Authentifizierungsverfahren 16.09.2013, 14:45 Uhr

iPhone 5S: Datenschützer warnen vor Fingerabdruckscanner

Per Fingerabdruck lassen sich in dem gerade vorgestellten iPhone 5S die Smartphones entsperren und Einkäufe im App-Store unternehmen. Das sei zu unsicher, kritisierte der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar gegenüber dem „Spiegel“.

Datenschützer warnen davor, den Fingerabdruck im Alltag einzusetzen. 

Datenschützer warnen davor, den Fingerabdruck im Alltag einzusetzen. 

Foto: Screenshot ingenieur.de

Der persönliche Fingerabdruck soll die Eingangs-PIN ersetzen und laut Apple nur im Gerät gespeichert werden. Die Fingerabdrücke würden weder auf einen Server oder in die iCloud geladen noch anderen App-Anbietern zugänglich gemacht. Apple-Manager Phil Schiller versicherte angesichts der NSA-Affäre bei der Vorstellung der neuen iPhones, dass die Privatsphäre der Nutzer oberste Priorität habe. Der neue Fingerabdruckscanner sei ein großer Fortschritt, sagte Schiller. Untersuchungen zufolge habe nicht einmal die Hälfte der iPhone-Nutzer einen Sperrcode auf ihrem Gerät eingerichtet. Vielen Nutzern ist dies offenbar zu lästig. Der IT-Sicherheitsexperte Bruce Schneier bezeichnet den Fingerabdruckscanner als Kompromiss zwischen Sicherheit und Bequemlichkeit.

Fingerabdruck nicht im Alltag abgeben

„Fingerabdrücke sollte man nicht für alltägliche Authentifizierungsverfahren abgeben, insbesondere wenn sie in einer Datei gespeichert werden“, meint dagegen Datenschützer Caspar. „Biometrische Merkmale kann man nicht löschen. Sie begleiten uns das Leben lang“, warnt er. Der Apple-Argumentation folgt Caspar nicht: „Der normale Nutzer ist gegenwärtig kaum in der Lage zu kontrollieren, was Apps mit dem Handy machen, auf welche Daten des Geräts sie zugreifen, welche Informationen sie auslesen.“

Das bestätigt eine Untersuchung des TÜV Rheinland, der in der letzten Zeit vor allem kostenlose Apps untersuchte. 40 Prozent von 500 überprüften kostenlosen Apps für Apple iOS, Android und Windows Phone lesen mehr Daten der User aus, als eigentlich für die ordnungsgemäße Funktionsweise der Programme erforderlich sind. Standortdaten, Passbilder, Kontaktdaten und Bilder werden bevorzugt mitgespeichert. Mit diesen Daten, die zumeist auf Servern im Ausland abgelegt werden, ließen sich dann komplette Nutzerprofile erstellen. Von den angesprochenen „Problem-Apps“ sollen nach Schätzungen des TÜV Rheinland knapp 30 Prozent mit dem unbemerkten Datenklau Geschäfte betreiben.

Daten nicht aus Bequemlichkeit abgeben

Johannes Caspar rät deshalb zur Datensparsamkeit: „Wo es nicht sein muss, sollte man seine biometrischen Daten auch nicht hinterlassen, schon gar nicht aus Bequemlichkeit“, sagte der Datenschützer. Für die Nutzer des neuen iPhone 5S bedeutet das: den Fingerabdruckscanner deaktivieren oder von Anfang an gar nicht erst einrichten.

Die Datenschützer hat Apples Innovation nicht nur in Deutschland auf den Plan gerufen: Schweizer Datenschützer wollen sich mit dem Thema auf der europäischen Ebene beschäftigen. „Wir werden uns dafür einsetzen, dass die Vereinigung der europäischen Datenschützer bei der EU auf die Problematik hinweisen wird“, kündigt Francis Meier, Mitarbeiter bei der eidgenössischen Datenschutzbehörde, an.

Von Andrea Ziech Tags:

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