Speichermedien 21.11.2003, 18:27 Uhr

Explodierende Akkus: billig und gefälscht

„Nutzen Sie nur Original- Akkus“, darauf verweisen Handyhersteller in ihren Bedienungsanleitungen. Doch immer mehr Billigplagiate überschwemmen den Markt – gefährliche Nachbauten, die nicht den Sicherheitsstandards entsprechen.

Aufatmen bei Nokia. Die belgischen Verbraucherschützer von Test-Aankoop bestätigten am Dienstag dieser Woche, dass es bei den „explodierten“ Lithium-Ionen-Akkus um Fälschungen von Nokia-Produkten handelte. „Nach den Tests besteht kein Zweifel mehr an der Sicherheit von Original-Nokia-Akkus“, erklärte Janne Jormalainen, Vizepräsident bei Nokia Mobiles postwendend.
Auch ihm sind 30 bis 40 Fälle bekannt, wo in Nokia-Handys Akkus explodierten und teils zu schweren Verletzungen im Gesicht und an Händen führten. Norwegen, Holland, Finnland, Hongkong – überall auf der Welt verletzten sich Handytelefonierer, mehrheitlich, nachdem ihr Gerät heruntergefallen war. „Innerer Kurzschluss“, das attestieren Experten und bestätigen gleichzeitig, dass die Mehrzahl aller Akkus gegen dieses Phänomen gefeit ist.
Ausgenommen davon scheinen einige Billignachbauten, die en masse den Markt bevölkern. Jormalainen: „Wir haben es hier mit einem raffinierten Gegner zu tun, der sehr erfahren in der Fertigung von Produkten ist, die der Verbraucher kaum vom Original- zubehör unterscheiden kann.“
Bei kürzlich in Belgien, Großbritannien und anderen EU-Ländern durchgeführten Razzien wurden zehntausende gefälschter Produkte – mehrheitlich Akkus – beschlagnahmt. „Das lässt die Gesamtzahl aller im Jahr 2003 sichergestellten und zerstörten Produkte schon jetzt weltweit auf mehr als fünf Mio. anwachsen.“
Bernd Schwenke, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter eine Untersuchung der Stiftung Warentest leitete, kennt die Problematik genau. Die deutschen Verbraucherschützer nahmen Nickel-Metallhydrid-Akkus mit der Aufschrift „Nokia“ unter die Lupe. Fünf von acht Exemplaren erwärmten sich bis zu 140 °C, so dass die Akku-Gehäuse zu schmelzen begannen.
Doch Schwenke weiß auch: „Mit technischen Untersuchungen kommen wir nicht weiter.“ Massenweise Plagiate von Nickel-Metallhydrid-Akkus würden auch in renommierten Geschäften oder dem Fachhandel weitergegeben. Die Fälschungen stecken in wiederverwendeten oder gefälschten Nokia-Packungen.
„Je nach Akku-Typ und Gegend tauchen zwischen 30 % und 70 % Fälschungen“ auf. Für Schwenke heißt das einerseits, dass „die Staatsanwaltschaft stärker gegen Fälscherringe vorgehen muss“. Andererseits fordert er in Richtung Nokia eine bessere Kennzeichnung der Akkus – z.?B. mit Hologrammen auf den Akkus oder Etiketten, die sich beim Aufreißen der Verpackung, verfärben. „Das ist alles auf dem Markt“, weiß Schwenke und ist zuversichtlich, dass Nokia innerhalb weniger Monate handeln wird.
Jormalainen hat jetzt offiziell den Plagiatherstellern den Kampf angesagt. Zusammenarbeit mit Behörden, Entwicklung von fälschungssicheren Techniken und Verbraucheraufklärung verspricht der Marktführer. Doch nicht nur die schwer auffindbaren Infos zu Akku-Fälschungen auf der Nokia-Homepage lassen dieses Unterfangen halbherzig wirken.
So warnte Konkurrent Siemens bereits vor über einem Jahr offensiv und ohne den Druck der Öffentlichkeit vor Akku-Plagiaten. Sony Erics- son sorgt für technische Abhilfe. „Unsere Handys erkennen Original-Akkus durch eine elektronische Kodierung“, erklärt Steffen Grosch, Produkt Marketing Manager von Sony Ericsson Deutschland. „Bei einem Fremd-Akku wird, um Unfälle zu vermeiden, der Ladestrom automatisch heruntergefahren, und es erscheint im Display die Meldung Fremd-Akku.“ Außerdem seien Originale an einem Hologramm auf der Rückseite zu erkennen.
Ein Blick ins Internet genügt, um festzustellen, was zurzeit alles auf dem Akku-Markt geboten wird. Unzählig die Billig-Akkus – Nachbauten aller Couleur, die sich im Auktionshaus Ebay ersteigern lassen. Und das zu traumhaften Preisen. 4,90 « für einen Lithium-Ionen-Akku für das Nokia 3310 statt 20,90 « im Nokia-Shop – wen lockt das nicht?
Und auch Originale sind zu Billigpreisen zu finden. „In dieser Branche fällt viel vom Lastwagen“, so Daniel Wild, Vorstand vom TV- und Internethändler Getmobile. Frisch aufgedeckte Seriendiebstähle am Frankfurter Flughafen bestätigen das.
Für Branchenkenner Wild steht fest: „Produktpiraterie lohnt sich erst ab großen Margen.“ Allein Nokia dürfte in diesem Jahr weltweit 160 Mio. Handys verkaufen, über 400 Mio. sind im Einsatz. Im Schnitt behalten deutsche Kunden ihr Gerät 2,4 Jahre. Ein Akku hält nur rund 1 Jahr – Ersatz ist also gefragt. Den allerdings kann durchaus auch ein Akku von Drittherstellern gewährleisten – auch wenn das Handyhersteller nicht gerne hören. So führt z.?B. Conrad Electronic in seinem Sortiment sowohl Originalakkus gängiger Marken, aber auch preisgünstigere Fremd-Akkus. Sprecherin Christina Bauroth versichert: „Diese Fremd-Akkus entsprechen sowohl bei den technischen Anforderungen als auch im Qualitäts- und Sicherheitsstandard durchaus den Original-Akkus.“
dow/niwo/R. BÖNSCH

