Messen 31.08.2001, 17:30 Uhr

Hightech zwischen Luftballons

Begierde wecken, Träume inspirieren – das will die Internationale Funkausstellung alle zwei Jahre in Berlin. Auf der Leistungsshow für Unterhaltungselektronik stehen daher nicht nur Fernsehgeräte, Hi-Fi-Anlagen und Autos, sondern auch Spiele und Events im Mittelpunkt.

Marcus und Marc ziehen Bilanz: Eine Tüte Kugelschreiber, Pfefferminz und Gummibärchen und – ihr Stolz – zwei Dosen Cola mit Kühlhülle. Nach drei Stunden auf der IFA (25. 8. bis 2. 9.) sind sie mit dem Ergebnis durchaus zufrieden.

Immerhin haben die 17-Jährigen eine entscheidende Erfahrung auf der Berliner Hightech-Messe gemacht. Der Tauschhandel blüht zwischen Internet und Digital-TV. Und: Nicht alle Hostessen rücken bereitwillig ihre Geschenke heraus. Eigentlich wollten die beiden Schüler den kleinen Handventilator von Debitel, doch zum Schluss tauschten sie ihre Sammlerobjekte doch gegen die Cola-Dosen.

Nach diesem Erfolg würden Marcus und Marc gerne einen weiteren Tag auf der IFA verbringen. Schließlich können die Besucher in drei Stunden nur einen Bruchteil der Angebote in 26 Hallen wahrnehmen. Sie hätten dann die Chance z. B. einen Pentium-4-Rechner am Intel-Stand zu gewinnen.

Hunderte von Antwortkärtchen sammeln sich täglich in der Glasbox bis zur abendlichen Verlosung um 18 Uhr. Ein älterer Herr müht sich ab, gleich ein ganzes Antwortkarten-Paket durch den Schlitz zu schieben, nebenan rätseln zwei Knirpse unter Luftballons an der Quizfrage. Andreas Berndörfer, Marketing-Manager und Standleiter, ist höchst erfreut über den Messeverlauf. Bei „Inside Intel“ drängeln sich Interessenten aller Altersgruppen um die neue Rechnergeneration.

Im hochsommerlichen Berlin startete die IFA 2001 schwach. Bei 35 Grad im Schatten lockte am Eröffnungswochenende der Wannsee mehr als gut gefüllte – und nicht immer gekühlte – Hallen. Doch mit dem Temperatursturz am Montag stellten sich auf der „weltweiten Nr. 1 der Consumer Electronics“ die erwarteten Besuchermassen ein.

Auf die Jungen bis Mitte 30 hat sich die alte Tante IFA konzentriert, die immerhin schon 77 Jahre zählt. Präsentierten die großen Fernseh-Anbieter 1999 noch klassisches Wohnzimmer-Ambiente mit Ficus im Topf und bequemen Sesseln, so verständigten sich die Anbieter von Grundig bis Nokia in diesem Jahr auf ein kühles, klares Design frisch aus der Wohnung gut verdienender Singles.

Doch weder glänzendes Styling noch ohrenbetäubender Lärm hielten manch älteren Besucher davon ab, sich nach den neuesten Techniktrends zu erkundigen. Den 75-jährigen Karl Netz störte das Jugend-Image der Firmen nicht. Er nutzte die Chance für seine privaten Fachgespräche. „Sehr viel besser“ sei er nun im Bilde über die neue digitale Fernseh- und DVD-Technik, begeisterte er sich am späten Samstagnachmittag. So gut würde er in den Geschäften nie beraten. Bepackt mit Katalogen und bunten Broschüren machte sich der Berliner auf den Heimweg.

Nicht nur der Senior trug schwer am Messegepäck. Luftballons, Bonbons, Kugelschreiber, CD-Hüllen – alles verschwand neben Broschüren in den bunten Tragetüten. Zu Hause wird sortiert. Der 60-jährige Brandenburger Manfred will „sehr genau“ nachlesen, was aus dem riesigen Audioangebot demnächst im havelländischen Wohnzimmer stehen könnte.

