Drucker 09.12.2005, 18:41 Uhr

Filmkonzern konsequent auf Digitalkurs  

VDI nachrichten, Düsseldorf/Stuttgart, 9. 12. 05 – Rein in neue Märkte, raus aus dem alten Geschäft – diese Rosskur machen seit einiger Zeit die früheren Anbieter und Hersteller der analogen Fotografie durch. Die japanische Fujifilm sucht neue Wachstumsmärkte. Deutschland übernimmt für den Konzern hierbei im Bereich Grafische Systeme eine Vorreiterrolle.

Schnell, flexibel und variabler Einsatz, das waren die Parameter für einen neuen Belichter bei dem Verlag W. Kohlhammer in Stuttgart. Das Unternehmen gehört zu den größten deutschen Verlagen mit einer eigenen Druckproduktion. Kohlhammer wollte die Druckvorstufe optimieren, die Belichtung der Druckplatten. Eine Maschine, die möglichst viel leisten sollte, war gefragt. „Bei einer Investitionssumme von rund 900 000 € macht man es sich nicht leicht“, sagte Steffen Franzisi, Technischer Leiter der Druckerei, und: „Wir haben den Belichter bei Fuji gefunden.“

Nur: Fuji stellt gar keine Belichter her. Aber der japanische Konzern ist seit Jahren in der Druckvorstufe präsent und die Lieferung an Kohlhammer der Beginn eines Projektes, das Pilotfunktion für Europa haben solle, wie die Pressesprecherin Petra Fujiwara erläutert. Der so genannte Ultra-Large-Format-Belichter heißt nämlich PlateRite Ultima 32 000Z und kommt vom ebenfalls japanischen Hersteller Dai Nippon Screen. „Wir arbeiten mit Screen zusammen, um für die Kunden im grafischen Gewerbe alles aus einer Hand anbieten zu können“, erklärt Fujiwara. Screen sei vertriebsmäßig nicht so stark, Fuji habe den besseren Zugang zur Kundschaft. Auch mit Kohlhammer hat Fuji eine lange Geschäftsbeziehung.

Was Steffen Franzisi da für seinen Maschinenpark angeschafft hat, ist wirklich ein Allroundtalent: „In seiner Leistungsfähigkeit schneller wie alle vergleichbaren Belichter auf dem Markt und gravierender Vorteil ist die programmierte, integrierte Druckplatten-Registerstanzung für acht Formate“, schwärmt er.

„Ein Wachstumssegment“, erklärt Fujiwara, „und auf diese Gebiete konzentrieren wir uns zurzeit.“ Der mit klassischem Film groß gewordene Konzern muss, ähnlich wie Konkurrent Kodak, den Schwenk ins digitale Geschäft vollziehen. Wo das aus eigener Kraft nicht geht, bietet er eben mit Partnern die Produkte an. „Wir möchten im Bereich Grafische Systeme einen Marktanteil von 35 % erzielen“, erklärt Fujiwara. „Mit der Aufnahme der Very-Large-Format-Belichter sind wir dem schon sehr nahe gekommen.“

Die jüngste Vereinbarung – der Vertrieb von Digitaldruckmaschinen der Marke HP Indigo – ist gerade vier Wochen her. Es passe zum verstärkten Engagement in Wachstumsmärkten, so Fujiwara: „Der Digitaldruck ist ganz eindeutig ein Feld, das als solches erkannt worden ist. „Wir wollen bei Druck und Druckvorstufe Marktanteile hinzugewinnen. Mit Indigo können wir den Kunden eine Lösung für kleinste Auflagen anbieten.“

Der gesamte Bereich Grafische Systeme gehört bei Fujifilm zu den wachstumsstärksten Segmenten. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres legte der Umsatz in diesem Bereich um 17 % zu. Dennoch, so schätzt Fujifilm selbst, dürften sich Umsatz und Gewinn für das laufende Geschäftsjahr kaum gegenüber dem abgelaufenen erhöhen: Der Grund: Die Geschäfte mit dem analogen Film brechen weiter rapide ein. Das frisst die Zuwächse der Wachstumstechnologien wieder auf. Die erste europäische Installation des Very-Large-Format-Druckplatten-Belichters bei Kohlhammer ist für Fuji ein Puzzleteil unter vielen. Für den Technischen Leiter Steffen Franzisi löst es längerfristig Probleme. Für seine Auftragsstruktur – unterschiedliche Formate und unterschiedliche Auflagenhöhen der jeweiligen Drucksachen-Jobs – muss die rationellste und wirtschaftlichste Lösung gewählt werden.

Beispiel: Ein Prospekt wird auf einer „passenden“ Bogenoffsetmaschine im optimalen Format eingesetzt, um wettbewerbsfähig zu sein. Hierfür wiederum braucht man das passende Druckplattenformat für die Druckformherstellung. Flexibilität ist dann erreicht, wenn nur ein Plattenbelichter „alle“ Formate abdeckt.

Genau das kann der neue Screen PlateRite Ultima 32 000Z; er erlaubt die formatvariable UV-Bebilderung von Platten im Format B2 (50 x 70 cm) bis zu 32-Seiten-Formen im 7B-Format (120 x 162 cm) und das in vier Auflösungsstufen (1200 dpi bis 2540 dpi). Im Dreischichtbetrieb werden so bis zu 800 Druckplatten mit diesem Belichter verarbeitet. Möglich macht das der doppelte Belichtungskopf. KLAUS JÜRGEN SCHILLER/swe

Fujifilm

Der 1934 als Filmhersteller für Kinofilme gegründete Fujifilm-Konzern agiert heute mit drei Geschäftsbereichen:

  • Imaging Solutions: Farbfilme, Digitalkameras, Ausrüstungen für Fotofinishing, Farbpapiere und Chemikalien
  • Information Solutions: Medizinische Bildsysteme, grafischer Bereich (Druckvorstufensysteme, Verbrauchsmaterialien und Dienstleistungen), Materialien für Flachbildschirme, Datenspeichermedien, Office & Industrie (u. a. Kameralinsen)
  • Document Solutions: Kopier- und Multifunktionsgeräte, Bürodrucker, Dienstleistungen im Büroumfeld, On-Demand-Drucksysteme. Die Bereiche Information sowie Document Solutions konzentrieren sich auf Wachstumsmärkte. Das Segment Imaging Solutions verzeichnet trotz des Digitalkameranteils einen steten Umsatzrückgang. swe

 

 

Von Stephan W. Eder
Von Stephan W. Eder

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