Leistungsmanko gegenüber dem Scénic 1.4) hohe Fahrleistungen, durchzugsstark, geringe Benzinverbräuche (besonders sparsamer Diesel jetzt verfügbar) sehr handliches Van-artiges Fahrzeug, agil und fast sportlich abgestimmt, hoher Sicherheitsstandard gute Umweltbilanz.
Renault Scénic 1.4 16V: Familien-Van, geräumiger Fünfsitzer, großzügiges Raumgefühl, variabler Gepäckraum, enorme Transportkapazitäten 1,4-l-Vierzylinder, 16V, ausreichende Fahrleistungen und Elastizität, spürbar höherer Durchschnittsverbrauch komfortable und gutmütige Fahrwerksabstimmung umfangreiche Ausstattung. IR

Ein Beitrag von:

  • Ingo Reuss

    Der Autor Ingo Reuss ist Motorjournalist. Er ist seit vielen Jahren für große Tages- und Wochenzeitungen sowie Fachmagazine tätig.

  • Wolfgang Pester

    Ressortleiter Infrastruktur bei VDI nachrichten. Fachthemen: Automobile, Eisenbahn, Luft- und Raumfahrt.

Stellenangebote im Bereich Produktmanagement

Ewellix GmbH-Firmenlogo
Ewellix GmbH Leiter Produktentwicklung (m/w/d) Schweinfurt
Bürkert Fluid Control Systems-Firmenlogo
Bürkert Fluid Control Systems Produktmanager Analysesensoren (m/w/d) Ingelfingen, Triembach (Frankreich)
Bundeswehr-Firmenlogo
Bundeswehr Ingenieurin / Ingenieur (m/w/d) im gehobenen Technischen Dienst – Beamteneinstellung Köln
Johannes KIEHL KG-Firmenlogo
Johannes KIEHL KG Produktmanager Dosier- und Applikationstechnik (m/w/d) Entwicklung der Systeme für Küchenhygiene, Textil- und Gebäudereinigung Odelzhausen (zwischen Augsburg und München)
TECE GmbH-Firmenlogo
TECE GmbH Product Line Manager Sales Schwerpunkt Entwässerungssysteme (m/w/d) Emsdetten
Jungheinrich AG-Firmenlogo
Jungheinrich AG Entwicklungsingenieur (m/w/d) Produktentstehungsprozess Norderstedt
Gebr. Brasseler GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Gebr. Brasseler GmbH & Co. KG Produktmanager Medizintechnik (m/w/d) – Technische Antriebs- und Gerätelösungen Lemgo
RINGSPANN GmbH-Firmenlogo
RINGSPANN GmbH Produktmanager (m/w/d) für Freiläufe Bad Homburg
ROMA KG-Firmenlogo
ROMA KG Ingenieur / Techniker (m/w/d) Produktentwicklung / Konstruktion Burgau bei Ulm/Augsburg
Physik Instrumente (PI) GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Physik Instrumente (PI) GmbH & Co. KG Leiter Produktentwicklung (m/w/d) Raum Eschbach

Alle Produktmanagement Jobs

Top 5 Produkte

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.