Hardware 17.11.2000, 17:27 Uhr

Ein Kollege, der alles weiß

Über kleine elektronische Assistenten wird der Außendienst demnächst an jedem Ort und zu jeder Zeit direkt mit dem EDV-Netz seines Unternehmens verbunden sein.

Alarm beim Kunden. Die ganze Anlage steht. Schnell muss der Ingenieur vor Ort Erste Hilfe leisten, damit die Produktion wieder anlaufen kann. Doch welcher Maschinentyp wird ihn erwarten? Hat er alle Baupläne und Reparaturmaßnahmen im Kopf? Kein Problem, er hat ja seinen Assistenten dabei. Ein kleiner Kollege, der alles weiß, mit ungeheurem Gedächtnis und direktem Draht zur Firmendatenbank, zudem ausgesprochen kommunikativ. Die Rede ist vom Personal Digital Assistant (PDA), der nach Expertenmeinung die Zukunft für den anspruchsvollen technischen Außendienst revolutionieren wird.
Eine Entwicklung, die zu der viel gepriesenen Familie Pervasive Computing (pervasive = durchdringen) gehört. Dahinter verbirgt sich die Idee, über verschiedene, sehr einfache Alltagsgeräte jederzeit einen schnellen Zugriff ins Internet zu ermöglichen. Ohne dabei den aufwendigen PC nutzen zu müssen, entsteht so eine permanent vernetzte Umgebung, die so mobil ist, dass sie genau dort genutzt werden kann, wo sie gerade gebraucht wird.
Eine internetgestützte Technik, die auch Unternehmen in die Lage versetzt, ihren Außendienst viel effizienter zu organisieren, zählt unter Fachleuten zu den großen Wachstumsmotoren der Zukunft. So schätzt die amerikanische Unternehmensberatung Gartner Group, dass schon 2001 über 25 % der gesamten Beschäftigten als „mobile workers“ agieren werden und dass folgerichtig 30 % der IT-Ausgaben in die Unterstützung mobiler Anwendungen gehen werden. Weltweit erwarten die Berater einen rasanten Anstieg gerade der Beschäftigten, die mehr als 50 % ihrer Arbeitszeit außerhalb ihres Büros verbringen.
Die Konsequenz: Wenn der Mensch sich durch seinen veränderten Arbeitsalltag immer mehr von der Technik am Arbeitsplatz entfernt, muss die Technik zum Menschen kommen. Genau hier liegen die Vorteile des Einsatzes von Pervasive Computing: Der Rückgriff auf Inhalte des Büro-PC mit angeschlossenem Netzwerk wird für Mitarbeiter zeit- und ortsunabhängig, die Nutzer von betriebsspezifischen Computerprogrammen und den dort gespeicherten Informationen werden mobil, weil Kundenbesuch und Auftragsabwicklung plötzlich verschmelzen. Mit anderen Worten: Das gesamte Unternehmen verlässt sein Bürogebäude und bekommt durch seine ständige Präsenz über beliebige Kleinstcomputer einen grenzenlosen Aktionsradius.
Voraussetzung dafür ist die revolutionäre Leistung, eine intelligente Schnittstelle für die verschiedensten Formen des mobilen Datentransfers zu entwickeln, die für den Anwender nicht sichtbar wird. Im Gegenteil, der Mitarbeiter vor Ort erhält kleine, vernetzte und extrem bedienerfreundliche Geräte mit eingebauter Intelligenz, egal ob Handy, Handheld oder Wearable Computer, die ihm selbst für wichtige Verhandlungen den Weg ins Büro ersparen.
Das ist nichts anderes als die nächste Stufe des virtuellen Büros: Nachdem die Laptops den Einstieg ins mobile Office ermöglichten, wird Pervasive Computing auf Basis kleiner elektronischer Helfer das Zeitalter des mobilen Informationszugangs einläuten, der zum Beispiel Ingenieuren vor Ort den Einsatz im Gegensatz zu komplizierten Computer-Programmen kinderleicht macht. Der wichtigste Fortschritt dabei: Während beim Laptop früher regelmäßig Updates mit den Unternehmensdaten erforderlich waren, haben die Firmen heute die Möglichkeit eines ständig vernetzten Außendienstes, in dem der mobile Mitarbeiter auch „auf Termin“ den permanenten Zugriff auf die real-time-Firmendaten hat. Dabei können Steuerungsprozesse einfach durch Knopfdruck, Spracheingabe oder handgeschriebene Befehle initiiert werden. Christopher Daerr, Marketing-Manager bei der IBM-Abteilung Transformation&Integration Software in Böblingen: „Die neuen Chancen für Handel und Dienstleistung in puncto Vereinfachung und Beschleunigung sind immens.“
Die Fraunhofer-Gesellschaft als zweitgrößtes Forschungsinstitut der Welt arbeitet ebenfalls in zahlreichen Abteilungen an neuen Ideen rund um die intelligenten Kleinstcomputer. So präsentierte das Fraunhofer-Institut für graphische Datenverarbeitung (IGD) in Rostock auf der diesjährigen CeBIT und der Expo in Hannover sein persönliches Orientierungssystem „e-Guide“, mit dem die Besucher über einen mobilen Palm-Handheld Messeplan und Ausstellerdaten an verschiedenen „Datentankstellen“ der Messen herunterladen und quasi „in die Tasche stecken“ konnten. Unter dem Stichwort „Wearable Computer“ werden in Rostock zudem miniaturisierte Computersysteme entwickelt, die am Körper getragen werden.
Die Bereitstellung von Informationen und Hilfen für das Situationsmanagement im Außendienst bekommen damit völlig neue Perspektiven, noch dazu mit der Möglichkeit, sie speziell auf den individuellen Anwender zuzuschneiden, anstatt ihn mit Datenbergen zu überladen. So hat das IGD ein System für Elektrotechniker entwickelt, die bei der oft problematischen Beleuchtungsplanung vor Ort nun wertvolle Hilfe von ihrem speziell programmierten PDA bekommen. „Solche individuell zugeschnittenen mobile Helfer mit enormen Vorteilen für Mitarbeiter im Außeneinsatz werden schon bald aus keiner Firma mehr wegzudenken sein“, prophezeit IGD-Ingenieur Gerald Bieber. ANDREAS LEIMBACH

Von Andreas Leimbach
Von Andreas Leimbach

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