Hardware 29.12.2000, 17:27 Uhr

Erfolg mit silberner Zunge und eisernem Willen

In einer Garage im Silicon Valley begann vor 60 Jahren die Erfolgsgeschichte von Hewlett-Packard. HP entwickelte sich zu einem weltweit führenden Technologiekonzern. In den 90er Jahren begann der HP-Mythos jedoch zu verblassen. Dann kam Carly Fiorina.

Carleton „Carly“ Fiorina wird nachgesagt, sie habe eine silberne Zunge und einen eisernen Willen. Beides kann die dynamische Managerin an ihrem Arbeitsplatz gut gebrauchen: Fiorina ist seit Mitte 1999 Boss des Computer- und Druckerherstellers Hewlett-Packard und damit nicht nur eine der ganz wenigen Frauen, die an der Spitze eines amerikanischen Großunternehmens stehen, sondern auch die einzige, die eine der 30 Gesellschaften leiten, die zur Elite des Dow Jones Industrie Index zählen.
In den vergangenen anderthalb Jahren konnte die Top-Managerin großes Lob dafür einstreichen, dass sie den müde gewordenen Hightech-Giganten revitalisiert und ihm eine neue Richtung vorgegeben hat. Das Umsatzwachstum des Computergiganten hatte sich in den späten 90er Jahren auf ein mageres Prozent verlangsamt. Mit Fiorina werden heute wieder Wachstumsraten von 15 % erzielt, insgesamt ist der Umsatz unter ihrer Führung von 39 Mrd. Dollar auf 49 Mrd. Dollar geklettert. Doch seit Mitte November sind Schatten auf die Erfolgsstory gefallen. Fiorina musste den Aktionären eingestehen, dass das Unternehmen die Gewinnerwartungen für das vierte Quartal nicht erfüllen werde. Gleichzeitig war sie gezwungen, eine andere Niederlage einzuräumen. Ein von ihr besonders verfolgter Plan, den Service-Bereich des Produktionsunternehmens nachhaltig zu verstärken, musste aufgegeben werden. Das sollte durch die schon ausgehandelte 18 Mrd.-Dollar-Übernahme des Beratungs-Teils von PricewaterhouseCoopers geschehen. Aber daraus wird nichts werden.
Obwohl viele Anleger über diese Entscheidung nicht unbedingt unglücklich waren, fanden sie die Unternehmensdaten sehr unbefriedigend. Der Aktienkurs, der noch im Sommer bei 68 Dollar gelegen hatte, sackte auf 34 Dollar ab und ist seither weiter auf 29 Dollar gefallen. Fiorina ging angesichts der schlechten Nachrichten zwar zügig zum Angriff über, indem sie die Wachstumsvorhersage für das kommende Jahr von 15 % auf 17 % erhöhte, aber sie konnte die Skepsis der Finanzmärkte nicht überwinden.“Wir haben Probleme“, erklärte sie, „aber wir verstehen sie und können damit umgehen.“
Diese Aussage, die von großem Selbstvertrauen zeugt, ist typisch für die berufliche Laufbahn von Fiorina, der ein Aufstieg in das Top-Management nicht an der Wiege gesungen war. Carly Fiorina, 1954 als Tochter eines Richters und Rechts-Professors geboren, studierte an der Stanford Universität zunächst mittelalterliche Geschichte und Philosophie und danach, in den Spuren des Vaters, Recht an der Universität von Kalifornien in Los Angeles. Aber schon nach einem Semester fand sie heraus, dass Jura nicht ihr Fach war. Sie wechselte an die Universität von Maryland, wo sie Wirtschaftswissenschaften studierte und 1980 ihren MBA erwarb. Später setzte sie noch einen Abschluss in Naturwissenschaften am berühmten Massachusetts Institute of Technologie (MIT) in Boston drauf.
Die junge Absolventin hatte keine Mühe, einen Absprung für ihre Karriere zu finden. Sie landete bei dem Telekommunikations-Riesen AT&T, wo sie schnell nach oben strebte. Nach einigen Jahren wechselte sie in die Networks Systems Gruppe von AT&T, in der Telefongeräte und Zubehör hergestellt wurden.
Obwohl viele ihrer Kollegen diese Veränderung als eine Sackgasse ansahen, wurde er für Fiorina der Beginn eines schwindelerregenden Aufstiegs. Mit 35 Jahren wurde sie der erste weibliche Top-Manager und mit 40 Jahren war sie Leiterin der Amerika-Abteilung.
Als AT&T sich im Jahre 1996 von der Network Systems Gruppe trennte und sie unter dem Namen Lucent Technology als selbständige Aktiengesellschaft an den Markt brachte, spielte Fiorina eine führende Rolle. Zwei Jahre später übernahm sie als Präsident das globale Geschäft des Unternehmens mit einem Umsatz von 19 Mrd. Dollar. Es ist deshalb nicht ganz überraschend, dass Fiorina im Jahre 1999 schnell in die engere Wahl kam, als Hewlett Packard sich nach einem Nachfolger für den langjährigen Firmenchef Lewis Platt umsah, weil der Board ihm nicht länger zutraute, den „Großvater von Silicon Valley“, wie das mehr als 60 Jahre alte Unternehmen auch genannt wird, für das Internet-Zeitalter fit zu machen. Mit der Berufung von Carly Fiorina hat Hewlett-Packard einen großen Schritt getan, denn es erkor zum ersten Mal nicht nur einen weiblichen Chef, sondern auch jemanden, der nicht innerhalb der Gesellschaft aufgestiegen war.
„Carly war ganz einfach die beste Person, um Hewlett-Packard ins nächste Jahrhundert zu führen“, erklärte ihr Vorgänger seinerzeit. An dieser Einschätzung hat sich bis heute offensichtlich nicht viel geändert: „Der Board steht voll auf ihrer Seite“, sagt der ehemalige Chairman Richard Hackborn, der diesen Titel und diese Position erst vor wenigen Wochen an Fiorina übergeben hat.
Ein Teil des ökonomischen Unwetters, mit dem das Unternehmen nun fertig werden muss, ist nicht firmenspezifisch es hat mit den allgemeinen Schwierigkeiten der Branche zu tun, von dem auch Wettbewerber wie Compaq, Dell, Cisco oder Microsoft betroffen sind. Doch Fiorina gibt sich kämpferisch. Die Schwierigkeiten seien nur ein „kleines Hindernis“ für ihre Pläne, dem Elektronikkonzern einen führenden Platz in der Internet-Welt zu verschaffen. An der Wall Street wird die Frage gestellt, ob sie sich nicht zu viel vorgenommen hat, wenn sie gleichzeitig den Umsatz stark erhöhen und ausreichend Gewinn erwirtschaften will.
„Ich kann nicht erkennen, wie sie beides erreichen kann“, sagt Analyst John Jones von Salomon Smith Barney, der sich sorgt, dass Carly Fiorina von HP „zu viel auf einmal verlangt“.
Solche Bedenken haben ihre Ursache darin, dass die HP-Chefin sich überwiegend um die Reorganisation des Unternehmens, aber nur wenig um alltägliche betriebliche Produktions-Probleme kümmert. Allerdings sprechen ihr Experten Anerkennung dafür aus, dass es ihr gelungen ist, den PC-Absatz in einem insgesamt schwächer werdenden Markt um etwa 40 % zu steigern und dabei den Konkurrenten Dell zu überholen. Nun müsse sie aber noch ihr Versprechen verwirklichen, einen vergleichbaren Erfolg im gewinnträchtigeren E-Business-Bereich zu erzielen.
„Ich habe diesen Job nicht angenommen, weil ich dachte, es ginge schnell oder sei leicht“, stellt sie mit trotzigem Selbstbewusstsein fest, „aber ich weiß, dass wir auf dem richtigen Wege sind.“ Wie viele Spitzenmanager, wird Fiorina für ihre Bemühungen mit Aktien entlohnt. Ihr Paket, das gegen Kursverfall gesichert ist, hat einen Wert von 65 Millionen Dollar. GERD J. BRÜGGEMANN

