Speichermedien 10.06.2005, 18:38 Uhr

„IT-Chefs archivieren eher zu viel als zu wenig“  

VDI nachrichten, New Orleans, 10. 6. 05 – Unter den Anbietern von Datenspeichersystemen für Unternehmen gilt EMC als die Nummer eins. Das Unternehmen schaffte in den letzten Jahren durch Zukäufe den Wandel vom reinen Hardwarehersteller zum integrierten Hard- und Softwarekonzern. Im Gespräch mit den VDI nachrichten erklärt Chief Technology Officer (CTO) Jeff Nick die weitere Marschrichtung für EMC, wie die Ziele technologisch zu erreichen sind – und was der Kunde davon hat. Alsbald will man im Datenmanagement kräftig mitmischen. Konkurrenz mit den Anbietern von Workflow-, Business-Intelligence- und Datenbank-Software erscheint unausweichlich.

Nick: Wir beschäftigen in diesem Bereich rund 5000 Mitarbeiter und werden allein in diesem Jahr erstmals über 1 Mrd. $ dafür ausgeben.

VDI nachrichten: Woran arbeiten denn die vielen Leute und wofür wird dieses Geld ausgegeben?

Nick: 70 % des Geldes gehen in die Softwareentwicklung, zum Beispiel für die nächste Generation des Information-Lifecycle-Managements (ILM), bei der es nicht mehr um das optimale Abspeichern, sondern um das gesamte „Information-Flow-Management“ geht.

VDI nachrichten: Und wie steht es derzeit mit EMCs Information-Lifecycle-Management (ILM)?

Nick: ILM zielt auf das lückenlose Verwalten von Daten von deren Entstehung bis zum Löschen ab. Die gegenwärtigen strengen gesetzlichen Archivierungsauflagen – vor allem in den USA – haben dazu geführt, dass die Sicherheit im Datenmanagement eine noch nie da gewesene Qualität erreicht hat. Doch viele IT-Chefs befürchten im Moment etwas Wichtiges zu verlieren und neigen deshalb dazu, eher zu viel als zu wenig zu archivieren. Unser ILM schafft hier Transparenz, vermeidet unnötige Datenredundanz und sorgt dafür, dass alles, was nicht mehr notwendig ist, auch gelöscht wird.

VDI nachrichten: Das, was danach kommen soll, das Information-Flow-Management, hört sich nicht mehr nach reiner Datenspeichertechnik an?

Nick: Ist es auch nicht, sondern es geht erheblich darüber hinaus. Das Problem ist doch, dass wir weiterhin explosionsartig ansteigende Datenmengen erleben. Denken Sie nur an die Bio-Informatik oder RFID. Mit diesen vielen neuen Petabytes (1 Petabyte = 1 Mio. GByte, Anm. der Red.) bekommt das Wiederfinden von Informationen eine immer größere Bedeutung. Und genau hieran arbeiten wir.

VDI nachrichten: Also Datamining, Searching und Retrieval?

Nick: Ganz genau – und sogar noch einige Schritte weiter. Die zukünftigen Datenberge werden sich nur noch dann managen lassen, wenn man auch die Semantik der einzelnen Informationen berücksichtigt. Es geht in Zukunft darum, eine Vielzahl an Funktionen und Informationsinhalte nach einem Gesamtkonzept zu verbinden – ähnlich der Partitur einer Musikkomposition.

VDI nachrichten: Welche „Musikinstrumente“ wollen sie denn in diesem IT-Konzert einsetzen?

Nick: Alles, was die IT-Welt zu bieten hat. EMC ist bereits bekannt für das erfolgreiche Kombinieren von Technologien und wir werden weiterhin Hardware- und Software-Module integrieren, um beispielsweise Systeme wie Invista, unsere neue Komponente für die Highend-Storage-Virtualisierung, zu entwickeln oder SAPs Archivierungsfunktionen zu beschleunigen.

