Displays 06.04.2007, 19:27 Uhr

Große Märkte, kleiner Profit  

Zu viele Wettbewerber kämpfen undiszipliniert um Marktanteile. Die Preise fallen steil nach unten. Die Branche leckte daher auf der diesjährigen US Flat Panel Display Conference des US-Marktanalysten Displaysearch Anfang März ihre Wunden.

Noch wachsen alle Anbieter. Aber nicht alle wachsen schnell genug. Erste Konsolidationen sind im Gange. „Letztes Jahr war das dritte in Folge, in dem sich das Wachstum verlangsamt hat“, konstatiert Ross Young, Gründer und Chefanalyst von Displaysearch im texanischen Austin. Seine jährliche „US FPD Conference“ ist zum maßgeblichen Treff der Flat-Panel-Display-Branche geworden. Wenn Young in seinem schon legendären Eröffnungsvortrag ohne Punkt und Komma, aber mit gelassenem Witz durch seine 60 Präsentationsfolien rast, dann lauschen die versammelten Branchenmanager mit gespitzten Ohren, auf dass ihnen keine Nuance entgehe.

„Eine Kur für die Display-Versorgungskette – Erholung in zehn Stufen“ war dieses Mal (vom 6. bis 8. März) das Thema der Konferenz. Die Versorgungskette – Materialien und Fertigung, Panel-Hersteller, OEMs, Marken, Händler – gerät in den Blick. Ist da was faul – trotz steigender Umsätze bei den aktuellen Displaytypen? Die Ausnahme bilden die Displays aus Organischen Leuchtdioden (OLEDs), die zwar in den Stückzahlen aufholen, aber noch immer vom Anfangsoptimismus einer neue Technologie zehren.

Oder ist das die typische Dichotomie des halb vollen, halb leeren Glases – Leitmotiv von Industrien, die aus lukrativen Nischen ins Rampenlicht rauer Consumer-Massenmärkte taumeln. Da wird der Erfolg in nur einer Kategorie gemessen: alle Wochen neue Schnäppchen.

Dieses Erscheinungsbild lenkt die Innovation der Panel-Hersteller. Distinktionsgewinne im Einzelhandel sind mit schrittweisen Innovationen kaum mehr zu realisieren. Obwohl einige TV-Hersteller es mit HD-Schirmen im Format 1080p versuchen. Oder, wie Corning Glass, mit der „Silicon on Glass“-Technologie die Ansteuerung von Aktivmatrix-TFT-LCDs und OLEDs vereinfachen und mit kleineren Transistoren höhere Schaltungsdichten erzielen. Oder auch, wie die Advanced PDP Development Center Corp., mit einem Plasma-Schirm, der statt 2,5 lm/W eine Ausbeute von 10 lm/W erzielt und zudem strukturelle Vereinfachungen mit Kostenreduktionen bringt. Darüber, so Young, gehen noch leicht zwei Jahre ins Land.

Vorerst also werden die immer gern gezeigten, sprunghaft „disruptiven“ Technologien, wie die OLEDs und die nichtflüchtigen, flexiblen Schirme auf organischen Substraten, erst einmal hinausgeschoben. So lange, bis alle Preisschlachten der heutigen Technologien geschlagen sind und die Investition in disruptive Fertigungen als optimale Strategie erscheint. Da hat auch der Display-Guru Young keine eindeutige Antwort: „Was wir brauchen, ist ein kleiner Shake-out.“

Einige Schlüsselzahlen des Jahres 2006: Fernseher sind „der“ Markt für Flachbildschirme, mit einem Wachstum von 14 % auf 85 Mrd. $. Insbesondere für die LCD-Displays. Trotz allen Abwiegelns im Sinne einer Marktbereinigung kann auch Young nicht umhin, dies als „gesundes Wachstum“ zu bezeichnen. Insgesamt, einschließlich der vorschnell tot geglaubten Bildröhren, die in Billigfernsehern momentan noch dominieren, steht der Displaymarkt heute kurz vor der 100-Mrd.-$-Schwelle.

Der Anteil der TV-Geräte als Displayapplikation hat jetzt 39 % erreicht. Vor zwei Jahren waren es noch 27 %. Dann folgen die Desktopmonitore mit 22 % und die Mobiltelefone mit 14 %. Mit ihnen hatte alles angefangen bei den Flachbildschirmen. Die restliche Rangfolge ist stabil geblieben.

Die LCD-Panels sind mit 88,5 % Anteil der große Umsatzbringer. Bei ihnen dominiert Aktivmatrix-TFT mit 74 % – obwohl die einfachen und kleinen Passivmatrix-Schirme in den Handys weiterhin ihr Leben fristen. Sie verzeichneten 2006 sogar ein Stückzahlwachstum um 25 %, was ihren Anteil bei den LCD-Panels auf 54 % steigert. Denn die Mobiltelefone brillierten 2006 erstmals mit Jahresstückzahlen über 1 Mrd. – genau waren es 1,153 Mrd.

Für 2007 deutet alles auf ein noch langsameres Wachstum, sagt Young. Obwohl die LCD-TV-Schirme um 23 % zulegen werden, dürften die Plasmapanels keine Umsatzsteigerung einfahren. Alles in allem: ein Plus für die FPDs von 8 % auf 92 Mrd. $.

WERNER SCHULZ

Ein Beitrag von:

  • Werner Schulz

    Freier Fachjournalist in München. Schwerpunktthemen: Mikroelektronik, Solartechnik, Displaytechnologie.

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