Virtualisierung 26.09.2008, 19:37 Uhr

Die „Googlesierung“ der IT  

VDI nachrichten, Las Vegas, 26. 9. 08, swe – VMware ist seit langem Branchenprimus im Markt für Servervirtu- alisierung. Doch der harte Wettbewerb, angeführt von Microsoft, hinterlässt Spuren. Im Juli räumte Firmengründerin Diane Greene den Chefsessel für den Ex-Microsoft-Manager Paul Maritz. Greenes Ehemann und Mitbegründer, Mendel Rosenblum, trat vor kurzem zurück. Maritz erläutert in den VDI nachrichten den Markt, VMwares neue Strategie und technologische Zukunftstrends.

Maritz: Servervirtualisierung ist ein heißes Geschäft geworden, als Marktführer stehen wir hier unter einer Art Dauerbeschuss. Das heißt, wir müssen unsere Strategie komplett neu ausrichten. Wie immer bei solchen tiefgreifenden Änderungen sind davon auch Managementpositionen betroffen.

VDI nachrichten: Wie tief sitzt die Angst vor dem Konkurrenten Microsoft?

Maritz: Wir haben Respekt vor Microsoft, aber keine Angst. Man darf nur nicht den Fehler machen und sie unterschätzen. Sie haben exzellente Leute, viel Geld und auch viele andere Ressourcen. Aber gerade weil wir das wissen, können wir uns gut darauf einstellen und unsere Strategie entsprechend ausrichten.

VDI nachrichten: Was ist die neue VMware-Strategie?

Maritz: Knapp gesagt: Wir müssen raus aus dem engen Marktsegment der Servervirtualisierung und stattdessen unser Angebot auf die Virtualisierung des gesamten Rechenzentrums ausweiten.

VDI nachrichten: Was muss man sich darunter vorstellen?

Maritz: Ziel ist es, dass sich das gesamte Rechenzentrum mit allen Systemen, Speichereinheiten und dem Netzwerk wie einziger großer Rechner managen lässt, bei dem keine Rücksicht mehr auf die einzelnen Komponenten genommen werden muss und bei dem sich neue Anwendungen schnell und problemlos hinzufügen lassen.

VDI nachrichten: Gibt es denn derartige Ansätze, an denen man eine solche Struktur in Ansätzen erkennen kann?

Maritz: Ja, die gibt es bereits. Nehmen wir beispielsweise Google, Ebay oder Amazon. Deren Cloud-Computer verhalten sich wie ein einzelnes System, und, wie man vor allem bei Google sehen kann, neue Dienste und Angebote lassen sich relativ schnell hinzufügen.

VDI nachrichten: Taugt ein solches Modell auch für die Welt der unternehmensinternen Rechenzentren?

Maritz: Absolut. Was wir von den IT-Chefs derzeit hören, ist der Wunsch nach einem hochflexiblen Rechenzentrum, in dem sie ähnlich wie bei Google schnell neue Businessanforderungen realisieren können – praktisch eine „Googlesierung“ der gesamten IT-Infrastruktur.

VDI nachrichten: Google hat viel Geld und mehrere Jahre in den Aufbau seiner Infrastruktur gesteckt. Sind Ihre Pläne für ein so relativ kleines Unternehmen wie VMware nicht zu hoch gegriffen?

Maritz: Nur dann, wenn wir das alles alleine machen wollten. Aber zum Glück wir haben hierzu exzellente Partner, mit denen wir gemeinsam dieses Ziel angehen.

VDI nachrichten: Haben Sie Beispiele dafür?

Maritz: Auf der VMworld-Veranstaltung haben wir eine umfangreiche Kooperation mit Cisco vorgestellt, bei der der Netzwerkspezialist einen neuen Megaswitch auf den Markt bringen wird, mit dem sich Tausende von virtuellen Maschinen verbinden lassen.

EMC hat eine Managementsoftware herausgebracht, mit der sich virtuelle Systeme genauso managen lassen wie die physischen. Darüber hinaus bietet es den Systemadministratoren eine vollständige Transparenz der gesamten Infrastruktur. Und schließlich hat IBM eine neue Software zur Speicherplatzreduktion von virtuellen Desktops vorgestellt. Insgesamt entsteht hier ein umfangreiches Ecosystem rund um die VMware-Lösungen.

VDI nachrichten: Das kann doch dann aber nicht mehr die bisherige Servervirtualisierung sein, um die sich alles andere rankt, oder?

Maritz: Nein, natürlich nicht. Wir arbeiten an einer neuen Abstraktionsebene im Bereich des Systemmanagements – einer Art Meta-Betriebssystem, das wir „Virtual Data Center Operating System“ (VDC OS) nennen.

VDI nachrichten: Und das ersetzt die bisherigen Betriebssysteme wie Win- dows Server oder Linux?

Maritz: Nein, auf keinen Fall. Es ist ja gerade der Vorteil der Virtualisierung, dass jede Anwendung praktisch mit ihrer eigenen Betriebssystemversion laufen kann und keine Kompromisse mit anderen Programmen eingegangen werden müssen. Aber oberhalb eines solchen einzelnen virtuellen Systems müssen alle diese Systeme koordiniert und gemanagt werden.

