Autotest 06.08.1999, 17:22 Uhr

Der mit dem Wind spielt

Seit letztem Jahr sorgt das Audi TT Coupé für Furore. Jetzt kommt der TT Roadster. Er besticht nicht nur durch ein kompromißloses Design, sondern durch die Faszination einer echten Fahrmaschine. Unter freiem Himmel wird das Fahrerlebnis zum reinen Genuß.

Wer bis heute Audi immer noch als biederen Limousinen-Hersteller wahrgenommen haben will, sollte sich mit den Autos der VW-Tochter aus Ingolstadt einmal genauer befassen. Spätestens mit dem Roadster TT müßte er feststellen, daß Audi von diesem Image weit entfernt ist. Im September kommt der offene Zweisitzer auf dem Markt, der ebenso furios aufgenommen werden dürfte wie die TT Coupé-Version. Diese erhielt von den Fans schnell den Status eines Kultautos, auf das seine Liebhaber derzeit noch rund neun Monate nach Bestellung warten müssen. Obschon Audi die Fertigungskapazität von mehr als 50 000 Einheiten in diesem Jahr voll ausschöpft.
Erste Probefahrten mit dem Audi TT Roadster bei Sonne und sommerlichen Temperaturen machten die Entscheidung leicht: Heute wird offengefahren, obwohl ihm das Stoffverdeck wirklich gut steht. Das Faltdach läßt sich schnell und einfach öffnen. Nach Entriegeln des Zentralgriffes übernimmt den Rest – nach Tastendruck auf der Mittelkonsole – eine Automatik in 15 s, und das Verdeck verschwindet in einer Mulde. Legt man bei beständigem Sonnenschein die Persenning auf, wird der formschöne, glatte Abschluß mit der Gürtellinie hergestellt. Pflicht ist die Abdeckung nicht, und ob mit oder ohne Persenning – das Auto fällt auf, wo immer es sich blicken läßt.
Der kräftige Tritt aufs Gaspedal zeigt, was der 1,8-l-Turbomotor (132 kW/180 PS) in allen Drehzahlbereichen bietet. Den Sprint von 0 auf 100 km/h absolviert der Fronttriebler in 7,9 s, als Spitzentempo werden 222 km/h angegeben. Die allradgetriebene Version, der TT Roadster Quattro, deren Turbomotor mit zwei Ladeluftkühlern arbeitet und 165 kW (225 PS) leistet, soll 237 km/h erreichen und in 6,7 s den offenen Zweisitzer aus dem Stand auf die 100-km/h-Marke beschleunigen. Das Temperament läßt sich dabei über sechs Vorwärtsgänge zügeln. Laut Audi beträgt der Norm-Verbrauch („insge- samt“) des Quattro 9,4 l/ 100 km, der des Fronttrieblers 8,2 l/100 km.
Je zügiger die Fahrt , desto zugiger wird es in den Roadstern. Das Windschott (Aufpreis: 850 DM) sollte man sich gönnen, sonst schwillt das laue Lüftchen im Auto zur Orkanstärke an. Auf Knopfdruck fährt es, eine kleine Glasscheibe, hinter den Kopfstützen hoch. Danach umspielen nur noch angenehme Winde das Haupthaar. Bei geschlossenem Verdeck sind bis Tempo 200 km/h in normaler Lautstärke geführte Gespräche möglich, weil die Audi-Techniker das Dach strömungsgünstig geformt haben. Bei hohen Geschwindigkeiten bläht es sich auch nicht auf, und die Seitenscheiben liegen immer eng an – deshalb senken und heben sie sich automatisch auch etwas beim Türöffnen und -schließen.

