Nach Spionagevorwürfen 09.05.2013, 09:30 Uhr

Huawei hat offenbar kein Interesse mehr am US-Markt

Offen ausgesprochene Spionageverdächtigungen gegen die chinesischen Telekommunikationsausrüster belasten die Geschäftsbeziehungen zwischen Huawei und den USA. Angeblich will sich der Konzern zurückziehen, weil der US-TK-Markt immer mehr an Bedeutung verliere.

Der chinesische IT-Konzern Huawei steht in den USA stark unter Druck. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, illegal Daten aus den USA an die chinesische Regierung zu liefern.

Der chinesische IT-Konzern Huawei steht in den USA stark unter Druck. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, illegal Daten aus den USA an die chinesische Regierung zu liefern.

Foto: dpa/Friso Gentsch

„Wir sind nicht mehr am US-Markt interessiert“, sagte Huaweis Vice President Eric Xu auf dem alljährlichen Analystentreffen am Firmenhauptsitz in Shenzhen. Diese Äußerung wurde zunächst als deutliches Rückzugskommando verstanden, doch ein paar Tage später relativierte Huawei-Sprecher Scott Sykes: „Xus Aussage bezog sich darauf, dass das Netzbetreibergeschäft in den USA kaum noch Wachstumspotenzial bietet. Stattdessen sind unsere Aussichten in Europa und Asien deutlich besser. Wenn man sich die gegenwärtige Situation unseres US-Geschäftes genauer anschaut, stellt man schnell fest, dass es sehr schwer sein wird, die USA als eine wichtige Umsatz- und Gewinnquelle für unser Unternehmen aufzubauen“, hieß es in einem Statement.

Chinesische Huawei gilt in den USA als „Sicherheitsrisiko“

Das war eine sehr chinesisch-salomonische Formulierung. Vor allem im letzten Satz umschreibt Sykes die massiven Probleme, die Huawei und die USA miteinander haben. Erst vor wenigen Wochen warnte der republikanische Abgeordnete Mike Rogers den Mobilfunk-
provider Sprint und seine Tochtergesellschaft Clearwire davor, Huawei-Geräte einzusetzen. „Huawei ist ein Sicherheitsrisiko und US-Firmen, die deren Systeme einsetzen, laufen Gefahr keine Regierungsaufträge und -verträge zu erhalten“, sagte er in einem TV-Interview. Wie groß der Huawei-Anteil an der Netzinfrastruktur von Sprint ist, ist nicht bekannt. Doch ein Sprecher spielte deren Bedeutung herunter. „Huawei hat den mit Abstand geringsten Anteil in unseren Netzen“, erklärte Clearwire.

Doch die Verunsicherung ist groß. Schließlich ist Rogers Vorsitzender des Geheimdienst-Ausschusses, und dieser veröffentlichte bereits im vorigen Oktober einen Bericht, wonach die Systeme von Huawei und ZTE ein Sicherheitsrisiko für die USA darstellen. In dem Bericht werden die beiden chinesischen Hersteller verdächtigt, dass sie mit ihren Geräten heimlich den darüber laufenden Datenverkehr für die chinesische Regierung ausspionieren.

Vorwurf: Huawei soll bei Cisco abgekupfert haben

Hinzu kommen Copyright-Vorwürfe. So soll der Source-Code von Huaweis Switches und Routern komplett per „copy & paste“ von Cisco gestohlen worden sein – inklusive der Softwarefehler. Cisco hat sich mit Blick auf sein eigenes China-Geschäft außergerichtlich mit Huawei geeinigt, aber alle US-amerikanischen Anbieter sind über diesen Fall sehr verunsichert.

Die Folgen des angespannten Verhältnisses spiegeln sich in den Geschäftszahlen wider. So betrug Huaweis Gesamtumsatz in den USA im vorigen Jahr nur 1,5 Mrd. $ (Huaweis Gesamtumsatz weltweit 2012: 35 Mrd. $) – das meiste davon mit Mobiltelefonen. Das liegt laut Huawei nicht nur an den Problemen mit der US-Regierung, sondern auch an der allgemeinen Marktentwicklung. So genießen die USA schon lange nicht mehr die höchste Priorität bei den TK-Anbietern. „Vor zwei oder drei Dekaden betrug der US-TK-Markt noch 70 % des Weltmarktes, doch heute sind es bestenfalls 30 %“, sagte Huaweis Chief Technology Officer Li Sanqi auf dem Analystentreffen.

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