Carleton „Carly“ S. Fiorina
Die HP-Chefin wurde am 6. September 1954 in Austin, Texas, geboren und studierte Geschichte und Philosophie an der Stanford Universität. Zudem verfügt sie über akademische Abschlüsse in Wirtschaftswissenschaften und Naturwissenschaften. Fiorina war 20 Jahre lang für AT&T und Lucent Technologies tätig – zuletzt als Präsidentin des Lucent Global Service Provider Business. Im Juli 1999 trat sie ihren Job als HP-Präsidentin an. Sie leitet als erste Frau einen der wichtigsten Technologiekonzerne der Welt – mit Erfolg. jok

Ein Beitrag von:

  • Gerd J. Brüggemann

Stellenangebote im Bereich Produktmanagement

Ewellix GmbH-Firmenlogo
Ewellix GmbH Leiter Produktentwicklung (m/w/d) Schweinfurt
Bürkert Fluid Control Systems-Firmenlogo
Bürkert Fluid Control Systems Produktmanager Analysesensoren (m/w/d) Ingelfingen, Triembach (Frankreich)
Bundeswehr-Firmenlogo
Bundeswehr Ingenieurin / Ingenieur (m/w/d) im gehobenen Technischen Dienst – Beamteneinstellung Köln
Johannes KIEHL KG-Firmenlogo
Johannes KIEHL KG Produktmanager Dosier- und Applikationstechnik (m/w/d) Entwicklung der Systeme für Küchenhygiene, Textil- und Gebäudereinigung Odelzhausen (zwischen Augsburg und München)
TECE GmbH-Firmenlogo
TECE GmbH Product Line Manager Sales Schwerpunkt Entwässerungssysteme (m/w/d) Emsdetten
Jungheinrich AG-Firmenlogo
Jungheinrich AG Entwicklungsingenieur (m/w/d) Produktentstehungsprozess Norderstedt
Gebr. Brasseler GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Gebr. Brasseler GmbH & Co. KG Produktmanager Medizintechnik (m/w/d) – Technische Antriebs- und Gerätelösungen Lemgo
RINGSPANN GmbH-Firmenlogo
RINGSPANN GmbH Produktmanager (m/w/d) für Freiläufe Bad Homburg
ROMA KG-Firmenlogo
ROMA KG Ingenieur / Techniker (m/w/d) Produktentwicklung / Konstruktion Burgau bei Ulm/Augsburg
Physik Instrumente (PI) GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Physik Instrumente (PI) GmbH & Co. KG Leiter Produktentwicklung (m/w/d) Raum Eschbach

Alle Produktmanagement Jobs

Top 5 Produkte

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.