Autotest 03.12.2004, 18:35 Uhr

Brüder in unterschiedlichem Outfit

VDI nachrichten, Düsseldorf, 3. 12. 04 -Der Mitsubishi Colt und der Smart Forfour basieren auf der gleichen Plattform und kommen aus der gleichen Fabrik. Trotzdem unterscheiden sich die Karosserien der beiden viertürigen Kleinwagen nicht nur im Konzept, sondern auch in der Optik. Der Colt 1.5 kostet zwar 850 € mehr als der Forfour 1.5, verfügt aber über die bessere Komfortausstattung.

Die beiden Pkw im Minivan-Format sehen auf den ersten Blick aus, als hätten sie keine Gemeinsamkeiten. Den einen sortiert der Betrachter sofort in die Gruppe der Micro-Vans ein, der andere wird als optisch auffällig gestalteter und unkonventioneller Kleinwagen empfunden. Jedoch verfügen beide über die gleiche Technik, werden vom gleichen 1,5-l-Benziner angetrieben und rollen vom gleichen Produktionsband bei NedCar, dem Gemeinschaftswerk von DaimlerChrysler und Mitsubishi in Born, Niederlande. Auch wenn die Stuttgarter, denen Smart gehört, sich inzwischen von Mitsubishi getrennt haben, so wollen sie doch weiterhin mit NedCar Kosten sparen. Für Mitsubishi und Smart sind der Colt bzw. der Forfour sogar etwas wie Hoffnungsträger.
Der Smart fällt schon wegen seiner Mehrfarben-Karosserie im Straßenbild auf. Innen vermittelt er ein gutes Raumgefühl, nicht zuletzt durch den Abstand zur großen Frontscheibe. Im Fond wird es etwas eng. Das Interieur wirkt erfrischend, aber nicht immer funktionell. Zum Beispiel finden sich die Schalter für die elektrischen Fensterheber zwischen den Vordersitzen, die Rundinstrumente haben eine kleine Skala und auch die Sonnenblenden fallen klein aus.
Der Colt kann in dieser Disziplin punkten. Im breiteren und höheren Innenraum ist viel Platz. Die Variabilität ist ebenfalls größer. Zwar lässt sich die Rückbank bei beiden in Längsrichtung verschieben, aber im Colt ist sie nicht nur komplett umklappbar wie im Forfour, sondern auch geteilt im Verhältnis ein Drittel zu zwei Drittel zudem kann sie bei Bedarf ganz ausgebaut werden. Ins Ladeabteil des Colt passen 220 l bis max. 1 070 l, der Forfour bietet ein Volumen von 268 l bis 910 l. Für lange Güter lässt sich beim Colt der Beifahrersitz umlegen, im Forfour kostet diese Möglichkeit einen Aufpreis von 195 €.
Die Wandlung vom Viersitzer zum Fünfsitzer muss beim Smart zudem mit 120 € extra bezahlt werden. Punkte sammelt der Forfour dagegen bei der Sicherheit: ESP und Bremsassistent sind serienmäßig, für Kopf-Airbags werden nur 250 € verlangt. Beim Colt kosten die entsprechenden Sicherheitsdetails im Paket 800 €. Bei der Verarbeitung geben sich beide Mühe, doch hier und da vermisst mancher die Liebe zum Detail, was allerdings in diesem Segment eher verziehen wird.
Der Forfour erzielt mit dem gleichen 1,5-l-Ottomotor (80 kW) in den Fahrleistungen ein kleines Plus am geringfügig höheren Leergewicht des Colt dürfte es wohl nicht liegen. Der Benziner hängt bei beiden gut am Gas. Wenn er gefordert wird, klingt er akustisch recht angestrengt – beide erreichen eine Spitzengeschwindigkeit von 190 km/h. Beim Verbrauch schnitt der Colt 1.5 im Test mit 8,0 l/100 km um 0,4 l günstiger ab. Obwohl in beiden Fahrzeugen mit dem baugleichen Fünfganggetriebe geschaltet wird, ließ sich im Smart der Rückwärtsgang leichter einlegen.
In den Fahreigenschaften gibt es keine Überraschungen. Beide Fronttriebler verhalten sich sehr gutmütig. Der Forfour profitiert im Grenzbereich vom serienmäßigen (nicht abschaltbaren) Antischleudersystem „ESP“ und beim Bremsen vom Bremsassistenten, der im Colt nicht geliefert wird. Die elektrischen Servolenkungen der beiden Kleinen könnten etwas direkter ausgelegt sein.
Bei der Fahrwerksabstimmung hat Mitsibishi auf eine weichere Federung/Dämpfung Wert gelegt, während der Smart sich straffer gibt. Beide lassen ihre Passagiere besonders grobe Unebenheiten ähnlich intensiv spüren. Auf glatter Oberfläche rollen beide recht harmonisch ab. Mehr Halt könnten die Sitze bieten, beim Colt fehlt es im oberen Rückenbereich an Abstützung, beim Forfour an der Seite. Komfortabstriche gibt es zudem für die Motorgeräusche im Innenraum, die in höheren Drehzahlen aufdringlich werden.
Die beiden Modelle zielen auf unterschiedliche Käufergruppen. Der Mitsubishi Colt ist mehr der Minivan für die Familie, er bietet viel Raum und Variabilitiät. Der Smart Forfour spricht den eher sportlichen und modebewussten Kleinwagenfahrer an. In dieser Hinsicht ist er dem Mini Cooper ziemlich ähnlich. Im Preisvergleich ist der Colt 1.5 mit 15 990 € auf den ersten Blick um 850 € teurer, aber hier muss die bessere Serienausstattung u.a. mit Klimaanlage und CD-Radio berücksichtigt werden. Besonders schön wäre es freilich, wenn Mitsubishi auch das empfehlenswerte ESP mitliefern würde. INGO REUSS/WOP

 

Ein Beitrag von:

  • Ingo Reuss

    Der Autor Ingo Reuss ist Motorjournalist. Er ist seit vielen Jahren für große Tages- und Wochenzeitungen sowie Fachmagazine tätig.

  • Wolfgang Pester

    Ressortleiter Infrastruktur bei VDI nachrichten. Fachthemen: Automobile, Eisenbahn, Luft- und Raumfahrt.

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