IT-Infrastruktur 05.01.2007, 19:25 Uhr

„Datenspeicher ist wie ein schwarzes Loch“  

VDI nachrichten, Santa Clara, 5. 1. 07, swe – Die Datenverwaltung und -speicherung wendet sich angesichts der immer noch stetig wachenden Berge an Bits und Bytes zwei vermeintlich gegensätzlichen Polen zu. Einerseits muss das Datenmanagement viel einfacher werden, andererseits bastelt die Datenspeicherszene an vernetzten, hochkomplexen Speicher- strukturen. VDI nachrichten sprach im kalifornischen Santa Clara mit Claus Mikkelsen, Chief Scientist von Datenspeicherspezialist Hitachi Data Systems (HDS), wie die Branche die Herausforderungen bewältigen will.

Früher, 80, 90 Jahre zurück, wenn Sie ein Auto hatten, mussten Sie immer auch Mechaniker sein. Heute dagegen ist ein Auto viel komplizierter! Ich habe neulich bei meinem Wagen nach sehr langer Zeit wieder unter die Motorhaube geschaut. Ich habe noch nicht einmal die Batterie gefunden, die ich gesucht habe …“, stöhnt Claus Mikkelsen und lacht dann. Die Entwicklung des Automobils, die er skizziert, ist für den Chief Scientist von Hitachi Data Systems (HDS) ein plastisches Bild dafür, was der Datenspeicherindustrie in den nächsten Jahren noch bevorsteht.

Alles wird einerseits für den Anwender nach außen einfacher – weil auch zuverlässiger als früher -, doch unter der Oberfläche wird die Technik noch viel komplizierter als heute und nur noch für eine Schar Spezialisten wirklich durchschaubar. „Da sind wir jedoch noch eine Reihe von Jahren von entfernt.“

„Das Ziel in der Datenspeicherung ist sehr komplex, sehr kompliziert“, sagt Mikkelsen. Das Ziel sei, man sei noch nicht einmal daran interessiert zu wissen, wo die Daten eigentlich gespeichert seien, Hauptsache sie seien verfügbar. „All die Dinge wie ¿Ist ein File verfügbar?¿, ¿Wann läuft seine Lebensdauer ab?¿, ¿Wer hat darauf Zugriff?¿, all das sollte so ziemlich automatisiert sein“, findet der HDS-Chef-Wissenschaftler.

„Das ist unser Ziel, das wir anstreben: Datenspeicherung ist wie ein schwarzes Loch mit einer bestimmten Speicherkapazität, von dem man nicht weiter weiß, was es ist.“ Aber man bekomme den Datenfile, den man möchte, egal welchen, egal, wo er gespeichert ist. Man muss sich um nichts kümmern.

Der Weg dahin dürfte lang sein. „Aus historischen Gründen ist Datenspeicher schwierig zu verwalten“, sagt Mikkelsen. Und man habe schon in den letzten Jahren versucht, ihn immer einfacher und einfacher und einfacher zu machen.

Ein erster wichtiger Schritt ist aus Mikkelsens Sicht die Einführung der Speichervirtualisierung gewesen. „Zumindest sehen durch die Speichervirtualisierung die Geräte der unterschiedlichen Hersteller für das System gleich aus. Als Datenspeicher eben. Oder es sollte so sein.“ Zumindest gelte dies für Datenspeicher von IBM, Hitachi Data System (HDS), Hewlett-Packard (HP), Sun, EMC und einer Reihe weiterer Anbieter. HDS habe das vor zwei Jahren mit seiner Universal- Storage-Plattform eingeführt.

Datenspeicherung, oder englisch „Storage“ steht in Mikkelsens Visionen längst nicht mehr nur dafür, einen Datenfile Bit für Bit auf ein Datenspeichermedium zu schreiben. Dazu gehört für Anwender wie Unternehmen viel mehr. „Was ist das für ein File, wie lange existiert er schon, was passiert, wenn jemand anderes darauf Zugriff haben möchte oder längere Zeit kein Zugriff mehr erfolgt ist – das ist der Bereich der Datenklassifikation und dieses Problem wird sehr schwierig zu lösen sein“, ist der Wissenschaftler überzeugt. Denn es soll ja in Zukunft vor allem auch dieser Bereich möglichst automatisiert werden, um die Datenverwaltung für die EDV-Abteilungen wie für die Anwender erheblich zu vereinfachen.

