Autotest 05.07.2002, 18:20 Uhr

Flotte Kleinwagen überzeugen mit starken Dieselmotoren

Platzangebot und Fahrkomfort machen heutige Kleinwagen zu vollwertigen Autos. Mit einem drehmomentstarken Diesel sind sie nicht mehr so untermotorisiert wie einst die meisten von ihnen. Sparsam sind sie dennoch geblieben.

Im direkten Vergleich glänzt
der neue Ford Fiesta 1.4 TDCi gegenüber seinem ernst zu nehmenden Konkurrenten Citroën C3 1.4 HDi besonders durch Ausgewogenheit.
Dieselmotoren spielen bislang bei den Kleinwagen eine unbedeutende Rolle. Jüngste Prognosen gehen jedoch davon aus, dass sich das in den nächsten Jahren gründlich ändern wird. Nicht zuletzt, weil bedeutende Hersteller von Dieselaggregaten, wie die Konzerne PSA (Peugeot/Citroën) und VW, auf modernste Direkteinspritzung auch in dieser Klasse setzen. PSA liefert seit wenigen Monaten den 1,4-l-Diesel HDi mit Common-Rail-Technik aus er leistet in der ersten Stufe 50 kW und bietet ein max. Drehmoment von 150 Nm bis 160 Nm. Ford kooperiert seit zwei Jahren mit den Franzosen, deshalb werden PSA-Dieselmotoren und -konzepte auch in Kleinwagen der Marke aus Köln zu finden sein.
Der Fiesta macht damit den Anfang. Ford hat den Dieselmotor leicht spezifiziert, dazu gehört eine etwas höhere Verdichtung, das Drehmoment wächst geringfügig von 150 Nm (PSA) auf 160 Nm. Außerdem wurden in der Motoraufhängung härtere Elemente verwendet, was zu einem etwas raueren Motorlauf beiträgt. Die Änderungen wirken sich auch auf Fahrleistungen und Verbrauchswerte aus.
Bei etwa identischen Beschleunigungswerten und fast gleicher Endgeschwindigkeit, weichen am ehesten die Elastizitätswerte voneinander ab. Der Fiesta 1.4 TDCi beschleunigt um knapp 1 s schneller von 60 km/h auf 100 km/h als der C3 1.4 HDi. Im Testverbrauch herrschte fast Gleichstand mit kleinen Vorteilen für den Fiesta, obwohl die Normwerte eher für den im Citroën C3 verbauten PSA-Motor sprechen, bei dem sich offensichtlich die längere Getriebeübersetzung auswirkt. Beide sind jedenfalls sehr sparsam mit einem Durchschnittsverbrauch von knapp über 5,0 l/100 km.
Das Leistungsspektrum der beiden reicht im Stadt- und Überlandverkehr völlig aus, wenn man keine hohen Ansprüche stellt. Lediglich an langen Autobahnsteigungen, zumal beladen, geht den beiden, sonst recht drehmomentstarken Dieseldirekteinspritzern die Puste aus. Das präzise Fünfganggetriebe des Fiesta erleichtert Schaltmanöver noch etwas zäh gab sich das Pendant im C3, mit ansonsten knackig-kurzem Schalthebel.
Deutlicher sind die Unterschiede in der Karosserie. Der Fiesta tritt mit gradlinigem, sachlichem Design an. Der C3 versucht es dagegen mit Charme. Keine Frage, das Citroën-Blechkleid vermittelt mehr Emotionen. Allerdings kann der C3 das hohe Dach und die Kuppelform nicht in einen Vorteil beim Raumangebot umsetzen. Gegenüber seinem auch in Außenlänge und -breite etwas kleineren Konkurrenten bietet der Fiesta viel Platz vorn und hinten.
Kleine Abstriche gibt es aber für die kurze Oberschenkelauflage vorn und für die wenig abstützende Sitzposition im Fond auf den straffen Polstern des kleinen Ford. Außerdem senkt sich bei seiner Sitzhöhenverstellung nur die Sitzfläche ab, wodurch im unteren Teil des Fahrersitzes zwischen Rückenlehne und Sitzfläche ein Spalt entsteht. Der C3 überzeugt durch sein gutes Raumangebot vorn, im Fond sind jedoch die Platzverhältnisse ein bisschen eingeschränkt die komfortablen Sitze könnten außerdem etwas mehr Seitenhalt bieten.
Im Fiesta freuen sich Fahrer und Fahrerinnen über die übersichtliche und funktionelle Armaturentafel, das Kunststoffmaterial wirkt im Oberflächendesign von Hartschalenkoffern aber nicht besonders „hochwertig“. Eine frischere und frechere Atmosphäre würde gewiss nicht schaden. Weitgehend gilt das auch für den kleinen Citroën, bei dem Details wie die netten Klapptischchen an der Rückseite der Vordersitze nicht sonderlich gut verarbeitet erscheinen. Über einen Mangel an Ablagen kann man hier nicht klagen.
Segmenttypisch das Stauvolumen. Der glattflächige Fiesta-Kofferraum bietet 284 l. Der C3 fasst 31 l mehr und kann optional durch ein „Moduboard“-System aus Kunststoff unterteilt werden, hier besteht aber die Gefahr von Klappergeräuschen. Wenig bequem ist das Öffnen der Fiesta-Tankklappe mit dem Zündschlüssel.
Unterschiedliche Wege gehen beide Hersteller bei der Fahrwerksabstimmung. Der C3 untersteuert in zügig durchfahrenen Kurven leicht und legt sich auch zur Seite, bleibt aber bis weit in den Grenzbereich gutmütig. Das Antischleudersystem ESP (Elektronisches Stabilitäts-Programm) ist bislang noch nicht verfügbar. Grundsätzlich ist der kleine Citroën komfortabel ausgelegt, nur auf Querrinnen neigt die Vorderachse manchmal zum Stuckern. Der relativ große Wendekreis schränkt die Handlichkeit ein.
Pluspunkte im Fahrverhalten sammelt der Fiesta, der gute Handling-Eigenschaften, einen Schuss Fahrdynamik und lobenswerten Fahrkomfort kombiniert. Egal, ob kurze Unebenheiten oder lange Bodenwellen, der kompakte Ford bügelt praktisch alles sauber weg. Nicht zuletzt bleibt er in Kurven neutral, was fast schon das nicht angebotene ESP entbehrlich macht. Letztlich profitiert er im Gesamturteil durch seine Ausgewogenheit.
Bleibt noch der Preisvergleich: Citroën verlangt für den C3 1.4 HDi SX exakt 13 670 d, das sind bemerkenswerte 1020 d weniger als Ford für den Fiesta 1.4 TDCi Trend berechnet. Der optisch sympathisch auftretende Franzose verbucht einen weiteren Pluspunkt bei der Sicherheitsausstattung, weil bei ihm die seitlichen Kopf-Airbags serienmäßig sind. Außerdem liegt bei ihm die Vollkasko-Prämie deutlich niedriger. Ausstattungsdetails wie Sidebags vorn und Zentralverriegelung mit Fernbedienung bieten beide in Serie. Für die empfehlenswerte Klimaanlage ist, wie bei den meisten Kleinwagen, ein Aufpreis zu zahlen. INGO REUSS/WOP