Plagiate erkennen
Handyhersteller unterscheiden drei Akku-Typen: Originale vom Hersteller, Akkus von Drittherstellern (unter eigener oder gar keiner Marke) und gefälschte Akkus. Für Verbraucher ist es schwer die Spreu vom Weizen zu trennen. Während nämlich z.?B. Akkus von Drittherstellern durchaus gut ihre Dienste verrichten können, können Billigfälschungen auch gefährlich werden. Von Akkus mit einfachen Aufklebern „Made in China“ oder mit Rechtschreibfehlern sollte man die Finger lassen. Wer – wie übrigens alle Hersteller raten – tatsächlich nur die teuren Originale im Gerät einsetzen will, muss auch auf Akkus mit Aufschriften verzichten wie: „Compatible with“, „For Nokia“, NOK und NK (mit Modellnummer), etc. Mehr dazu zeigt Nokia versteckt auf ihren Internetseiten. Echte Plagiate, so warnt Siemens, sind für Laien über den Preis (deutlich niedriger als Originalakkus) sowie über den Handelskanal (z.?B. Internethändler, Ebay, Flohmärkte) zu erkennen. rb
www.nokia.de/de/nokia/presseloft/specials/nokia_originalzubehoer/73800.html

Kurzschluss-Ströme wie bei einer Lichtmaschine

Auch Experten sind sich uneins, warum Lithium-Ionen(Li-Io)-Akkus explodieren konnten. „Durch einen Sturz kann es zu einer mechanischen Beschädigung am Akku selbst oder der Verkabelung kommen“, so Andreas Jossen, Experte beim Zentrum für Sonnenenergie und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg. Für Helmut Mack vom gleichnamigen Batterietest-Unternehmen könnte ein verpolt eingebauter Kondensator der Übeltäter sein. Fest steht: Es kann zu einem Kurzschluss kommen, so dass der Akku sehr schnell sehr heiß wird und Feuer fängt. Li-Io-Akkus sind hier kritischer als Nickel-Metallhydrid(NiMH)-Akkus, die keine brennbaren Komponenten enthalten. Sie können bei Kurzschluss „nur“ sehr heiß werden. Li-Io-Akkus dagegen enthalten einen organischen, brennbaren Elektrolyten und müssen aktiv vor Überladung geschützt werden, so Siemens. Ist dieser Schutz nicht vorhanden oder unzuverlässig, so erreichen sie beim Überladen schnell kritische Zustände, die im ungünstigsten Fall in einer Explosion enden. Wolfgang Haupt, Berater für Batteriesysteme, weiß, dass in Li-Io-Akkus Kurzschluss-Ströme um 80 Ampere gemessen werden. Das entspricht dem Strom einer Lichtmaschine. rb
www.tecchannel.de/hardware/1191/0.html

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