Speichermedien 01.12.2000, 17:27 Uhr

Kinofilm auf einer Glas-CD-Rom

Constellation 3D, bisher eher Insidern bekannt, hat eine neue Speichertechnik vorgestellt. Auf ein CD-ähnliches Medium passen in Zukunft mehr als 140 GByte.

John Ellis ist des Lobes voll – die DVD-Technologie sei ein langfristig erfolgreiches Format. Gleichzeitig hält der President of Marketing von Constellation 3D (C3D), den vermeintlichen Nachfolger in den Händen. Aus heutiger Sicht werde es in Zukunft keine Speichersorgen mehr geben. In ein paar Jahren nämlich biete das US-Unternehmen auf einer transparenten Disk den Daten Platz für bis zu 140 GByte.
Im Formfaktor unterscheidet sich die so genannte Fluorescent Multilayer Disc (FMD) nicht von einer herkömmlichen CD. Das Speicherverfahren basiert auf einem photochemischen Prozess, der auch den Einsatz von mehreren Layern erlaubt. Die erste Gerätegeneration verwendet – wie in CD- und DVD-Roms – einen roten Laser. „Dadurch können wir eine hundertprozentige Lesekompatibilität gewährleisten“, erklärt Ellis.
„Momentan können wir Medien mit maximal 20 Layern herstellen“, erläutert Vladimir Schwartz, Chief Technology Officer von Constellation 3D. Das Unternehmen entwickle zwar an Produkten mit 100 und mehr Layern, derzeit scheitere die Umsetzung vor allem noch an den aktuellen Produktionsmöglichkeiten. Sobald blaue Laser die Marktreife erlangen, sollen sich Kapazitäten bis in den TByte-Bereich realisieren lassen.
IDC-Marktforscher Wolfgang Schlichting räumt der FMD durchaus Chancen ein. „Die Multilayertechnik wird in Zukunft eine Schlüsselrolle einnehmen.“ Nur so könnten höhere Speicherkapazitäten erreicht werden, als es beispielsweise mit magnetooptischen oder magnetischen Laufwerken möglich sei.
„Für die meisten Computeranwender ist eine Disk mit 25 GByte in den nächsten zwei bis vier Jahren ausreichend“, glaubt Dr. Eugene Levich, President und CEO von Constellation 3D. Die FMD-Technologie werde einen Migrationspfad für vorhandene optische Medien und Laufwerke bieten.
Den Markteintritt plant das Unternehmen im professionellen Bereich. „So wird zum Beispiel die Digitaltechnologie in den kommenden Jahren Einzug in die Kinos halten“, erklärt Ellis. Dies soll die Bildqualität verbessern und die Filme vor Verschleiß bewahren. Bisher projizieren weltweit erst 30 Lichtspielhäuser ihre Filme digital auf die Leinwand. „Mit heutigen Mitteln ist es nicht möglich, einen Film auf einem einzigen Wechselmedium abzuspeichern“, konstatiert Ellis.
Als Eintrittskarte in den Consumer-Markt sollen sich HDTV-Player (High Definition TV) erweisen. In den USA ist es bereits beschlossene Sache, dass alle Fernsehsender bis 2006 auf das HDTV-Format umstellen müssen. IDC bescheinigt der USA für das Jahr 2004 ein Marktpotential von 6 Mio. HDTV-Geräten. „Eine Zwei-Schichten-DVD-9 kann lediglich 15 Minuten im echten HDTV-1080i-Format speichern“, erklärt Ellis.
Die Amerikaner planen aber nicht nur die DVD zu beerben, sondern gleichzeitig auch alle bisher bekannten Flash-Speicher. Um die Anforderungen des boomenden Marktes mobiler Geräte zu erfüllen, wie zum Beispiel Digitalkameras, E-Books, PDAs und GPS-Systemen, komprimiert Constellation 3D die FMD-Technologie auf die Größe einer Visitenkarte. Die Daten werden mit einer CCD-Kamera quasi abfotografiert und über einen Imaging-Prozess ausgelesen. „Die Clearcard kostet in der Fertigung weniger als 1 Dollar und speichert 5 GByte/Seite“, unterstreicht Ellis.
IDC sieht in diesem Bereich jedenfalls akuten Handlungsbedarf. Derzeit koste ein Speichermedium mit 64 MByte noch weit über 100 Dollar. „Professionelle Studiofotografen und digitale Camcorder könnten für die FMC (Fluorescent Multilayer Card) der Markteintritt sein“, glaubt Schlichting. Der Absatz von Digitalkameras wachse weltweit jährlich um 45 %. Dieses Jahr rechnet IDC mit 150 Mio. verkauften PCs, Notebooks und Handheld-Computern. In vier Jahren sollen weltweit mehr als 250 Mio. Geräte einen neuen Besitzer finden.
Constellation 3D will die Technologie über ein Lizenzmodell vertreiben. „Analysten prognostizieren, dass der Markt für FMD und FMD-Laufwerke sich im Bereich von Hunderten von Mio. Dollar und für Disks und Karten im Milliarden-Bereich bewegen wird“, erklärt Ellis. Bisher konnte seine Firma Allianzen mit Ricoh, Zeon Chemicals und Steag Hamatech schließen. Vom direkten Erfolg des Unternehmens profitiert auch die deutsche Wirtschaft. Geplant ist der Bau einer Fertigung sowie eines Forschungs- und Entwicklungszentrums in Thüringen und der Stadt Altenburg. KARL FRÖHLICH

Speichertechnologie

FMD: Fluorescent Multilayer Disk

Die Fluorescent Multilayer Disk (FMD) basiert auf einem bereits 1994 von Dr. Joseph Malkin untersuchten, photochemischen Verfahren zur Herstellung eines neuen Speichermediums. Der Einsatz des Fluoreszenz-Prinzips soll eine dreidimensionale Datenspeicherung ermöglichen. Dazu werden Vertiefungen auf einem dünnen Substrat mit einem fluoreszierenden Farbstoff-Polymer gefüllt. Erregt ein roter Laser den Polymer, strahlt dieser ein schwaches Fluoreszenzlicht aus. Unterschiedliche Wellenlängen ermöglichen es dem Laser unter anderem, zwischen mehreren Layern zu unterscheiden. Ein spezielles Filtersystem unterdrückt die Reflexionen des Laserstrahls und interpretiert das fluoreszierende Licht als verwertbares Datenmaterial. kfr

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  • Karl Fröhlich

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