Drucker 11.02.2005, 18:36 Uhr

Kodak baut sich eine neue Zukunft

Analog ade, ab in die digitale Welt, auf in den professionellen Imagemarkt. 3 Mrd. $ schoss Carp damals in die Kriegskasse. Mit der 1 Mrd. $ teuren Übernahme des kanadischen Druckplattenanbieters Creo dürfte Carp den – vorläufigen – Schlussstein in das neue Konzerngebäude gesetzt haben.

Mitte der neunziger Jahre musste den Managern in der Konzernleitung des weltweit größten Foto- und Filmkonzerns klar geworden sein, dass es so nicht mehr weitergehen könne. Eastman Kodak geriet in die digitale Abseitsfalle. Die zunehmende Digitalisierung in allen Geschäftsbereichen Kodaks gefährdete das Geschäft.
Lange führte man in dem über 125 Jahre alten Traditionsunternehmen aus Rochester, New York, Diskussionen, wo – im Vergleich zwischen Digital- und konventioneller Fotografie – die Vorteile des Films liegen. Die Diskussion war müßig. Die technische Entwicklung ließ vor allem im Profibereich das Filmgeschäft wegbrechen.
Wenige Jahre später: Das gleiche Szenario in der Film- und Broadcastbranche. TV- und Reportage-Kameras mit digitalen Speicherkarten setzen sich durch. Hinzu kam: Die Digitalisierung der traditionellen Druckindustrie mit großformatigen Filmen zur Zwischenbelichtung im Herstellungsprozess der Druckform.
CEO Daniel Carp verkündete im Herbst 2003 den Ausweg. Technologisch weg vom Film, Umstrukturierung, Entlassungen, Aufkäufe. Mit Creo, einem kanadischen Hersteller von Druckplatten, Software und Druckvorstufentechnologie, hat Carp einen fast komplett neuen Bereich, die Graphic Communications Group zusammengekauft (s. Grafik). Eher unbemerkt: Kodak teilte zum Jahresbeginn am 12. Januar mit, man wolle auch Kodak Polychrome Graphics (KPG), die gemeinsame Tochter mit Sun Chemicals, komplett übernehmern.
Wer in der Welt professionell Bild- und Druckerzeugnisse herstellt oder verarbeitet, kommt damit an Kodak nicht mehr vorbei. Mit den drei Zukunftstechnologien im Druck – Elektrofotografie, Drop-on-Demand- und Continuous Ink-Jet – sowie mit KPG und Creo verfügt der Konzern über innovative Workflow-Systeme, robustes Equipment zu Druckplattenherstellung und eine ausgebaute Vertriebsschiene im Bereich Verbrauchsmaterial für Druckereien.
„Breitestes Produktportfolio in der Industrie – vom traditionellen Druck bis zu Workflow & Professional Services“, schwärmt James Langley, President von Kodaks Graphic Communications Group. Langley bezeichnete diesen Schritt als einen sehr wichtigen Schritt und als eine signifikante Erweiterung des Lösungsportfolios für Kunden innerhalb der grafischen Industrie.
Mit Langley holte sich Kodak 2003 einen altgedienten Manager von Hewlett-Packard, der, dort seit 30 Jahren im Geschäft, zuletzt bei HP quasi das Gegenstück zu Kodaks Graphic Communication Group aufbaute. HPs Commercial Printing Group war deren Einstieg ins professionelle Druckgeschäft.
Die Neuaufstellung von Kodak fällt indes nicht wie Manna vom Himmel. Kodak produzierte schon lange vor dem KPG-Jointventure Druckplatten – allerdings nur im kleinen Stil und nur für das Vertriebsgebiet USA. Im Zuge der Übernahme eines zu International Paper gehörenden Druckplattenherstellers baute die neu gegründete KPG ihre Marktposition weiter aus. Der Erfolg in diesem Geschäft kam noch im gleichen Jahr mit der ersten Thermo-Druckplatte für die grafische Industrie.
Das kanadische Unternehmen Creo hatte damals einen wesentlichen Anteil am Erfolg dieser Druckplatte. Creo setzte ebenfalls auf die thermische Bebilderung und entwickelte mit der „Square-Spot-Technologie“ eine entsprechende Bebilderungs- und mit „Staccato“ eine passende Rastertechnologie.
Insofern stellt sich die aktuelle Akquisition des kanadischen Software-, Plattenbelichter- und Druckplattenherstellers Creo als eine konsequente Weiterführung eines langen gemeinsamen Weges beider Unternehmen dar. Die Übernahme Creos passt zudem in die Einkaufsstrategie der Kodak-Leute.
Rückblickend war 2004 vielleicht das spannendste Jahr in der Geschichte von Kodaks Engagement in der grafischen- und Druckindustrie. Im Januar 2004 übernahm Kodak Scitex Digital Printing – heute Kodak Versamark – einen der führenden Hersteller schneller High-Volume- Digitaldrucksysteme. Im Mai 2004 erwarb Kodak den 50 %igen Anteil des Jointventures aus der Heidelberg-Kodak-Kooperation NexPress. Damit hat Kodak ein eigenes Standbein im tonerbasierten Digitaldruck, aber auch hinsichtlich aller digitalen Schwarz-Weiss-Drucksysteme.
Kodak deckt nun die ganze Palette zukunftsorientierter Drucklösungen im industriellen Bereich ab. Es beginnt beim kleinauflagigen Digitaldruck auf unterschiedlichsten Papieren einschließlich einer passenden Veredelungslösung, die Domäne der NexPress 2100 Digital Color Press. Es geht weiter über den Druck auf den Versamark-Systemen für den so genannten Transaktionsdruck personalisierter Massendrucksachen bis hin zum Wide-Format-Druck von Grafiken und Bannern für den Werbebereich auf den Encad-Maschinen.
Die 980 Mio. $ schwere Creo-Akquisition schließt zudem die Lücke zwischen der Erstellung von Druckdokumenten (bei Kodak eben Fotos) und deren Ausgabe. Kodak bekommt so den Zugang nicht nur zur Druckplattenbebilderungstechnologie von Creo, sondern vor allem auch zu Scannern und insbesondere dem Creo-Druckplanungssystem „Synapse“.
Außerdem verfügt Kodak mit der Übernahme von Creo nun über eines der erfolgreichsten und weitverbreitesten Workflowsysteme der grafischen Industrie. Hinzu kommt mit „Spire“ jene RIP-Technologie (Raster Image Prozessor), welche u. a. die Drucksysteme von Xerox steuert – im Bereich Digitaldruck ein direkter Konkurrent.
Creo hat zudem die breiteste Computer-to-Plate-Basis an Installationen in den USA. Mit „Staccato“ kommt eine Rastertechnologie hinzu, die für den fotorealistischen Druck im Offsetverfahren steht.
Kodaks neue Strategie erinnert an die Richtung von Epson – die mit ihrer „3i“-Strategie alle Bereiche des Imaging abdecken wollen. Die Kodak-Aktivitäten bewegen sich im Übrigen nicht allein in Richtung industrieller Anwendungen im grafischen Sektor, sondern auch in Richtung OLED-Bildschirmtechnologie. Zu erwarten wäre auch – passend zum Selbstverständnis von Kodak – die Entwicklung eigener Drucker und Tinten für den Consumer- wie den Foto-Proofing-Bereich.
UWE CLEVER

 

Von Uwe Clever
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