Ein Beitrag von:

  • Ingo Reuss

    Der Autor Ingo Reuss ist Motorjournalist. Er ist seit vielen Jahren für große Tages- und Wochenzeitungen sowie Fachmagazine tätig.

  • Wolfgang Pester

    Ressortleiter Infrastruktur bei VDI nachrichten. Fachthemen: Automobile, Eisenbahn, Luft- und Raumfahrt.

Stellenangebote im Bereich Produktmanagement

JUMO GmbH & Co. KG-Firmenlogo
JUMO GmbH & Co. KG Produktmanager (m/w/d) Schwerpunkt: Temperaturfühler – Widerstandsthermometer, Thermoelemente Fulda
BERTHOLD TECHNOLOGIES GmbH & Co. KG-Firmenlogo
BERTHOLD TECHNOLOGIES GmbH & Co. KG Produktmanager Prozessmesstechnik Bereich Strahler- und Abschirmungen (Maschinenbau Ingenieur / Techniker) (m/w/d) Bad Wildbad bei Karlsruhe
WILO SE-Firmenlogo
WILO SE Produktmanager (w/m/d) Dortmund
Huber SE-Firmenlogo
Huber SE Produktmanager (m/w/d) Mechanische Reinigung Berching (zwischen Nürnberg und Ingolstadt)
Infineon Technologies AG-Firmenlogo
Infineon Technologies AG Senior Manager Procurement Engineering (w/m/div) Warstein
Gebr. Brasseler GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Gebr. Brasseler GmbH & Co. KG Produktmanager Medizintechnik (m/w/d) Technische Antriebs- und Gerätelösungen Lemgo
A. KAYSER AUTOMOTIVE SYSTEMS GmbH-Firmenlogo
A. KAYSER AUTOMOTIVE SYSTEMS GmbH Produktentwickler (m/w/d) – Produktgruppe Leitungen und Material Einbeck
A. KAYSER AUTOMOTIVE SYSTEMS GmbH-Firmenlogo
A. KAYSER AUTOMOTIVE SYSTEMS GmbH Produktentwickler (m/w/d) für Luftführungen & NEV Einbeck
A. KAYSER AUTOMOTIVE SYSTEMS GmbH-Firmenlogo
A. KAYSER AUTOMOTIVE SYSTEMS GmbH Produktentwickler (m/w/d) – Ventile Einbeck
Flottweg SE-Firmenlogo
Flottweg SE Produktmanager (m|w|d) Vilsbiburg, Nähe Landshut

Alle Produktmanagement Jobs

Top 5 Produkte

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.