Hardware 30.04.1999, 17:21 Uhr

Compaqs Probleme sind hausgemacht

Mit dem Weggang von CEO Eckhard Pfeiffer hat Compaq zum zweiten Mal seit seinem Bestehen einen radikalen Kurswechsel vollzogen. Gewinnrückgang, Einbruch an der Börse und der unaufhaltsame Erfolg des Konkurrenten Dell zwangen zu Reaktionen. Direktvertrieb per Internet heißt nun die Devise.

Business at Internet Time“ überschrieb am 23. April das Wall Street Journal recht spöttisch seine Analyse des abrupten Abgangs von Eckhard Pfeiffer. Seit 1991 hatte der erfolgsverwöhnte CEO-Star Pfeiffer Compaqs Geschicke gelenkt und den Jahresumsatz von bescheidenen 3 Mrd. Dollar auf beachtliche 31 Mrd. Dollar hochgetrieben.
Und nun das: sang- und klangloses Ende mit Internet-Speed. Von einem Tag auf den anderen wurde Pfeiffers Name aus Compaqs Website gelöscht. An seiner Stelle prangte ein offener Brief des Venture-Capital-Gründers Benjamin Rosen, der grauen Eminenz des weltführenden PC-Herstellers, an seine besorgten Shareholder. Deren Gewinn für das erste Quartal 1999 belief sich, völlig überraschend, nur auf die Hälfte ihrer hochgeschraubten Erwartungen. Und Compaqs Aktienkurs war in zwei Monaten von 52 Dollar unter 25 Dollar gesackt.
Alles mußte nun rasend schnell gehen. Pfeiffers nicht ganz freiwilliger Rücktritt sollte der erste Compaq-Geschäftsakt mit Internet-Timing sein: Eine knappe Dankzeile an Pfeiffer, und dann versprach Chairman Rosen, das Potential und die Ressourcen von Compaq ab sofort besser zu nutzen. So kommts, war der bissige Tenor der WJS-Analyse, wenn man den stetig beschleunigten Prozeß des laufenden Wandels verschläft: Die einzige Rettung ist dann ein einziger dramatischer Sprung nach vorn.
Der springende Punkt in diesem Falle: Pfeiffers Konzept der billigen Massenware PC, über eingespielte Vertriebskanäle und logo-loyale Einzelhändler in Millionenstückzahlen an den Mann gebracht, ist passé. Der unkonventionelle Aufsteiger und PC-Versandhändler Michael Dell hat mit seiner Dell Computer Corporation dem Weltmarktführer Compaq gnadenlos klargemacht, wo es künftig lang geht: Direktverkauf per Telefon oder, noch aktueller, per E-Kommerz im Internet.
Natürlich ließ Pfeiffer trotz fürstlicher Abfindung und Aktienoptionen von mehreren 100 Mio. Dollar die Schuld nicht auf sich sitzen. Der Aufsichtsrat unter Rosen habe seit Anfang April die Gewinnkürzung gekannt und seine Auswegstrategie gebilligt. Für Pfeiffer war das ganz einfach ein branchenweiter Abfall im PC-Verkauf, insbesondere im Sektor der industriellen Systeme.
Auch die allwissenden Analysten waren sich noch kurz vor dem Compaq-Debakel darüber einig, das erste Quartal des neuen Jahres werde deutlich an Schwung gegenüber dem letzten Quartal 1998 verlieren. Selbst IBM-Chef Louis Gerstner warnte vor dem „Ende der PC-Ära“. Er hatte im Geschäftsjahr 1998 im PC-Geschäft nicht nur Gewinneinbußen, sondern Verluste einstecken müssen.
Doch das Ende des PC wurde, wieder einmal, vorzeitig eingeläutet. Rapide fallende Preise hatten nicht nur, wie bei Compaq, das Gewinnbild verdüstert, die Billig-PC haben auch ganz neue Käuferschichten mobilisiert. Weltweit wuchsen die Umsätze gegenüber dem ersten Quartal 1998 um 19 % statt um bloße 14 %, wie weithin erwartet wurde. Das ist das langjährige Mittel im PC-Wachstum. Mehr ein Compaq-spezifisches Problem also, meint David Stremba von Dataquest. „Sieht so aus, als hätte man das erste Quartal falsch als industrieweiten Slowdown verkannt.“
