Hardware 17.12.2004, 18:35 Uhr

IBM verkauft PC-Geschäft – und bleibt am Ball

VDI nachrichten, Düsseldorf, 17. 12. 04 -Der chinesische PC-Hersteller Lenovo übernimmt für 1,75 Mrd. $ die PC Computing Division von IBM und wird damit im PC-Weltmarkt die Nummer 3. Bewährte IBMler rücken in die Firmenspitze. Alle IBM-Vertriebskanäle und Kundenservices sollen bestehen bleiben.

Das passiert nicht alle Tage: Der Blaue Riese IBM (89,1 Mrd. $ Jahresumsatz) trennt sich abrupt von einem Geschäftsfeld, das mit 9,5 Mrd. $ ein Zehntel seines Jahresumsatzes ausmacht. Das sorgt für Schlagzeilen und tiefgründige Analysen über das Ende einer Ära, einer „symbolischen Zäsur“.
Denn es geht um die Personal Computer, die Power-Tools der Gegenwart. Anfang der 80er hatten sie bis dato ungeahnte Rechenleistungen auf die Schreibtische der Nutzer gebracht. Seitdem repräsentieren sie in ihrer universellen Vernetzung per Internet die Industriekultur und definieren unser Bild von der Welt. Da ist der Abstoß einer nicht mehr passenden Sparte mehr als ein gewöhnlicher strategischer Zug. Insbesondere wenn es um China geht.

Genauer betrachtet ist IBMs am 7. Dezember abgesegneter Verkauf des PC-Geschäfts gar kein Verkauf. Überdies, gemessen am Umsatz, für lächerlich geringe 1,75 Mrd. $. Sondern, laut Chief Financial Officer Mark Lough- ridge, eine „breit aufgestellte Allianz“. Eine Partnerschaft. Damit ist IBM keinesfalls out, wie es smarte Geister vorschnell sehen. Die um IBM erweiterte Lenovo-Gruppe gehört zu 18,9 % immer noch Big Blue. Und Lenovos Hauptquartier zieht von Peking nach New York um – nach Armonk, gleich neben die IBM-Zentrale. Kann man noch dichter ran?
Kaum. Lenovo wird, wenn der Deal durch ist, ab Mitte 2005, von bewährten IBMlern im dunkelblauen Nadelstreifen geführt, und nicht mehr von Fertigungsspezialisten in Maos lichtblauer Uniform. An der Spitze, als CEO, steht Stephen Ward Jr., jetzt noch PC-Chef bei IBM. Chairman wird Yuanqing Yang, bisher Lenovos CEO. Gründer und Chairman Liu Chuanzhi zieht sich vom Geschäft zurück.
Klingt das wie ein Ausstieg von IBM? Eher wie die Auslagerung eines unrentablen Geschäfts unter neuem Namen. Da gilt es an die Markentreue zu appellieren. „Die Allianz mit Lenovo ermöglicht die Verfügbarkeit hochwertiger Produkte“, beruhigt Ward in holperigem Geschäfts-Amerikanisch Kunden und Wiederverkäufer, in IBM-Speak „Business Partner“ genannt. Es geht um die Nobelmarke IBM. Sogar um mehr als die Marke – um eine gewachsene Weltanschauung: gediegene Qualität bei höchster Technologie.
Denn die Wettbewerber warten schon, um den IBM-Vertriebs-„Channel“ abzuwerben. Deshalb will Lenovo die „Thinkpad“-Laptops noch 18 Monate weiter mit IBM-Logo vermarkten. Erst nach fünf Jahren sollen sie „Lenovo-Thinkpads“ heißen. IBM will die Finanzierung und Wartung industrieller PC-Lösungen (gegen Provision von Lenovo) weiterführen: Business as usual um jeden Preis. Damit nur ja keine Positionsverluste auf der Weltrangliste drohen. Da stehen Dell und HP (mit 15 % bzw. 14 % Marktanteil) unangefochten an der Spitze. Für IBM war es bislang schwer genug, mit 5 % die dritte Position zu halten.
Was immer es ist: Für IBM bringt der Lenovo-Deal eine notwendige Refokussierung auf das klassische Segment der Firmenrechner und Software-Services. Also auf Technologie. Da ist mehr Wert drin als im „Commodity“-Geschäft mit PCs. Schon die ersten IBM-PCs waren ja Baukästen mit Systemschnittstellen. Zwar unter IBMs Definitionsmacht, aber offen für alle kompatiblen Zulieferer. Anfangs lukrativ durch Technologievorsprünge, jetzt dominiert durch Effizienz in Logistik und Fertigung: Erfolgsmodell von Dell.
Wie die Integration der beiden ungleichen Partner vor sich gehen wird, ist offen für Spekulation. Fakt ist, beide sind komplementär aufgestellt, ohne große Überlappung, technologisch und regional. Somit zielt die Fusion klar auf den Wachstumsmarkt China. Da ist Lenovo schon Marktführer mit 27 %. Da winken bei wachsender Massenkaufkraft Zuwachsraten im IT-Geschäft von jährlich 20 %. Im westlichen Markt ist das lange passé. IBMs Fertigungs-Jointventure für PCs mit Great Wall geht in das Abkommen mit Lenovo ein
Für Lenovo ist es der große Sprung nach vorn: von 3 Mrd. $ Umsatz auf 12 Mrd. $. Auf das Vierfache, über Nacht. Der Aufstieg von Platz 9 im Weltmarkt auf Platz 3. Obwohl sich aus der Sicht des Wettbewerbs nichts ändert: IBM allein war mit 5 % auch schon eine schwache Nummer 3. Jetzt erhöht sich der Marktanteil auf 7 % – immer noch weit unter Dell und HP.
Lenovo, 1984 von Forschern der Chinesischen Akademie der Wissenschaften mit Staatshilfe als IBM-Vertrieb gegründet, hat sich unter dem Namen Legend vorwiegend in Asien getummelt, ab 1990 mit eigenen PC-Designs. 1990 kam der Gang an die Börse in Hongkong, 2003 die Änderung des Namens in Lenovo.
Auch für China ist ein Stück IBM im heimischen Besitz ein wichtiges Signal: wieder ein Schritt weg vom Bild der verlängerten Werkbank des industriellen Westens, hin zur Hightech-Macht. Kein Wunder, dass die chinesische Regierung, von IBM-Chef Samuel Palmisano diplomatisch im Vorfeld konsultiert, den Abschluss mit Wohlgefallen sieht. WERNER SCHULZ

Von Werner Schulz
Von Werner Schulz

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