„Die Leute sind gut informiert“, darin sind sich die meisten Anbieter von Unterhaltungselektronik einig. Die am häufigsten gestellten Frage ist die nach der Kompatibilität. Schließlich will der Kunde wissen, ob der neue digitale Fernseher auch noch den herkömmlichen analogen Empfang ermöglicht.

Doch es geht nicht nur um die technischen Details. Leuchtende Augen bei der Verbindung von High Fidelity mit dem liebsten Kind der Deutschen: dem Auto. Vor der „Car Vision“ von Blaupunkt bestaunt der 18-jährige Gregor, frisch gebackener Führerscheinbesitzer, Cockpit-Geräte, über die navigiert und telefoniert werden kann, Musik sich hören und E-Mails sich verschicken lassen. Zielgruppe erreicht – auch wenn es noch eine Weile dauern wird, bis die meist jugendlichen Technikfans sich ihre Träume auch erfüllen können. In den glänzenden mit Technik voll gepackten Karossen schauen nämlich Väter ihren Söhnen über die Schulter.

Für den Business-Nomaden darf’s etwas aufwendiger sein. Das mobile Sony-Büro steckt in einem Mercedes Pullmann. Ab Januar 2002 können Top-Manager die neue Technik in ihren Daimler – auch der S- und E-Klasse – einbauen lassen.

Stephan Schambach mag das noch nicht so recht glauben. Viele der neuen Produkte werden über den Messe-Prototyp nicht hinaus kommen, schätzt der Vorstandsvorsitzende von Intershop. Der Jenaer baute zwei Stunden Schnell-Visite in seinen Terminplan ein, um sich „ein paar Spielzeuge für’s Auto“ anzuschauen. Mehr Zeit bleibt dem Manager nicht.

Volle zwei Tage brauchte hingegen das Team „Orcana“. Andreas Riechelmann kam mit neun weiteren Mannschaftsmitgliedern zum Finale der Deutschen Meisterschaft im Computer Gaming. Die „Counter Strike“-Spezialisten erreichten zwar nicht den erhofften Platz, doch ihr Auftritt mit 300 weiteren Computerspiel-Experten war ein Erlebnis. Täglich will „Netzstatt Game City“ auf 1700 Quadratmetern bei Einsteigern und Profis die Spielleidenschaft anregen.

Bis zum letzten Messetag können auch SMS-Fans ihr Geschick unter Beweis stellen. Wer es am schnellsten schafft, den inhaltsschweren Satz „SMS, der Fernschreiber in ihrem Handy, ist schnell, einfach und mobil. Aber sind ihre Finger auch schnell genug, um sie in die Guinness-Show der ARD zu bringen?“ korrekt auf einem Nokia-Handy einzutippen, hat gute Chancen, die Guinness-Show im Oktober live mitzuerleben. Doch bis dahin muss nicht nur getippt werden. Auf der IFA müssen auch noch elf Stempel an den Ständen der Sponsoren eingesammelt werden. Die Sender-Redaktion hat schon mal getestet, wie schnell es gehen könnte: Der interne Rekord liegt bei einer Minute und 30 Sekunden.

Zehn Messestunden hat der Tag, dann können die müden Besucher ins Velo-Taxi steigen und sich die rund 300 Meter zur S-Bahn-Station radeln lassen. Auf dem Heimweg wird noch gefachsimpelt. Marcus und Marc, für die nach der IFA die Schule wieder beginnt, werden vielleicht mal in einem Fachgeschäft vorbei schauen. Angetan hat es ihnen der kleine Digital-Camcorder von Sony – jetzt müssen sie nur noch ausrechnen, wie lange sie dafür sparen müssen. (Seiten 7, 21, 22)
BIRGIT BÖHRET

  • Birgit Böhret

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