Displays 21.10.2005, 18:40 Uhr

Flachbildschirme erobern die Autocockpits  

VDI nachrichten, München, 21. 10. 05 – Für die Hersteller von Flachbildanzeigen ist die Automobil- branche einer der Zukunftsmärkte schlechthin. Doch die neue Kundschaft ist diffizil. Wer etwa Flüssigkristallbildschirme, kurz LCD, für das Auto anbietet, muss Risiken und Nebenwirkungen bedenken.

Zwei bis drei Jahre noch, dann erwarten Experten in deutschen Automobilen größere und bessere Displaytechnologien. Das Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK glaubt, dass der Markt für kleinere LCD-Displays unterhalb einer Größe von 14 Zoll – und die stecken in Pkw – in den nächsten Jahren kräftig wachsen wird.

Für Produktmanager Staffan Kordina von Sharp Microelectronics Europe liegt der künftige Standard bei einer Monitorgröße von acht Zoll. Als aktuelles Beispiel für diesen Trend gilt die neue S-Klasse von Mercedes.

Im Automobil geht es bei Anzeigenelementen – neudeutsch: Displays – nicht nur um rein funktionale Aspekte wie das Format oder eine entsprechend hohe Bildauflösung. Es gilt Kostenaspekte, Zuverlässigkeit und Sicherheitsaspekte im Verkehr sorgfältig abzuwägen.

„Was die Sicherheit im Cockpit angeht, so sind die EU-Gesetze anders als in anderen Ländern etwas strenger gefasst“, erläutert Sales Manager Volker Noeske von Dekra. Im Klartext bedeute dies: Der Hersteller haftet, wenn er die Kunden nicht vorher über die Risiken mobiler Displays aufklärt.

Wo der Hersteller den Monitor im Cockpit positioniert, hat also durchaus versicherungsrechtliche Relevanz. „Bei einem Unfall zahlt die Versicherung einfach nicht, wenn es hier etwas zu beanstanden gilt“, gibt Noeske zu bedenken.

Der Monitor darf weder die freie Sicht des Fahrers behindern, noch weitergehende Probleme verursachen, wie Vibrationen, Spannungsabfall, Beschleunigungs-, Temperatur- oder Feuchtigkeitsschwankungen. „Die Vorgaben für die Hersteller für elektronische Komponenten sind mit diversen Regulatorien auf EU-Basis ziemlich eng gefasst“, sagt Noeske.

Der japanische Elektronikriese Sharp sieht sich auf diesem Spielfeld bestens positioniert. Derzeit bietet der Konzern die so genannten transflektiven Displaytechnologien von 6,5 Zoll bis 8,8 Zoll an. Sie sollen trotz wechselnder Umgebungshelligkeit eine gleich bleibende Bildqualität gewährleisten.

Eine hochwertige Antireflexionsbeschichtung minimiert darüber hinaus störende Spiegelungen auf der Glasoberfläche. Auch der seitliche Blick auf die Navigationsanzeige durch Fahrer oder Beifahrer sei durch einen erweiterten Betrachtungswinkel bis zu 160° unproblematisch, ohne dass das Bild ins Negativ kippe.

Noch einen Schritt weiter geht eine Neuerung, ein Navigationssystem mit unterschiedlichen Bildinhalten. Diese so genannte „schaltbare Parallaxenbarriere“ basiert auf der Flüssigkristall-technik (LCD). Zwei unterschiedliche Flüssigkristallschichten auf einer Anzeige sorgen dafür, dass der Fahrer das Navigationssystem im Blick hat und der Beifahrer auf der zweigeteilten „Leinwand“ gleichzeitig einen Film anschauen kann. Erste Anfragen aus der Automobilindustrie lägen bereits vor, bestätigt Sharp.

Für die Hersteller bedeuten derartige Szenarien aber auch einen Spagat zwischen kundenfreundlichen und gleichzeitig zuverlässigen Lösungen. Erschwerend hinzu kommt der hohe Kostendruck in der Automobilbranche. „Displays müssen immer arbeiten, aber gleichzeitig müssen wir mit den Kosten noch um mehrere hundert Euro herunter, um entsprechende Akzeptanz beim Kunden zu finden“, bestätigt Sharp-Manager Staffan Kordina.

„Rund siebzig Prozent des gesamten Budgets für Forschung und Entwicklung gehen in neue Displaytechnologien“, erklärt Kordina. Zum Beispiel in die Entwicklung neuer Backlights. Flüssigkristallbildschirme müssen mit einer Hintergrundbeleuchtung arbeiten, dem Backlight. Bisher besteht dies in Regel aus einer Kaltkathodenstrahllampe (CCFL) auf Quecksilberbasis.

Unter anderem schärfere Umweltanforderungen bringen jetzt den Ersatz der CCFLs durch leuchtdiodenbasierte Leuchtenkörper in die Diskussion. Hier seien die Technologien zwar auf dem Markt vorhanden, aber keiner wolle dafür zahlen, gibt Kordina zu bedenken.

Die Japaner bauen ihre Produktionskapazitäten im Mutterland in nächster Zeit kräftig aus. Bis Herbst 2006 will Sharp eine neue, nur auf die Produktion von LCD-Panels ausgerichtete Fabrik, in Kameyama fertig stellen. Dort sollen LCD-Panels bis 45 Zoll gefertigt werden. Ab kommenden Oktober dürften pro Monat allein 1 Mio. 32-Zoll-Displays das Werk verlassen. Davon wird auch die Automobilindustrie profitieren. Bis dahin hütet der Konzern seine Geheimnisse streng: „Bei LCD ist die Produktion selbst das Geheimnis, die meisten Mitarbeiter haben keinen unmittelbaren Zutritt zu den Fertigungsanlagen“, sagt Kordina.

LOTHAR LOCHMAIER

Von Lothar Lochmaier
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