Computer 05.02.2010, 18:33 Uhr

Das „revolutionäre Produkt“ erntet zunehmend Kritik  

Mit einer immensen Marketingkampagne hat Apple-Chef Steve Jobs die jüngsten Neuigkeit, das iPad, vorgestellt. Doch während die bisherigen Apple-Systeme im Schatten der Windows-PCs ein attraktives Nischendasein führen, erwarten viele Experten schwere Zeiten für Apples Einstieg in einen Markt, der von vielen neuen E-Readern und Netbooks dominiert wird. VDI nachrichten, Düsseldorf, 5. 2. 10, jdb

Steve Jobs ist bei seinen Produktvorstellungen niemals bescheiden oder zimperlich – und so war es auch diesmal, als er das neue iPad als ein „magisches und revolutionäres Produkt“ ankündigte, das seiner Ansicht nach eine „dritte Computerkategorie zwischen Laptop und Smartphone“ schaffen wird.

Doch abgesehen von seiner Größe ist an dem iPad eigentlich nichts Neues. „Das iPad ist praktisch nur ein großer leistungsstarker iPod Touch“, sagte Forrester-Analyst Charles Golvin nach der Präsentation.

Die technischen Daten des iPad erinnern tatsächlich mehr an iPhone und iPod als an ein Macbook. Das Betriebssystem entstammt ebenfalls dem iPhone und ist folglich nicht multitaskingfähig.

Hardwareseitig gibt es das iPad in den drei Kapazitätsstufen 16 GByte, 32 GByte und 64 GByte. Das mag für ein Smartphone und zum Musikabspielen ausreichend sein, doch für HD-Videos oder die üblichen Businesspräsentationen dürften selbst die 64 GByte schnell erschöpft sein.

Wer meint, er könne ergänzend eine externe Festplatte oder einen USB-Stick anschließen, der irrt sich, denn das iPad hat nicht einmal einen USB-Anschluss. Auch eine Kamera für Fotos oder Videotelefonie fehlt, und so beschränken sich die Videoanwendungen auf das Abspielen von Videos – das allerdings im 720p-HD-Format.

Ein weiteres Manko des iPad ist, dass er gegenwärtig völlig Business-ungeeignet ist. Es gibt kein Microsoft-Office dafür, sondern nur eine magere Office-Suite von Apple, die bei Weitem nicht an den vertrauten Leistungsumfang von MS-Excel oder Powerpoint heranreicht.

Hintergrund für diese vielen Mängel ist Apples erneuter Versuch, eine in sich homogene, völlig von Apple beherrschte Computerumgebung zu schaffen. So stammen alle Programme für das iPad entweder von Apple selbst oder aus dem Apple-App-Store. In dem sind aber nur solche Programme erhältlich, die den Segen von Jobs & Co. erhalten haben und an denen Apple kräftig mitverdient. Darüber hinaus stehen dem iPad-User zwar über 140 000 iPhone-Applikationen zur Verfügung, doch so beliebte Anwendungen wie Skype oder Google-Voice gehören nicht dazu.

Apples Monopolbestrebungen bei der Softwarelieferung sollen auch der Grund dafür gewesen sein, warum das iPad kein Adobe-Flash unterstützt. Mit Flash können nämlich Anwendungen erstellt werden, mit denen sich Apples App-Store-Monopol umgehen lässt.

Auch die Entscheidung zugunsten des iPhone OS gegenüber OS X soll dem Vernehmen nach daran gelegen haben, dass OS X eine offene Systemumgebung ist, auf der beliebige Programme installiert und betrieben werden können – das iPhone-System lässt dagegen nur Programme aus dem App-Store zu.

Außer bei den Programmen behält Apple auch bei den zukünftigen iPad-Services die Oberhand. Neben den bekannten iTunes-Angeboten soll es zum Produktstart auch einen Apple-Book- store geben. Hierüber können dann – genauso wie bei Amazon – Bücher heruntergeladen werden. Nichtexklusive Kooperationen bestehen hierzu bereits mit den Verlagen Penguin, HarperCollins, Simon & Schuster, MacMillan und Hachette.

Aber nicht nur Bücher, sondern auch Zeitungen und Zeitschriften sollen bald über den iBookstore angeboten werden. Hierzu zeigte Apple ein Beispiel mit der New York Times. Dabei war aber die vorgeführte Seite nicht viel anders als das, was schon lange bei der New York Times online verfügbar ist.

Folglich zweifeln viele E-Publishing-Experten am Erfolg dieser Idee. „Online- inhalte werden immer nur dann gekauft, wenn der gewünschte Content nicht einfach woanders kostenfrei erhältlich ist. Das heißt, der Kauf von Onlineinhalten ist nicht geräte-, sondern inhaltsabhängig“, war das Fazit einer Podiumsdiskussion von Internetverlegern auf einer anschließenden Veranstaltung in New York.

Steve Jobs will mit dem iPad eine „Lücke zwischen den Laptops und den Smartphones schließen“. Doch hier tummeln sich bereits viele Anbieter. Nachdem Amazon mit seinem Kindle den E-Reader-Markt geschaffen hat, sprießen jetzt die Konkurrenten wie Krokusse aus dem letzten Schnee. So gab es auf der jüngsten Consumer-Elektronics-Messe in Las Vegas mindestens 20 Neuvorstellungen an E-Readern mit Dutzenden von Verlagskooperationen.

Neben den E-Readern gibt es auch längst einen boomenden Markt der Netbooks, mit denen das iPad konkurriert. Jobs sagt über diese Systeme, dass sie nur „billige Laptops“ sind. Und „billig“ war noch nie ein Attribut, das er sich für ein Apple-System gewünscht hat.

In ersten Reaktionen zeigten sich US-Analysten vom neuen iPad enttäuscht. So rechnet man an der Wall Street mit einem Absatz von 3 Mio. bis 6 Mio. iPads im ersten Jahr. Zum Vergleich: Vom iPhone wurden bislang 42 Mio. Geräte verkauft und vom iPod waren es sogar 250 Mio. HARALD WEISS

 

Von Harald Weiss

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