Hardware 16.02.2007, 19:26 Uhr

Dells Geschäftsmodell ist heute auch bei Wettbewerbern etabliert  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 16. 2. 07, jdb – Michael Dell hat in seinem eigenen Unternehmen wieder das Ruder in die Hand genommen, weil er meint, er sei der Beste, der das angeschlagene Unternehmen wieder flott machen kann. Doch Analysten zweifeln, ob seine alten Rezepte noch heute Gültigkeit haben.

Das Unternehmen Dell kämpft an mehreren Fronten. Der PC-Markt hat sich grundlegend gewandelt und gibt sich mit grauen Versandkisten, die sich nur über den Preis differenzieren, nicht mehr zufrieden. Im Servergeschäft muss man schnell genug auf neue Technologien setzen bei der Software heißt das Linux und Virtualisierung, bei der Hardware sind das die neuen Strom sparenden Leistungsprozessoren. Und dann gibt es noch die hausgemachten Probleme: Die Börsenberichte sind schon lange überfällig gegen ehemalige Manager droht ein Strafverfahren, weil sie Schmiergeldzahlungen von Intel als Umsatz gebucht haben sollen, um damit den Aktienkurs nach oben zu drücken. Und verschiedene Aktionäre drohen dem Unternehmen bereits mit einer von den in den USA sehr gefürchteten Sammelklagen.

„Ich fordere jeden Mitarbeiter auf, den Laden wieder flott zu kriegen und in unserer gesamten Organisation nach Redundanzen Ausschau zu halten, damit diese schnellstmöglich abgestellt werden können“, schrieb Michael Dell in einem Brief an alle Mitarbeiter, nachdem er vor wenigen Tagen wieder den Chefsessel eingenommen hatte. Der „Abbau von Redundanzen“ ist eine häufig gewählte Formulierung, wenn Entlassungen drohen.

Neben diesen akuten Managementproblemen will Michael Dell aber vor allem eine neue Produkt- und Marketingstrategie einführen. „Unsere zukünftigen Schwerpunkte sind Server, Storage und der KMU-Markt“, sagt er über sein neues Konzept. Doch dort tobt ein äußerst aggressiver Wettbewerb mit Sun, HP und IBM, die schon seit Jahren mit allen technologischen und vertrieblichen Mitteln um jedes Prozent Marktanteil gegen Dell ankämpfen.

Auch verschiedene Analysten sind kritisch gegenüber dieser Strategie. „Jetzt hastig das Endusergeschäft runterzufahren ist sicherlich kurzfristig eine gute Entscheidung, aber um das alles kompensieren zu können, müssen ganz schnell ganz viele neue Business-Produkte auf den Markt kommen, die ich alle nicht sehe“, sagt Jonathan Eunice von Illuminata. Seiner Ansicht nach hat Dell in der Vergangenheit viel zu wenig Eigenentwicklung betrieben und vor allem den Trend zu den anspruchsvollen und äußerlich attraktiven Laptops total verschlafen. „Es ist heute nicht schwerer als vor ein paar Jahren mit PCs gutes Geld zu verdienen – es ist nur anders geworden“, lautet Eunices knappe Analyse. Dabei verweist er vor allem auf HP, dessen PC-Bereich viele Marktanteile hinzugewonnen habe, z. B. weil nicht alle Ex-IBM-Kunden auf Lenovo umgestiegen sind.

Doch bei Dell will man davon im Moment nichts wissen. Michael Dells Hoffnungen für das Business-Geschäft ruhen jetzt auf seinem bisherigen Europa-Chef Paul Bell, den er ins Hauptquartier zurückgerufen hat. Bell soll den wichtigen nordamerikanischen Markt übernehmen, auf dem Dell in den letzten Jahren erheblich gegenüber HP verloren hat. Zudem wurde eine neue Gruppe geschaffen: Die „Global Operations“ sollen neue Produkte schneller zur Marktreife bringen und sich um bessere Einkaufs- und Produktionsbedingungen kümmern. Doch Dells Probleme könnten tiefer sitzen. Analysten zweifeln schon seit längerem daran, ob Dells Business-Modell noch zeitgemäß ist. „Die PC-Landschaft hat sich gegenüber dem Ende der 80er Jahre gewaltig geändert“, sagt IDC-Analyst Richard Shim.

Dells Erfolg basierte damals auf einer besonders preisgünstigen Logistik, deren Einsparungen an den Markt weitergegeben wurden. „Das Dell-Modell war ideal für die austauschbaren grauen Kisten, die damals nur über den Preis verkauft wurden“, sagt Shim. Seiner Ansicht nach hätte Dell schon längst viel mehr Anstrengungen unternehmen müssen, um seine Systeme auch über den Handel abzusetzen. „Die Leute wollen heute ein System sehen, es anfassen und sich vom Sound und der Grafik beeindrucken lassen, bevor sie eine Kaufentscheidung treffen da kann Dells E-Commerce-Vertrieb nicht mehr mithalten“, analysiert er das veränderte Kaufverhalten.

Viele Experten hatten sich schon nach Michael Dells Keynote auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas besorgt gefragt, wann das Unternehmen denn endlich mit attraktiven Eigenentwicklungen antreten will. „Der Media-PC war von einem Partner zugekauft und nur ein 27-Zoll-Monitor ist für ein Unternehmen dieser Größenordnung einfach zu wenig an Neuankündigungen“, sagte schon damals Art Hogan, Analyst bei Jefferies & Co. Auch Robert Garmaise, Analyst bei der Info-Tech Research-Group, sieht für Dell nur dann eine Zukunft, wenn das Unternehmen ganz schnell neue Produkte anbieten kann: „Dells Business-Modell haben alle kopiert – es ist praktisch Industriestandard geworden und noch mal lässt sich so etwas nicht wiederholen. Michael Dell muss sich jetzt als Technologiemanager beweisen.“

HARALD WEISS

Dell hat den Trend zu anspruchsvollen Laptops verschlafen

  • Harald Weiss

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