Firmenstrategie 27.04.2012, 11:57 Uhr

Dell: Vom PC-Primus zum IT-Allrounder

Dell ist wieder im Aufwind. In Abgrenzung zu HP und IBM verfolgt man bei Dell die Anpassung an den sich immer schneller wandelnden Markt für Computer, Software und Services auf eigene Weise. Hierzu gehören gezielte Akquisitionen von zumeist kleineren Firmen sowie der Fokus der eigenen Technologien auf attraktive Marktsegmente.

Die Informationstechnologie ist eine schnelllebige Branche. Nur jene Unternehmen, die sich permanent anpassen, können auf Dauer bestehen. Das ist bei großen Konzernen nicht immer einfach, zumal Fehlentscheidungen katastrophale Folgen haben – wie man an dem Schlingerkurs von Hewlett-Packard leicht erkennen kann. Erfolgreicher bei der Marktanpassung war man bei IBM, wo man die Mainframe-Krise gut überstanden hat. Auch wenn das nur mit massiven Strategieänderungen möglich war. Man denke zurück an die Akquisition von PricewaterhouseCoopers und dem Verkauf des PC-Geschäftes an Lenovo.

Inzwischen gibt es einen dritten IT-Anbieter, der sich immer mehr mit IBM und HP messen möchte: Dell. Seit Michael Dell vor fünf Jahren wieder den Chefsessel des einstigen PC-Lowcost-Anbieters übernommen hat, wandelt sich das Unternehmen kontinuierlich zu einem umfassenden Anbieter von Rechenzentrumstechnologien, Netzwerken, Software, Services und Consulting. „Wir sind keine PC-Firma mehr“, sagte Michael Dell jüngst auf einer Pressekonferenz und positionierte das Unternehmen für „End-to-End-IT-Solutions“. Als Beweis verwies er unter anderem auf die 10-Gbit-Vernetzung, über die sich Dells Server, die Storage-Systeme sowie die Netzkomponenten verbinden lassen. Diese Netzwerkstruktur entstammt der Akquisition von Force 10 und damit stellt sich Dell beim Networking auf eine Stufe mit Cisco – eine Antwort auf Ciscos Vordringen ins Servergeschäft.

Dell konznetriert sich auf den Markt der Workstations

Statt weiterhin unter dem ruinösen PC-Geschäft zu leiden, verschiebt man bei Dell die Leistungsdaten nach oben und fokussiert sich jetzt auf den Markt der Workstations. Hierzu wurden kürzlich drei neue Systeme vorgestellt, die sich vor allem an Ingenieurbüros und Architekten sowie an Grafikdesigner und Filmstudios richten (siehe Kasten). Beispielsweise erlauben die Xeon-Prozessoren der neuen Workstations in Verbindung mit Nvidias Maximus-Technologie die parallele Bearbeitung von Konstruktion und Simulation.

Dells neue Strategie wird aber weniger an den Hardware-Ankündigungen sichtbar, sondern vielmehr an den vielen Akquisitionen. 25 Firmenkäufe gab es in den letzten fünf Jahren. Hinzu kommen noch viele strategische Partnerschaften und Kooperationen, vor allem im Open-Source-Bereich. Hierzu gehören u. a. die Virtualisierungslösung OpenStack, die Big-Data-Analyse-Software Hadoop sowie deren Entwicklungsunternehmen Canonical, enStratus und Mirantis.

Für die Auswahl der Firmenkäufe schaut sich Dells Akquisitionschef David Johnson jährlich rund 250 Unternehmen an. Sein Ziel ist es, herauszufinden, wer am besten in die langfristige Dell-Strategie passt. Und das sind gegenwärtig vor allem Software- und Servicefirmen, denn mit denen konnte Dell seinen Hardware-unabhängigen Umsatz in den letzten fünf Jahren um 30 % steigern.

Bei der Einbindung der akquirierten Unternehmen verfolgt Dell ebenfalls einen eigenen Stil. So versucht man nicht, aus dem neuen Unternehmen eine Dell-Abteilung zu machen, sondern belässt die Firma weitestgehend in der ursprünglichen Selbstständigkeit. Ziel ist es, den zugekauften Unternehmen Dells weltweite Vertriebs- und Lieferantenkapazität zur Verfügung zu stellen, so dass diese mehr umsetzen und billiger produzieren können.

Dell kauft neue Unternehmen hinzu

Bestes Beispiel dafür ist der Zukauf von Compellent Technologies, deren Umsatz in den ersten drei Monaten nach der Akquisition um 60 % anstieg. „Dells Vorgehensweise ist der schnellste Weg, um das Unternehmen auf einen neuen Kurs zu trimmen, ohne dabei große Geschäftsrisiken auf sich zu nehmen“, bestätigt auch Gartner-Analystin Leslie Fiering.

In diesem Punkt ist Dells Akquisitionsstrategie dem Vorgehen von IBM ähnlich. Was kein Zufall ist, denn Johnson war zuvor in derselben Funktion bei IBM tätig. Gegenwärtig scheint er das Akquisitionstempo weiter steigern zu wollen, denn allein in den ersten vier Monaten dieses Jahres gab es bereits fünf Akquisitionen. Dazu gehört auch Wyse Technology, ein Hersteller von Thin Clients – also der Cloud-basierten Konkurrenz von PCs. Doch die Akquisition passt zu den neuen Cloud-Plänen, bei denen Dell zusammen mit VMware „Infrastructure as a Service“ anbietet.

Nicht nur bei den Firmen ist Dell auf Akquisitionstour, auch beim Topmanagement ist man auf der Suche. So leitet seit Februar der frühere CA-Chef John Swainson Dells Software-Gruppe. „Software ist ein zentrales Element für alle unsere Businessangebote, das wir verstärkt ausbauen werden“, sagte Micheal Dell anlässlich der Einstellung von Swainson.

Dell: Unattraktiv gewordene Bereiche werden aufgegeben

Neben Firmenzukäufen und Personalerweiterungen tritt aber auch die konsequente Aufgabe von unattraktiven Bereichen. So hat Dell sein Smartphone-Business nach zweijähriger Laufzeit in den USA wieder eingestellt. „Smart-
phones haben eine kürzere Laufzeit als Laptops und die Marge ist deutlich niedriger“, hieß es dazu in einem Statement. „Wenn Palm, Nokia und RIM keinen Erfolg im Handygeschäft haben, dann werden wir auch nicht erfolgreich sein“, lautet Dells persönliche Einschätzung des Handymarktes.

Seiner Ansicht nach ist das Geschäft rund um Handys wesentlich besser als das mit den Handys. Hierbei geht es ihm vor allem um die Infrastruktur, die dem Handybetrieb zugrunde liegt – Server beispielsweise. Zur Erinnerung: Der einzige Bereich, in dem Apple in den letzten zehn Jahren nicht erfolgreich war, ist das Servergeschäft. Doch Server sind ein Markt, in dem Dell sehr erfolgreich ist. Viele Analysten gehen sogar so weit, dass Dell eine entsprechende Kooperation mit Apple eingehen könnte. „Es würde mich nicht im Geringsten überraschen, wenn Dell und Apple eine weitgehende Kooperation bekannt geben würden“, meint beispielsweise Rob Enderle von der Enderle Consulting Group.

Auch aus dem kaum noch relevanten Netbook-Geschäft hat sich Dell schon vor geraumer Zeit verabschiedet. Erwartet wird jedoch, dass Dell im Herbst mit einem Windows-8-basierten Tablet auf den Markt kommen wird.

Von Harald Weiss

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