IT-Infrastruktur 25.01.2002, 17:32 Uhr

IEEE funkt Bluetooth dazwischen

Während Bluetooth mit ersten fertigen Produkten Gehversuche auf dem Markt absolviert, droht mit IEEE 802.15.3 ein neuer Konkurrenz-Standard die Konsumenten zu verunsichern.

Für die kabellose Vernetzung verschiedener persönlicher Elektronikgeräte hat sich inzwischen ein Synonym etabliert: Bluetooth. Der neue digitale Kurzstreckenfunk hat seine hoch gesteckten Marktversprechungen noch längst nicht eingelöst, aufgrund verspäteter Verfügbarkeit der benötigten Spezialchips und nicht zuletzt wegen einer allgemeinen Rezession. Nun droht noch neue Konkurrenz in Form so genannter IEEE-Standards, benannt nach dem international operierenden Institute of Electronical and Electrical Engineers. Das IEEE hat sich vorsorglich den Fachbegriff W-PAN („Wireless Personal Area Networks“) rechtlich schützen lassen.

Bereits kurz nach der ersten öffentlichen Bluetooth-Präsentation formierte sich im Sommer 1999 innerhalb der IEEE eine Gruppe zur Standardisierung von W-PANs unter der Bezeichnung 802.15. Argument: Bluetooth sei ein „Industriestandard“, mit 802.15 würde eine offizielle und offene Basis geschaffen. Im März 2000 schlossen sich Cisco, Kodak und Motorola zusammen, um auf dieser Basis einen Standard für persönliche Funknetzwerke mit extrem hoher Datenrate ins Leben zu rufen. Die Idee: Bei 802.15.3 sollen Funk- und Datentechnik zugunsten einer möglichst hohen Datenrate so einfach wie nur möglich gehalten werden. Dabei will man auf komplexe Frequenzsprung- oder Datensicherungsprozeduren verzichten.

Anfang Januar hat der Film- und Kameramulti Kodak angekündigt, bereits patentierte Vorentwicklungen in ein eigenständiges Technologie-Spin-off namens Appairent zu überführen. „Durch die Konvergenz von Bildbearbeitung und Informationstechnologien wird die drahtlose Kommunikation zu einer Schlüsselfunktion“, begründet James Stoffel, Cheftechniker und Vorstandsmitglied der Eastman Kodak Company, die Initiative seines Unternehmens.

Für die Kommerzialisierung dieses neuen Industriezweigs sieht Kodak ein weltweites Marktvolumen von über 200 Mrd. Dollar. Inzwischen hegen auch die japanischen Konsumelektronik-Giganten Sony, Sharp und JVC ein starkes Interesse an dem neuen IEEE-Funkstandard. Und mit Motorola sitzt ein Mobilfunkspezialist mit im Boot, der sich darüber hinaus auch als Bluetooth-Promoter hervorgetan hat.

John Barr, bei Motorola für die Standardisierung zuständig, hält sogar den Vorsitz in der entsprechenden IEEE-Arbeitsgruppe inne. Er rechtfertigt dieses mehrgleisige Engagement: „Verschiedene Anwendungen rufen nach differenzierten Standards. Dabei ist es nicht unsere Absicht, existierende Standards zu torpedieren oder gar zu ersetzen, auch wenn es im Grenzbereich zu Überlappungen kommen wird.“ Barr rechnet fest damit, dass der neue 802.15.3-Standard noch bis zum Sommer 2002 fertig werden dürfte. Wenn dann die Hardwarelieferanten für entsprechende Funkmodule mitspielen, dürften die allerersten 802.15-Produkte noch vor Ablauf dieses Jahres erwartet werden. Dies hängt nicht zuletzt von geeigneten Chiplieferanten ab. Während Bluetooth weltweit auf mehr als 2000 unterstützende Firmen zählen kann, sind es beim neuen IEEE-Standard erst rund 50.

Noch ist im Moment nicht ganz klar, inwieweit der neue IEEE-Standard und Bluetooth zusammenfinden oder eher als Konkurrenten am Markt auftreten werden. Falls beide Lager keine klare Differenzierung finden, ist damit zu rechnen, dass die in jüngster Zeit bereits zurückgeschraubten Markterwartungen von Bluetooth sich noch weiter schmälern werden. Andererseits wäre sogar ein Zusammenschluss von 802.15.3 und Bluetooth-Version 2.0 denkbar, auch wenn etliche Analysten eher darauf tippen, dass die nächste Bluetooth-Generation zum Bandbreitengewinn eher auf das 5-GHz-Frequenzband ausweichen wird. Für den Anwender wird der Markt durch die jüngsten Entwicklungen unübersichtlicher, zumal Sony und Panasonic mit Bluetooth-integrierten Digicams auf der Multimediaschiene reiten. MARKUS AIGNER

@ www.ieee802.org/15

Funkstandards

Enge im ISM-Band

Etliche Kurzstrecken-Funkstandards nutzen das lizenzfreie 2,45-GHz-Frequenzband, das ursprünglich für industrielle, wissenschaftliche und medizinische Anwendungen gedacht war. Während bei Bluetooth die maximale Datenrate auf knapp 1 Mbit/s begrenzt ist, erlauben drahtlose LANs nach der IEEE-Spezifikation 802.11.b bis zu 11 Mbit/s. Nach den Vorstellungen der amerikanischen „Home-RF“-Initiative sollen PCs, Haushalts- und Konsumelektronikgeräte ein gemeinsames Netzwerk bilden können. Darüber hinaus versucht das IEEE, sämtliche Datenfunk-Anwendungen im persönlichen Umfeld des Menschen im Standard 802.15 zusammenzufassen. Hier existieren derzeit vier Untergruppen:

802.15.1 gilt als internationale „offene“ Version von Bluetooth.

802.15.2 soll die Interoperabilität unterschiedlicher drahtloser Netzwerke untereinander klären.

802.15.3 soll Datenraten von mindestens 20 Mbit/s Sekunde für Multimedia-Anwendungen zur Verfügung stellen.

802.15.4 soll mit niedriger Leistung und Datenraten bis 100 kbit/s Sensor- und Steuersignale übertragen. ma

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