Autotest 13.11.2009, 18:30 Uhr

Ideale Wagen für lange Reisen  

Mercedes E 350 CDI und BMW 530d – Mercedes punktet mit der neuen E-Klasse, die seit dem Frühjahr auf dem Markt ist. Für die Stuttgarter steht viel auf dem Spiel, gilt sie doch als das „Herz der Marke“. Die Konkurrenz im Premiumsegment der oberen Mittelklasse ist groß und BMW mit den 5er-Modellen stark. Beide noblen Limousinen überzeugen im Vergleich mit starken 3,0-l-Dieselmotoren. VDI nachrichten, Düsseldorf, 13. 11. 09, wop

Optisch gefällt die neue E-Klasse durch ihre harmonische Linienführung mit dem „Vier-Augen-Gesicht“ der Scheinwerfer. Die gesamte Karosserie wirkt dynamischer als beim Vorgänger. Zudem brachte der aerodynamische Feinschliff einen cw-Wert von 0,25 (Basisbenziner), das ist laut Mercedes Bestwert im Segment. Der BMW 5er, dessen Nachfolger schon 2010 erwartet wird, weiß ebenfalls zu gefallen – nicht nur optisch.

Beide, Mercedes E 350 CDI Elegance und BMW 530d Edition Exclusive, sind ideale Reisewagen für vier Erwachsene samt Gepäck. In den Kofferraum des 5er passen 520 l, bei der E-Klasse sind es 20 l mehr und die Zuladekapazität mit 530 kg zufriedenstellend (530d: 420 kg). Auch kann der Mercedes als Zugfahrzeug mit 2100 kg einen Doppelzentner mehr auf den Haken nehmen als der BMW.

Wer einsteigt, spürt bei beiden Limousinen die Anstrengungen der Hersteller hinsichtlich Qualität, Material und Verarbeitung. Im 5er dominiert die dezente, sportliche Note, z. B. bei der Armaturentafel, die dem Fahrer zugewandt ist. Im Mercedes geht es eher etwas nüchterner zu. Dafür spiegelt sich die besonders gute Funktionalität in vielen Details wider.

Das Bediensystem i-Drive im 5er ist inzwischen benutzerfreundlich. Mercedes hat Irrwege bei der Menüführung von Anfang an vermieden, ihr System ist auf Anhieb verständlich. Nicht zuletzt die Bedienelemente für Klimaanlage, elektrische Sitzverstellung und für das optionale Sprachsystem sind stimmig.

Eine Vielzahl elektronischer Helfer sorgt zudem für Sicherheit. Das Bremssystem mit „Hold“-Funktion und Berganfahrhilfe zählen genauso dazu wie optionale Systeme, darunter das adaptive Licht. Letzteres erleichtert das Reisen bei Dunkelheit durch Scheinwerfer, die sich automatisch den Gegebenheiten anpassen. Alles dient einem wichtigen Zweck: Der Fahrer wird entscheidend entlastet.

Die beiden 3,0-l-Turbodiesel unterscheiden sich in ihrer Bauart: Im Mercedes E 350 CDI arbeitet ein V6 (170 kW), im BMW 530d ein Reihensechszylinder (173 kW). Beide sind schon bei niedrigen Drehzahlen sehr durchzugsstark, der V6 erreicht das max. Drehmoment von 540 Nm schon bei 1600 min-1, der R6 das seine von 500 Nm bei 1750 min-1.

Bei den Messwerten liegen beide Fahrzeuge eng zusammen. Das gilt auch beim Verbrauch: Im Mittel je 100 km gab sich der 530d mit 7,7 l und damit 0,2 l weniger als der E 350 CDI zu frieden, der wie die meisten Mercedes-Diesel das Label „BlueEfficiency“ trägt.

Die Kraft entfaltet der Mercedes-V6 einen Deut spontaner, wozu die vorzüglich übersetzte 7-Gangautomatik (BMW: 6-Gang)) beitragen dürfte. Er läuft ähnlich kultiviert wie der BMW-Reihenmotor, klingt jedoch im oberen Drehzahlbereich kernig.

Bei der Fahrwerksabstimmung setzt Mercedes auf Komfort – die Federung filtert auch größere Unebenheiten sanft weg. Zum ausgezeichneten Fahrkomfort trägt außerdem das niedrige Abrollgeräusch bei. BMW packt beim 5er das Thema anders an, die eher sportlich orientierte Kundschaft will es so. Fahrdynamik heißt hier das Motto: Das zeigt sich u. a. in der strafferen Fahrwerksauslegung.

Kleinere Unebenheiten sind im 530d durchaus zu spüren. Bodenwellen werden nicht so komfortabel weggebügelt wie vom E 350 CDI. Die Bayern könnten das auch, wenn sie Komfort zum obersten Ziel machen würden. Für sie jedoch sind Agilität und Straßenkontakt wichtig.

In niedrigen Geschwindigkeiten ist die Lenkung des BMW schwergängiger Mercedes ist dort kompromissbereit und macht es dem Fahrer bzw. der Fahrerin leichter. Im Fahrverhalten sind dagegen beide heckgetriebenen Limousinen bis in den Extrembereich gutmütig.

Der BMW 530d Edition Exclusive kostet 57 780 € und ist damit fast 4900 € teurer als der Mercedes E 350 CDI Elegance mit 52 913,35 €. Allerdings hat er eine deutlich bessere Ausstattung, denn bei ihm sind Lederbezüge, Sitzheizung, Metallic-Lack, Einparkhilfe etc. enthalten, was fast zum preislichen Gleichstand führt.

Als interessante Alternative zum Mercedes E 350 CDI hat sich der E 250 CDI erwiesen. Dessen neuer 2,2-l-Vierzylinder mit 150 kW und 500 Nm Drehmoment überzeugt in den Fahrleistungen wie sein 20 kW leistungsstärkerer Dieselbruder, ist aber mit 6,8 l/100 km Testverbrauch als 6-Ganghandschalter sowohl deutlich sparsamer als auch im Basispreis mit 44 506 € wesentlich preiswerter.

INGO REUSS/WOP

Von Ingo Reuss/Wolfgang Pester

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