Drucker 09.06.2006, 19:22 Uhr

Jeder Handgriff schafft Mehrwert  

VDI nachrichten, Heidelberg, 9. 6. 06, rus- Heidelberger Druckmaschinen baut für 45 Mio. € im baden-württembergischen Wiesloch eine neue Fertigungshalle. Die Konzernführung belegt damit, dass auch am Standort Deutschland wettbewerbsfähig produziert werden kann. Fragen zur Auslegung der Fabrik an Jürgen Rautert, Vorstand Technik der Heidelberger Druckmaschinen, und den Fabrikplaner Martin Schönheit.

Rautert: Wir sind in der erfreulichen Lage, mehr Montagefläche zu brauchen, weil bestehende Kapazitäten in unserem Stammwerk ausgelastet sind. Die Produkte, für die wir diese Halle bauen, sind komplex und haben einen hohen auftragsbezogenen Anteil an Sonderlösungen. Dafür ist Deutschland nach wie vor ein exzellenter Standort.

Hinzufügen möchte ich noch die Bedeutung örtlicher Nähe von Entwicklung und Produktion, ein Faktor, der gerade bei Kleinserien und der Realisierung von Sonderwünschen wichtig ist.

Wir haben in den letzten Jahren unsere Kostenstrukturen verbessert, was die Entscheidung nochmals erleichtert hat.

Parallel dazu bauen wir aber in China für den dortigen Markt eine Fabrik für Serienprodukte. Ende September dieses Jahres werden wir vor Ort eine Einweihung bei bereits voll laufender Produktion haben.

VDI nachrichten: Was fertigen Sie in der neuen Montagehalle in Wiesloch?

Rautert: Wir erweitern unser Angebotsspektrum um Druckmaschinen größerer Formate zum Bedrucken von Bögen bis 120 cm x 160 cm. Das sind modular aufgebaute Maschinen, die komplett montiert weit über 100 t wiegen können und die auf diesen großen Bogen Farbe bei Geschwindigkeiten von 6 m/s mit Wiederholgenauigkeiten im 1/100 mm Bereich aufbringen.

VDI nachrichten: Welche Anforderungen wurden an die innere Gestaltung der neuen Montagehalle gestellt?

Rautert: In der neuen Halle 11 montieren wir auf einer Fläche größer als fünf Fußballfelder, das sind 35 000 m2, und einem Tragwerk für eine 63-t-Bekranung eine großformatige Druckmaschinengeneration.

In der Halle selbst werden kaum Wände errichtet. Jeder darf die Qualität der Produkte sehen. Systematik, Offenheit und Flexibilität sind gerade bei solch komplexen Anlagen ein wesentliches Element der Unternehmenskultur.

Wir gehen davon aus, dass die Kunden uns in Volumenschwankungen und Varianten stark fordern werden. Daher sollen die Prozesse in der Halle jederzeit wandelbar sein.

VDI nachrichten: Wie wandlungsfähig ist die Halle?

Schönheit: Während früher eine Fabrik beinahe 15 bis 20 Jahre der gleichen Nutzung zugeführt wurde, wechselt diese heute alle fünf bis sieben Jahre.

Obwohl die Halle auf die neue großformatige Maschinengeneration ausgelegt ist, bietet das Gebäude dem Nutzer die Chance, hier auch alle anderen bisher bei Heidelberg gebauten Maschinenformate zu montieren und kundenspezifisch abzunehmen.

VDI nachrichten: Wie kam es zu der markanten Gebäudeform?

Schönheit: Wir wollen, dass der Baukörper Transparenz und Innovation des Produkts repräsentiert. Deshalb hat das gesamte Gebäude die Gestalt einer Sieben-Farben-Druckmaschine mit den Maschinenmodulen Papieranleger, Druckwerke, Papierausleger und Galerie. Auch die Farben der Maschine wurden übernommen. Metallisch glänzende Flächen stehen für Innovation und Glas für Transparenz. Die vielen Glasflächen bieten den Blick in und aus der Halle und gewährleisten helle Arbeitsplätze.

VDI nachrichten: Wie groß ist ihre Fertigungstiefe bei den Druckmaschinen?

