Hype um verbogene iPhones 28.09.2014, 12:13 Uhr

Ich wünsch mir … ein iPhone als Thermometer für die Badewanne

So was nennt man einen handfesten Skandal! Da verbiegt sich das neue iPhone 6 , wenn man sich mit 90 kg Lebendgewicht draufsetzt. 9 Beschwerden bei 10 Millionen verkauften Telefonen weltweit – das ist wirklich unerhört. Da stellt sich doch die Frage: Kann man das iPhone überhaupt noch für seine wichtigsten Aufgaben nutzen, nämlich beim Braten als Pfannenwender und als Eiskratzer für die Frontscheibe? Ingenieur.de macht sich Sorgen.

BILD findet, dass Apple geschlampt haben könnte. Denn das iPhone lässt sich verbiegen, jedenfalls dann, wenn man sehr kräftig drückt.

BILD findet, dass Apple geschlampt haben könnte. Denn das iPhone lässt sich verbiegen, jedenfalls dann, wenn man sehr kräftig drückt.

Foto: Screenshot Ingenieur.de

Zum Beispiel über die vielen Blogger und IT-Freaks in den TV-Sendungen, die sich gerade einen Tennisarm holen. Denn es ist zum Volkssport geworden, vor der Kamera ein iPhone auf die Tischkante zu legen und unter dem Einsatz aller Kräfte zu verbiegen. Unerhört, dass das Telefon das nicht aushält: Zeit für ein neues „gate“: Bendgate. So heißt der kollektive Aufschrei, der wegen des iPhones durchs Netz hallt.

Zugegeben: Ich habe gut reden, ich besitze kein iPhone. Große Bildschirme bei Telefonen sind mir suspekt, deshalb habe ich tatsächlich die Miniausführung des koreanischen Konkurrenten und bin happy damit. Aber ich habe mich eigentlich noch nie gefragt, ob mein Smartphone in der Hosentasche eine gute Figur macht und auch dem Versuch widersteht, es der Form einer Pobacke anzupassen.

Auch der Engadget-Reporter hat rote Finger, so fest muss er drücken, um das iPhone zu verbiegen. Das muss man filmen und skandalisieren.

Auch der Engadget-Reporter hat rote Finger, so fest muss er drücken, um das iPhone zu verbiegen. Das muss man filmen und skandalisieren.

Foto: Screenshot Ingenieur.de

Aber um mich geht es ja jetzt nicht, sondern um das iPhone. Und um enttäuschte Liebe. Denn genau danach klingen die Abgesänge, die da gerade wie Pilze aus dem Social Web sprießen. Apple ist offenbar dafür da, Träume zu verwirklichen.

Das iPhone ist Projektionsfläche für übersteigerte Wünsche

Das iPhone ist schon lange kein Smartphone mehr, es ist Projektionsfläche für übersteigerte Wünsche. Und von diesen hat Apple gerade ganz viele erfüllt. Das iPhone 6 gibt es mit größerem Display, es ist noch dünner, leichter, ist zugleich eine Kreditkarte und kann auch noch viel mehr als der Vorgänger.

Doch es ist offenbar nicht so perfekt, wie es sich die Apple-Jünger vorgestellt haben. Es ist nicht sooo robust, elegant und schlicht im Design wie seine Vorgänger, nicht so handschmeichelnd wie gewünscht. Und so, wie es aussieht, fehlt die unbedingte Faszination, die man von Apple erwartet. Da ist es sogar ein Thema, dass die Kamera wie ein Pickel hervorsteht, wie Bild-Redakteur Julian Reichelt in seinem Abgesang auf Apple schreibt. Ja, Abgesang! Wegen eines Telefons!

Die Kunden wollten es doch so. Größere Displays, dünnere Geräte, mehr Rechenleistung, Kamera mit höherer Auflösung als die Boliden von Canon & Co. haben, und forderten Funktionen, für die normalerweise ein ganzes Arsenal an elektronischen Geräten, Ausweisen und Kreditkarten zuständig ist. Am besten alles in einem schicken Gerät im gewohnt schlicht-stylischen Apple Design. Wie immer ohne Kompromisse.

… und dann setzen sich die Fans mit dem Hinter drauf

Findet den Fehler! Nein, nicht an den Geräten, an den Ansprüchen! Apple hat das Möglichste getan. Und vielleicht ist das das Problem. Das Unternehmen, das seit Jahrzehnten die Standards setzt und Wünsche nicht nur erfüllt, sondern überhaupt erst weckt, ist den Wünschen seiner Kunden jetzt hinterhergelaufen. Dafür hat Apple Kompromisse gemacht. Herausgekommen ist ein dünnes, schickes, funktionales Gerät. Und dann platzieren die ersten Besitzer ihren Hintern drauf!

Sitzen Sie auch auf Ihrem Notebook? Werfen Sie Ihre Kamera in die Toilette, um zu checken, ob sie wasserdicht ist? Oder nutzen Sie Ihre Stereoanlage als Esstisch und wundern sich, dass sie den umgekippten Rotwein nicht mag?

Die Finger sind schon ganz rot, so fest muss der BILD-Reporter drücken, um das iPhone zu verbiegen. So produziert man Skandale.

Die Finger sind schon ganz rot, so fest muss der BILD-Reporter drücken, um das iPhone zu verbiegen. So produziert man Skandale.

Foto: Screenshot Ingenieur.de

Ja, offenbar müssen Smartphones zum Preis von 600 Euro unbedingt in der Hosentasche stecken. Und wenn sie das nicht mögen, ist das wichtiger als die Frage, ob man mit dem Ding eigentlich telefonieren kann. Eigentlich ein Wunder, dass es sofort aufgefallen war, dass man mit dem gerade mal eine halbe Stunde erhältlichen Sicherheitsupdate iOS 8.0.1 niemanden mehr anrufen konnte.

Smartphones sind heute Alleskönner und eigentlich gar keine Telefone mehr. Der Spot eines Mobilfunk-Unternehmens liefert die passenden Bilder: Da spielt der eine Tischtennis mit seinem Smartphone, der nächste öffnet damit die Bierflasche.

Die Wünsche der User werden immer verrückter

Und was kommt als nächstes? Der Aufprallschutz für den 200-Meter-Abgang nach dem Klippen-Selfie mit automatischem Fallgeschwindigkeitsposting bei Facebook? Die Rührlöffel-App mit Live-Übertragung aus dem Innenleben einer Erbsensuppe? Oder das Smartphone als Badethermometer – dann aber gilt größte Vorsicht angesichts der Gefahr unbeabsichtigt gespeicherter Unterwasser-Nacktbilder, die automatisch per Twitter verschickt und in der Cloud gespeichert werden.

Vielleicht hätte Apple das Verbiegen-beim-schwungvoll-Draufsetzen einfach als weiteres Feature präsentieren sollen, im Sinne von: „Passt sich der Körperform an.“ Dann wären alle zufrieden – nein, begeistert! – gewesen und es hätte sich nicht jeder zweite „Tester“ für ein weiteres Skandal-Video an seinem neuen iPhone vergreifen müssen. 

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