Hochsichere Smartphones 04.03.2013, 16:47 Uhr

Das neue „Merkelphone 2.0“ von Samsung und Blackberry

Bundeskanzlerin Angela Merkel und weitere Geheimnisträger in Ministerien und Bundesbehörden bekommen neue Hochsicherheitshandys. Den Zuschlag für die Lieferung von knapp 10.000 sicheren Geräten erteilte das Beschaffungsamt nach Medienberichten der Telekom-Tochter T-Systems und dem Düsseldorfer Sicherheitsspezialisten Secusmart.

Hochsicherheitstelefone für die Bundesregierung: Die Telekom nutzt für ihre „Simko3“  genannte Lösung Samsung-Telefone vom Typ Galaxy-S2 und S3. Die Düsseldorfer Secusmart bietet ein Blackberry Z 10.

Hochsicherheitstelefone für die Bundesregierung: Die Telekom nutzt für ihre „Simko3“  genannte Lösung Samsung-Telefone vom Typ Galaxy-S2 und S3. Die Düsseldorfer Secusmart bietet ein Blackberry Z 10.

Foto: Deutsche Telekom

Der Bund hatte in seiner Ausschreibung ein Smartphone-taugliches Sicherheitskonzept für die gesamte mobile Kommunikation gefordert. Der Abhörschutz sollte einfach in ein handelsübliches Smartphone zu implementieren und leicht zu bedienen sein. Diesen Prestige-Auftrag haben sich die Telekom-Tochter T-Systems und Secusmart mit offenbar überzeugenden Kommunikationssystemen gesichert. Ab Mitte des Jahres sollen die neuen Hochsicherheitshandys mit einem Stückpreis von etwa 2.500 Euro geliefert werden.

Entscheidung für Blackberry gilt als Überraschung

Bisher wurde fürs sichere Telefonieren und für den sicheren Versand von E-Mails jeweils ein eigenes Gerät benötigt.[M1]  Bei den neuen Systemen wird nun beides in einem Gerät verbunden und sowohl Telefonate als auch E-Mails werden verschlüsselt. Zusätzlich können aber auch gängige Smartphone-Apps wie Facebook oder Twitter genutzt werden, die bislang aus Sicherheitsgründen gesperrt waren. Die Telekom nutzt für ihre „Simko3“ (Sichere mobile Kommunikation) genannte Lösung Samsung-Telefone vom Typ Galaxy-S2 und S3. Die Düsseldorfer Secusmart bietet ein Blackberry Z 10.

Vor allem die Entscheidung für das Blackberry gilt als Überraschung. Dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) waren Blackberrys lange Zeit nicht vertrauenswürdig genug. Das BSI befürchtete einen möglichen Zugriff von fremden Geheimdiensten auf sensible Regierungsinformationen, weil die Geräte des kanadischen Herstellers RIM (Research in Motion) sämtliche Daten über einen britischen Server leiteten. Bei der aktuellen Blackberry-Generation fließen die Daten dezentral durch die Netze. Mit der Hochsicherheitslösung „SecuSUITE“ für das Blackberry 10 will Secusmart jetzt „neben dem Abhörschutz von Sprache und SMS auch die sichere Übertragung von E-Mails und den Schutz von gespeicherten persönlichen Daten wie Kalendereinträgen, Kontakten und Notizen gewährleisten“.

Zwei Systeme durch zwei Mikrokerne

Auch T-Systems hat sein Sicherheitssystem verbessert. Bereits jetzt werden von der Regierung etwa 4.000 Smartphones der „Simko2“-Generation genutzt. Mit „Simko3“ ist es im Unterschied zum Vorgänger aber nun möglich, auf demselben Gerät sowohl die Sicherheitssoftware als auch gewöhnliche Smartphone-Features zu verwenden. War es bisher mit den „Simko2“-Smartphones nicht möglich, Apps zu installieren oder auf GPS und W-LAN zuzugreifen, bringt die neue Lösung nun diese Funktionen mit. Dank zweier „Mikrokerne“ haben die Nutzer auf zwei Systeme Zugriff, auf ein offenes und ein sicheres. Mit den neuen „Merkelphones 2.0“ dürfen jetzt sogar Dokumente der Geheimhaltungsstufe VS-NfD (Verschlusssache – nur für den Dienstgebrauch) empfangen und verschickt werden.

Von Gudrun von Schoenebeck
Von Gudrun von Schoenebeck

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