Im Bereich der Mainframesysteme sei das heute schon möglich, sagt Mikkelsen, das liege unter anderem an der hohen Standardisierung des Main-frames. Man sei da sehr viel weiter als in Unix- oder Windows-Umgebungen. „Das wird noch eine Weile dauern, es können fünf bis zehn Jahre sein“, schätzt er und betont: „Das ist eine Evolution. Da haben Sie nicht morgen große Schlagzeilen in der Zeitung.“

Ein Teil dieses Prozesses liege in der Standardisierung. Und da muss sich die Storage-Industrie auf einen Nenner einigen. „Letztendlich wird sich die Intelligenz in den Systemen zu den Rändern verschieben, das heißt, den Rändern der Server- und Storagesysteme.“

Rede man deshalb von Bereichen wie der Datenqualifikation, die eine Menge an „Intelligenz“ benötigt, dann müsse diese im System nahe dem einzigen Ort angesiedelt sein, der für den Nutzer wichtig ist, und das sei die Anwendung, die er nutzt. Die muss zufriedenstellend funktionieren. „Das ist wichtig, dort liegt der Hype“, glaubt Claus Mikkelsen.

Aber so weit ist es noch lange nicht. Wenn heute in einem Unternehmen ein Projektmanager für sein Unterfangen Datenspeicherkapazitäten benötigt, dann muss er das üblicherweise mit seiner EDV-Abteilung abklären: Wie viel braucht er, wie viel bekommt er? Braucht er irgendwann mehr, geht die ganze Diskussion mit den Hütern der Datenverarbeitung von vorne los – unter anderem wegen der Kosten für die Gigabyte an Platz auf den Datenspeichermedien, die Projekte heute verschlingen.

Doch das Kostenargument dürfte irgendwann in diesem Punkt ausgedient haben, da ist sich Claus Mikkelsen ziemlich sicher. „Datenspeichermedien werden praktisch umsonst sein, so weit wird es kommen“, glaubt er. Womit er das reine Speichermedium meint, sprich die Festplatten. „Ich erzähle den Leuten immer, sie sollen aufhören darüber nachzudenken, was die Kosten der Speichermeiden sind.“

„Die wirklichen Kosten liegen woanders“, sagt Mikkelsen. Alles, was um das Abspeichern eines Files auf einer Festplatte drumherum passiert, da, wo in Zukunft die Intelligenz im System gefragt ist, damit will die Datenspeicherbranche in Zukunft noch stärker ihr Geld verdienen. Das haben die Kunden auch schon gemerkt.

„Die Sicht des Kunden muss die der Gesamtkostenrechnung sein“, sagt Mikkelsen. „Nicht wie viel Cent pro Gigabyte das Speichermedium kostet. Die Verwaltung soll günstiger sein, die Softwarelizenzen sollen günstiger sein, die Wartung soll günstiger sein, das Training soll günstiger sein.“ Mikkelsen sieht sich deshalb im harten Wettbewerb der Branche gut aufgestellt, weil die US-Tochter HDS Synergieeffekte im Forschungsverbund des japanischen Mutterkonzerns nutzen kann.

Ein Beispiel ist die Kühltechnologie für die eingesetzten Komponenten: „Unsere Komponenten werden immer dichter und dichter, immer heißer und heißer. Zurzeit nutzen wir eine ganze Reihe der Technologien, die auch in die Kühlprozesse von Kernkraftwerke einfließen.“ Hitachi baue schließlich auch derartige Kraftwerke. „In den Energieverbrauch geht eine Menge Arbeit hinein. Das wird ein Hauptproblem für die Chief Information Officers und die Rechenzentrums-Manager“, sagt Mikkelsen.

Für HDS ist der Controller im Storage-System einer der zentralen Punkte in der eigenen Entwicklungsarbeit: „Wir konzentrieren uns auf die Lizenzen, die in den Controllern stecken“, sagt Chief Scientist Claus Mikkelsen. Hintergrund ist, dass hierin die „Intelligenz“ steckt, von der er in seiner Zukunftsvision gesprochen hat.

„Der Controller verschiebt die Daten, er archiviert die Daten. Hier liegt die Schnittstelle mit der Applikation, die der Nutzer bedient.“ Erst er mache es möglich, einen der größten Vorteile der Speichervirtualisierung zu nutzen. „Wenn die Daten erst einmal virtualisiert sind, kann man sie überall hinschieben.“ Arbeite zum Beispiel eine Oracle-Datenbank auf einem Array nicht zufriedenstellend, dann verschiebe man sie halt auf ein anderes. swe

Ein Beitrag von:

  • Stephan W. Eder

    Stephan W. Eder

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Energie, Energierohstoffe, Klimaschutz, CO2-Handel, Drucker und Druckmaschinenbau, Medien, Quantentechnologien

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