Liebevolle Handschrift der Designer bis ins Detail

Roadster von heute sind nicht mehr karg oder gar spartanisch ausgestattet. Die Designer von Audi gestalteten Lenkrad, Armaturen, Hebel und Schalter bis ins Detail liebevoll, überall findet sich matt glänzendes Aluminium bis hin zu den beiden auffälligen Überrollbügeln. Die Sonnenblenden wurden geschickt in die vordere Dachstrebe integriert. Vier Airbags und Klimaanlage sind serienmäßig. Die Wangen der Sportsitze sind mit Leder bezogen. Auf Wunsch gibt es klassische Lederbezüge in drei Farben ohne Aufpreis.
Tiefer ins Portemonaie muß greifen, der sich für Leder in Baseball-Handschuh-Optik entscheidet. Das ist vernäht wie die Mokassins der Indianer. Diese Machart, die wie zusammengeflochten wirkt, kostet 1600 DM mehr. Fächer u.a. in der Rückwand lösen manches Ablageproblem. Der Kofferraum bietet ein Volumen 220 l (bzw. 180 l beim Quattro), doch wegen der geringen Höhe muß etwa auf das Verstauen von Wasser- und Bierkästen verzichtet werden.
Beim TT Roadster spürt man, daß er mit der Steifigkeit seiner Karosserie Werte erreicht, die vor nicht allzu langer Zeit einer Limousine zur Ehre gereicht hätte. Weder zittert noch zagt die Karosserie auf holpriger Wegstrecke oder bei flotter Gangart. Wo anders 100 kg Mehrgewicht in einem Roadster stecken, begnügen sich die Audi-Ingenieure, wie es heißt, mit rund der Hälfte, indem sie ihre Leichtbauerfahrungen nutzen.
Als ausgezeichnet gelungen ist auch die Federungs-/Dämpfungsabstimmung zu bewerten, die insbesondere im Quattro sehr hohe Kurvengeschwindigkeiten zuläßt plötzliche Richtungswechsel quittiert die recht direkte Lenkung jedoch ein wenig -nervös.

Audi TT Roadster – der starke Konkurrent des Porsche Boxster

Noch mehr als das Audi TT Coupé zieht der TT Roadster begehrliche Blicke auf sich. Ohne Frage wird dadurch die Lieferproblematik beim Sportwagen aus Ingolstadt weiter verschärft. Die Fertigungskapazität hat Audi beim TT auf rund 50 000 Einheiten pro Jahr ausgelegt, die bisher mit dem Coupé voll ausgeschöpft wird. Nun soll ein Drittel der Produktionsmenge der Roadster ausmachen.
Nicht zuletzt der Preis könnte Sportwagenfreunde zum Kauf locken – denn mit 58 675 DM für den Fronttriebler und 69 630 DM für den Quattro ( u.a. mit elektrischem Verdeck – sonst 1450 DM Mehrpreis) sind sie eine starke Konkurrenz zum Porsche Boxster. Für ihn sind 94 900 DM mit der etwas stärkere Motorisierung (185 kW/ 252 PS) in der „S“-Versionzu bezahlen, also rund 25 000 DM mehr als für den Audi TT Roadster Quattro. Der bietet darüber hinaus noch ein Bonbon: Außer ihm verteilt weltweit bei den Roadstern nur noch der -Lamborghini Diablo die Traktion auf alle vier Räder.
INGO REUSS/WOP
Der Audi TT Roadster ist ein Blickfang. Er fasziniert mit Design und Fahreigenschaften. Sie und seine Motorisierung machen ihn – als Fronttriebler (132 kW) und als Quattro (165 kW) – zum starken Konkurrenten des Porsche Boxster.
Für die Innenraumgestaltung, hier die Ausführung „Autentic“, wählten die Designer matt glänzendes Aluminium. Es ist überall zu finden, bis hin zu den beiden auffälligen Überrollbügeln.
Eine gute Figur macht Audis offener Zweisitzer auch mit geschlossenem Verdeck.

Ein Beitrag von:

  • Ingo Reuss

    Der Autor Ingo Reuss ist Motorjournalist. Er ist seit vielen Jahren für große Tages- und Wochenzeitungen sowie Fachmagazine tätig.

  • Wolfgang Pester

    Ressortleiter Infrastruktur bei VDI nachrichten. Fachthemen: Automobile, Eisenbahn, Luft- und Raumfahrt.

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