Informationstechnik 14.05.2010, 19:46 Uhr

Bundeswehr-IT außer Plan: Großprojekt Herkules in Verzug

Das IT-Modernisierungsprojekt Herkules meldet 640 Mio. € Mehrbedarf an – und die Nutzer zeigen sich bislang wenig zufrieden mit dem Erreichten. Das zeigt ein vertraulicher Bericht im Auftrag des Bundesverteidigungsministeriums, der den VDI nachrichten vorliegt. Grund für zeitliche Verzögerungen ist eine Reihe von technischen Überraschungen bei der Systemumstellung.

Das milliardenschwere IT-Großprojekt „Herkules“ der Bundeswehr steht unter Beschuss. Ein aktueller „vertraulicher“ Zwischenstandsbericht beschäftigt sich mit der „Evaluierung der Zielerreichung und der Wirtschaftlichkeit des Kooperationsprojektes Herkules“. Der Bericht, der den VDI nachrichten vorliegt, soll demnächst dem Haushalts- und dem Verteidigungsausschuss des Bundestags vorgestellt werden, der über den Mehrbedarf von 640 Mio. € entscheiden soll, den die Projektverantwortlichen jetzt angemeldet haben.

Ende 2006 wurde das Projekt mit einem Volumen von 7,1 Mrd. € kalkuliert. Laut Jochen Reinhard, Sprecher der Projekt-Betreibergesellschaft BWI-IT, werden die 640 Mio. € Mehrleistungen im Moment mit dem IT-Amt des Ministeriums verhandelt. Diese beziehen sich auf die Mehrkosten, die sich bei dem Ausbau des lokalen Netzwerkes (LAN) sowie den vom Vertrag nicht abgedeckten Zusatzleistungen ergeben.

So müssen mehr Arbeitsplätze ausgestattet und betrieben werden als vertraglich vorgesehen, hinzu kommen zusätzliche und höhere Sicherheitsanforderungen. Schon bei der Bestandsaufnahme im Feld gab es einige Überraschungen: So ging die Bundeswehr davon aus, über 265 Server zu verfügen. Tatsächlich gab es aber 352 Server im Feld. Laut Vertrag hatte die Bundeswehr 200 Lotus-Notes-Applikationen installiert, vorgefunden wurden aber satte 2000, die nun auf den neuesten Stand gebracht werden müssen.

Eine für den Bericht vorgenommene Umfrage ergab unter 30 000 Nutzern, dass sich 70 % der Nutzer des teilmodernisierten Systems imstande fühlten, ihre Aufgaben zu erfüllen. Zuvor waren es 60 % gewesen.

Nach dem Rollout des neuen Systems schätzten nur 43 % der Nutzer die Situation als besser ein. Ein Viertel gab an, dass sie sich sogar verschlechtert habe. Jede vierte Dienststelle beklagte „häufige“ oder „sehr häufige“ Störungen und Ausfälle des gesamten IT-Netzes. Jede dritte Dienststelle zeigte sich mit der Verbindungsgeschwindigkeit des Netzes unzufrieden.

Laut BWI-IT-Sprecher Jochen Reinhardt liege der Gesellschaft der Bericht offiziell noch immer nicht vor. Er räumt jedoch ein, dass „Herkules“ in zwei Teilprojekten hinter Plan liege. Dabei handele es sich zum einem um den Ausbau des Bundeswehrnetzes, zum anderen um die Ausstattung der Streitkräfte mit 300 000 neuen Telefonen und 140 000 neuen Computern, die ausgestattet mit standardisierter Software per Fernwartung an das interne Netz angeschlossen werden sollten. Inzwischen wurden 130 000 Anschlüsse umgestellt und 120 000 Telefone ausgetauscht.

Als Grund für den zeitlichen Rückstand gab Reinhardt an, dass die Bundeswehr während der Vertragsverhandlungen nicht in der Lage gewesen sei, den Status quo der Liegenschaftsverkabelung zu benennen. Man habe daher zunächst jede einzelne Liegenschaft untersuchen müssen, um festzustellen, ob die vorhandene Infrastruktur ausreiche, ob eine Verkabelung oder ein Netzanschluss per Richtfunk sinnvoll sei.

Die Alternative hätte darin bestanden, alle Kasernen mit einem hochwertigen Standard namens AU 170 auszustatten, der aber für die Erfüllung der Leistungskategorie nicht unbedingt notwendig gewesen sei. Die differenzierte Herangehensweise hätte zwar mehr Zeit in Anspruch genommen, aber man hätte auf diese Weise 500 Mio. € einsparen können. Dies sei auch der Grund, warum es zu zeitlichen Verzögerungen bei der Computerausstattung gekommen sei, weil nur dort neue PCs aufgestellt wurden, wo das Netz bereits ausgebaut war.

„Ein nennenswerter Anteil am Zeitverzug besteht darin, dass die BWI-IT erst einmal die passive Infrastruktur auf einen angemessenen Stand bringen musste“, erklärt BWI-IT-Projektleiter Konrad Vietzke. Harte Arbeit verlangten etwa die dicken Stahlbetonwände vieler Gebäude, z. B. auf dem Gelände der Julius-Leber-Kaserne in Berlin. Sie wurde in den 30er-Jahren „in Bunkerqualität“ errichtet und steht heute als historisch relevante Bausubstanz unter Denkmalschutz. Als Andenken an die Verkabelungsarbeiten bewahrt Vietzke nun einen Bohrkern aus einer der Stahlbetonwände auf, die sich bis in den Giebelbereich erstrecken.

Solche Kasernengebäude, weiß Vietzke, werden heute noch vielerorts genutzt. Ein anderes Problem habe darin bestanden, dass einige Liegenschaften völlig neu erschlossen werden mussten, weil bestimmte Bandbreiten mit den herkömmlichen Kupferkabeln nicht möglich waren. An der Havel etwa musste eine kleine Liegenschaft, die zuvor nur über ein 56-kbit-Modem verfügte, über 8 km an die Hauptliegenschaft angeschlossen werden.

Laut Reinhardt kann bislang von einer Verzögerung bis Ende 2011, „höchstens“ bis Frühjahr 2012 ausgegangen werden. Die anderen Herkules-Teilprojekte wie die Modernisierung der Rechenzentren befänden sich im Plan. Zwei der drei neuen Rechenzentren der Bundeswehr sind laut Reinhardt bereits fertig aufgebaut, das dritte werde Ende des Jahres fertig. CHR. SCHULZKI-HADDOUTI

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