Rautert: Fertigen werden wir wertmäßig ca. ein Drittel der Teile der Maschine im eigenen Hause, hinzu kommt natürlich die Montage als eigene Wertschöpfung. Zulieferer haben wir in der ganzen Welt, der Schwerpunkt liegt aber nach wie vor in Deutschland.

Wir konzentrieren uns recht konsequent auf unsere Kernkompetenzen und arbeiten z.B. bei der gesamten Peripherie der Maschinen, also Luftaufbereitung, Wasseraufbereitung, Trockner usw. mit Technologiepartnern zusammen.

VDI nachrichten: Kostensparende Produktionssysteme gibt es viele, auf welches setzen sie?

Schönheit: Wir fassen die Methodenvielfalt im Umfeld der Produktion zu einem ganzheitlichen System zusammen. Im Rahmen der Einführung des Heidelberg-Produktionssystems HPS weisen bewährte Methoden wie Balanced Score Card (BSC), Lean Production, Kanban, Just-in-Sequence und Wertstromdesign gezielt den Weg zur besten Lösung.

Die mittleren Führungskräfte sind dabei die Treiber der Veränderung. Als zusammenfassender Managementgedanke findet der Ausbau des Systems zu einer nachfragegeregelten Fabrik statt. Wir nennen dieses Konzept „Plant-on-Demand“.

VDI nachrichten: In der öffentlichen Standort-Diskussion wird fast ausschließlich über Lohnkosten gesprochen, die einen Bruchteil der Kosten eines Produktes bei Verlassen des Werkes ausmachen. Was ist mit den restlichen Anteilen?

Rautert: Ein Drittel der Kosten für Personal ist ja nun nicht wenig und die müssen genauso ernst genommen werden wie die anderen zwei Drittel.

Aber durch effiziente Abläufe mit gut ausgebildeten Mitarbeitern in Verbindung mit hochproduktiven Werkzeugen sind viele Produkte auch unter den heutigen Rahmenbedingungen am Standort Deutschland wettbewerbsfähig herstellbar.

VDI nachrichten: Welche Rolle spielt Logistik im Produktionskonzept?

Schönheit: Heidelberger hat gemeinsam mit uns vor zwei Jahren das Konzept „Montage 2006“ entwickelt und bereits erfolgreich in einigen Montagebereichen umgesetzt.

Das erste Ziel ist hierbei, dass der Monteur mit jedem Handgriff Werte schafft. Dazu müssen die Baugruppen und Einzelteile, die montiert werden, in Griffweite des Monteurs sein. Die entscheidenden Aufgaben im Sinne der Synchronisierung der Prozesse übernimmt dabei der Produktionslogistiker.

VDI nachrichten: Was macht ein „Produktionslogistiker“?

Schönheit: Der Line-Feeder, wie wir sagen, stellt erstens die 100%ige Materialverfügbarkeit am Verbauort „Montage“ sicher, zweitens sorgt er dafür, dass kein Material, das nicht unmittelbar am gleichen Tag montiert wird, in der Produktionsfläche steht.

Wir haben bei der Planung der Halle 11 sämtliche Materialpuffer aus der Produktionsfläche herausgeholt. Das Material wird an einem Marktplatz in unmittelbarer Nähe zum Kleinteile- und Großteilelager vorkommissioniert bereitgehalten und vom Logistiker abgeholt.

VDI nachrichten: Wie ist die Fabrik an die Logistikzentren des Konzerns angebunden?

Rautert: Sie ist voll integriert in unsere Prozesse von Product-Lifecycle-Management und Supply-Chain-Management. Die neue Maschinenbaureihe unterscheidet sich strukturell nicht von den heutigen Maschinen, sie ist nur größer und wird in anderen Stückzahlen gebaut. Das heißt, dass wir mit gleichen CAD-Werkzeugen, Stücklisten und Auftragsmanagement arbeiten wie bisher, auch die Ersatzteilversorgung über unser Welt-Logistik System mit Zentrale in Heidelberg und mehreren Stützpunkten in den Regionen wird zusammenarbeiten wie bisher. rus

Von Rudolf Schulze
Von Rudolf Schulze

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