Beispielsweise müssen sie je nach Belastung auf andere physische Server verschoben werden oder sie müssen zusätzliche Plattenkapazität erhalten – das sind alles Aufgaben, die einem normalen Betriebssystem sehr ähnlich sind, aber auf einer wesentlich höheren Aggregationsebene.

VDI nachrichten: Und das bietet VMware bereits an?

Maritz: Nein, noch nicht, das ist ja gerade unsere strategische Roadmap, die wir jetzt vorgestellt haben. So etwas lässt sich auch nicht in einem einzigen Wurf erstellen, sondern ist ein langer Weg. Dieser Prozess ist all den heutigen Betriebssystemen ähnlich, die ja auch eine lange Evolution hinter sich haben.

VDI nachrichten: Und wo steht VM- ware damit heute?

Maritz: Wir bringen zunächst unsere eigenen Module aus der VMware Infrastruktur 3 und den Hypervisor ESX ein. Darüber hinaus werden alle neuen Produkte direkt mit VDC OS abgestimmt, so dass eine homogene Systemstruktur entsteht.

VDI nachrichten: Neben der Rechenzentrumsvirtualisierung wird auch immer mehr über die Desktopvirtualisierung gesprochen. Wie sieht es damit aus?

Maritz: Wir haben die längste Erfahrung auf diesem Gebiet. VMware wurde vor zehn Jahren mit Produkten zur Desktopvirtualisierung gegründet. Doch der wirtschaftliche Erfolg stellte sich dann mit der Servervirtualisierung ein. Doch das wird sich jetzt ändern, denn die Desktopvirtualisierung wird in den nächsten zwei Jahren ein Hype werden.

VDI nachrichten: Was veranlasst Sie zu dieser Einschätzung?

Maritz: Vor allem die neue Gerätevielfalt bei den Endusern. Früher arbeitete jeder Mitarbeiter nur an dem von der Firma beschafften Desktop. Diese waren weitestgehend einheitlich, so dass sich der Administrationsaufwand in vertretbaren Grenzen hielt.

Dann kamen die Laptops, und immer mehr Manager und Knowledge-Worker bestanden darauf, ihre eigenen Systeme in das Firmennetz zu integrieren. Jetzt haben wir die Smartphones und demnächst die Welle der Ultra-Mobilen-Devices (UMD).

Das alles ist nicht mehr zentral administrierbar. In Zukunft müssen die Applikationen zentral gehostet werden, so dass der Enduser jederzeit über jedes beliebige Endgerät unmittelbar auf den aktuellen Stand seiner Programme und Daten zugreifen kann. Auf diese Art lässt sich alles zentral verwalten und auch die Datensicherheit ist wesentlich besser, denn der Verlust eines Laptops oder Blackberrys bedeutet keinen Datenverlust, da diese nicht mehr lokal, sondern nur noch auf dem zentralen System abgespeichert sind.

VDI nachrichten: Und wenn der Bagger das Kabel vor der Tür durchtrennt, kann keiner mehr arbeiten?

Maritz: Nein, auch das ist inzwischen gelöst. Da gibt es zwei Entwicklungen: Zum einen werden mit dem zukünftigen Breitband-Mobilstandard LTE die Funkverbindungen wesentlich leistungsstärker und robuster sein, so dass die Kabelabhängigkeit sinkt. Zum anderen zeigen die Google-Gears, dass man seine Texte und Tabellen auch off-line bearbeiten kann. Sobald dann wieder eine Verbindung zum Rechenzentrum besteht, werden die dortigen Daten automatisch aktualisiert.

HARALD WEISS

Von Harald Weiss
Von Harald Weiss

Stellenangebote im Bereich Produktmanagement

PASS GmbH & Co. KG-Firmenlogo
PASS GmbH & Co. KG Verfahrensingenieur (m/w/d) in der Produktentwicklung Schwelm
motan holding gmbh-Firmenlogo
motan holding gmbh Senior Product Manager (m/w/d) Konstanz
Viessmann Group-Firmenlogo
Viessmann Group Product Owner (m/w/d) Electrical Warm Water Allendorf (Eder)
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen-Firmenlogo
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen Product Manager Brake Control (m/w/d) Schwieberdingen bei Stuttgart
ifm efector gmbh-Firmenlogo
ifm efector gmbh Elektroingenieur als Assistent Produktmanagement Positionssensorik (m/w/d) Essen
Minimax GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Minimax GmbH & Co. KG Product Launch Manager (m/w/d) Bad Oldesloe
Total Deutschland GmbH-Firmenlogo
Total Deutschland GmbH Leiter (m/w/d) Produkttechnik & Rangemanagement Berlin
Diehl Defence GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Diehl Defence GmbH & Co. KG Trainee (m/w/d) für das Technische Traineeprogramm Entwicklung | Produktion | Produktmanagement deutschlandweit
fischerwerke GmbH & Co. KG-Firmenlogo
fischerwerke GmbH & Co. KG Leiter Projekttechnik & Segmente (m/w/d) Waldachtal-Tumlingen
XTRONIC GmbH-Firmenlogo
XTRONIC GmbH Requirements Engineer Bereich Kombiinstrumente (m/w/d) Böblingen

Alle Produktmanagement Jobs

Top 5 Produkte

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.