VDI nachrichten: Muss man denn dafür immer noch 30 % des Budgets in die Hardware-Entwicklung stecken? Ist im Storage-Bereich nicht allmählich die Hardware ausgereizt?

Nick: Nein, noch lange nicht. Sto- rage-Systeme werden sich zu dezidierten Funktionseinheiten entwickeln. Viele dieser Funktionen müssen anfangs auf Softwareebene implementiert werden. Doch mit weiterer Betriebssicherheit und Standardisierung lassen sich diese Module viel effizienter in die Hardware integrieren. Wir werden noch lange eine Art Sedimentierung von der reinen Software zu „embedded“ Hardwaresystemen erleben.

VDI nachrichten: Macht das die Systeme und deren Anwendung nicht zu proprietären Lösungen?

Nick: Nicht unbedingt. Es kommt darauf an, dass die zugehörigen Interfaces standardisiert sind. Deshalb arbeitet EMC in allen wichtigen Standardgremien sehr intensiv mit.

VDI nachrichten: Wie geht es denn weiter, wie sehen Sie die Storage-Situation, sagen wir, in zehn Jahren von heute?

Nick: Storage wird dem Vorbild des Netzwerk-Computing folgen, beispielsweise mit DNS-ähnlichen Ebenen. Die heute bekannte Trennung von Storage und Server in einem Netz wird zurückgehen. Stattdessen wird es definierte, funktionale Elemente geben, die bestimmte Aufgaben übernehmen und über standardisierte Schnittstellen miteinander kommunizieren. Und das natürlich auf einer Vielzahl unterschiedlicher Anwendungsebenen.

VDI nachrichten: Herr Nick, was ist EMC eigentlich: ein Softwarehaus, das auch Hardware anbietet, oder ein dezidierter Hardwareanbieter mit zusätzlichen Softwaremodulen?

Nick: Sowohl als auch. Aber mit abnehmendem Hardwareanteil. Im letzten Jahr betrug unser Hardwareumsatz nur noch 47 %, nach 53 % im Jahr zuvor.

VDI nachrichten: Wann ist denn vor- aussichtlich der Hardwareanteil bei EMC so klein, dass er vernachlässigbar ist?

Nick: Vermutlich nie. Unsere spezielle Kombination von Software, Service und Hardware hat EMC zum Marktführer im Storage-Bereich gemacht und es gibt keinen ersichtlichen Grund davon abzuweichen.

Jeff Nick

Jeffrey (Jeff) M. Nick kam 2004 von IBM als Chief Technology Officer (CTO) zu EMC. Bei IBM hatte Nick den Titel des „IBM Fellow“ inne, die höchste technische Auszeichnung für IBM-Forscher. Nick leitete unter anderem in seinen 24 Jahren bei IBM die Abteilung für die Entwicklung von IBMs Grid-Strategie. Er begann seine Forscherlaufbahn als Softwareingenieur und hält mehr als 50 US-Patente. Seine Ausbildung in Finanzwissenschaften machte er mit Auszeichnung am Marist College, Poughkeepsie, im US-Bundesstaat New York.swe

EMC

EMC Corp.: Gilt als einer der weltweit wichtigsten Hersteller von Datenspeicherprodukten.
Ursprünglich gestartet als Hardwarehersteller, baute EMC seit 2000 die Position als Softwarehaus durch den Zukauf von 12 Softwareherstellern aus. So weist die Gartner Group EMC als Weltmarktführer für Storage Management Softeware aus.

Gründung: 1979 durch Richard J. Egan und Roger Marino. Die Initialen von Egan und Morino stehen für das E und M in EMC.

Sitz: Hopkinton, Massachusetts/USA

Umsatz 2004: 8,23 Mrd. $

Gewinn 2004: 871,2 Mio. $

Mitarbeiter: Fast 24 000 weltweit, davon 5000 in der Forschung & Entwicklung

Budget Forschung & Entwicklung:
mehr als 1 Mrd. $ (2005)

 

Von Harald Weiss

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