Für die Chiphersteller allerdings, deren Absatz auf dem PC-Markt basiert, ist die Lage um etliches kritischer. Die Billig-PC bringen auch eine kräftige Erosion der Preise für Prozessoren. So meldet Intel zwar einen Umsatzanstieg gegenüber dem Vorjahresquartal, aber einen Abfall gegenüber dem letzten Quartal 1998. Auch die Stückzahlen sanken. Intel will sich im Internet-Tempo der neuen Lage stellen (siehe Kasten).
Von den Stückzahlen her ist Compaq immer noch mit komfortablen 13,4 % führend, allerdings mit einem Punkt Verlust gegenüber 1998. Aufsteiger Dell hat sich um zwei Prozentpunkte verbessert, von 7,2 % auf 9,2 %. Dichtauf liegt mit 8,4 %, ebenfalls mit einem Pluspunkt, IBM. Die nächsten Plätze, Hewlett-Packard und Gateway, sind im Marktanteil stabil. Doch auch sie konnten im Vergleich zu Compaq hohe Zuwachsraten erzielen.
Im Gewinnbild glänzte insbesondere IBM mit einem Anstieg um 50 % im ersten Quartal: auf 1,5 Mrd, Dollar. IBMs Umsatz stieg im gleichen Zeitraum auf mehr als 20 Mrd. Dollar. Standfest für seine Anteilseigner steht auch Microsoft in der PC-Landschaft: mit einem Gewinnzuwachs von 43 % gegenüber 1998. Als dominanter Anbieter von PC-Betriebssystemen kann Microsoft vor allem eine Gewinnstütze ausspielen: Trotz fallender PC-Preise sind die Lizenzgebühren für Windows stabil.
Bezogen auf die Hardware stellt das Betriebssystem also einen immer höheren Wertanteil dar. Doch die nächste Welle der Billig-PC, in Gestalt von einfachen Palmtop-Internet-Terminals, Multimedia-Settop-Boxen und intelligenten Haushaltsgeräten, dürfte zu einem guten Teil an Windows vorüberrauschen. Und etliche Hersteller klassischer Desktop- und Laptop-PC denken an „Dual-Boot“-Maschinen mit dem Open-Source-Betriebssystems Linux.
Compaqs harter Kurswechsel, symbolisiert durch den überraschenden Austausch der Führungsspitze, ist erst der zweite in der Geschichte des 1982 gegründeten Unternehmens. Vor knapp acht Jahren, 1991, hatte Chairman Rosen seinen Mitgründer und CEO Rod Canion gefeuert, nachdem dieser einen Verlust von 70 Mio. Dollar eingefahren hatte. Canion, ein exzellenter Technologe von Texas Instruments, hatte das Konzept eines „Portable PC“ eingebracht – seinerzeit eine tragfähige Idee für den Startup Compaq. Doch erst Pfeiffer schaffte mit der frühzeitigen Einführung der Billig-PC den Durchbruch in die jetzigen Dimensionen.
Ob der Übergang in den hoch favorisierten Internet-PC-Direktvertrieb so einfach gelingt, ist eine andere Frage. Denn die Probleme, mit denen sich Pfeiffer im letzten Jahr konfrontiert sah, lagen wohl eher in der Integration der kürzlich zugekauften Firmenteile von Digital und Tandem. Nicht ganz einfach, wenn drei verschiedene Prozessor-Plattformen (Pentium, Mips und Alpha), sieben verschiedene Betriebssysteme und eine breite Produktpalette vom Billig-PC bis zum ausfallsicheren Server unter einen Hut zu bringen sind – technologisch wie im Vertrieb. Bleibt abzuwarten, ob das alles im Internet-Timing zu schaffen ist.
WERNER SCHULZ
Das Internet als Vertriebsweg wirbelt den PC-Markt durcheinander. Dell Computer zeigt mit atemberaubenden Wachstumsraten, wie das PC-Business im Internet-Zeitalter funktioniert.
Eckhard Pfeifer hat Compaq großgemacht. Fallende Gewinne und Aktienkurse des PC-Marktführers lastet er dem schwächelnden Markt an, seinen Hut mußte er dennoch nehmen.

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