Spielkonsolen 22.12.2006, 19:25 Uhr

Ballern ist nicht angesagt  

Menschen über 50, die sich für elektronische Spiele begeistern. Die Fangemeinde wächst. Allerdings mit einfachen Spielen, die neben dem Spaß auch noch das Gedächtnis trainieren.

Für Karsten Weber steht fest: „Die Generation 50+ spielt in der Gamesbranche noch kaum eine Rolle.“ Verständlich ist dies für den Professor für Medienwissenschaften an der Europa-Universität Frankfurt/Oder nicht: „Diese Zielgruppe wächst stark und hat auch das nötige Kleingeld.“

Dabei sei nicht technische Komplexität das Gebot der Stunde, sondern: „Spiele müssen fesseln“. So kann Weber sich gut vorstellen, dass neue Online-Spieleklassiker wie „Second Life“, wenn sie denn als deutsche Version starten, auch Ältere fesseln können. „Virtuell ein zweites Leben führen, dabei Land kaufen, Häuser bauen und Bekanntschaften machen“, könne die Generation 50+ ansprechen.

Einige Spielehersteller haben ältere Menschen bereits im Blick. Ihr Zauberwort heißt einfache Spiele, im Fachjargon Casual Games genannt. Nach wie vor zählen dazu Klassiker wie „Tetris“ für den PC, die Konsole oder das Handy, einfache Puzzlespiele, Zahlenrätsel wie Sudoku oder aber „Dr. Kawashimas Gehirnjogging“. Seit langem steht das spielerische Gedächtnistraining des gleichnamigen japanischen Gehirnforschers auf den Bestsellerlisten.

„30 % unserer User sind zwischen 45 und 90 Jahren alt“, sagt Boris Wasmuth. Für den Geschäftsführer Marketing bei Gameduell, einer Spiele-Internetseite mit inzwischen 2,5 Mio. registrierten Mitgliedern, stehen vor allem die PC-Spiele Solitaire, MahJongg, Skat und Backgammon auf der Hitliste der älteren Spieler.

Eine davon ist Katja Wombacher: „Ich spiele morgens eine Stunde zum Frühstück und abends.“ Die 53-jährige Selbstständige bekommt dann schon E-Mails von befreundeten Spielern aus der ganzen Republik, die sie zu einer Partie Solitaire herausfordern. „Ihr Ältester“ sei beruflich mit der Spielebranche verbandelt. „Er wollte mir auch den Gameboy schmackhaft machen.“ Aber das sei ihr zu bunt und zu laut, winkt Wombacher ab. „Ich strenge lieber meinen Kopf an als rumzuballern“, lautet ihr Motto.

Da Katja Wombacher als selbstständige Werbekauffrau auch beruflich viel am Computer sitzt, spielte sie „schon einmal eine Partie Solitaire, die vorkonfiguriert war“. Per Zufall stieß die agile Mittfünfzigerin vor einem Jahr auf die Internetseite von Gameduell. „Da finde ich viele Spiele für meine Kragenweite, ohne dass ich große technische Vorkenntnisse brauche.“

Wombacher liebt das Fairplay auf der Internetseite von Gameduell und hat erst einmal eine Menge Trainingsduelle alleine ohne Grundgebühr und Einsatz absolviert. Später forderte sie andere Anfänger heraus. Für ihr Spielvergnügen gibt sie rund 50 € im Monat aus. Und, wie hoch sind die Onlinekosten? „Ich habe eine Flatrate“, sagt Wombacher. „Mein jüngster Sohn wohnt noch bei mir und hat mir alles eingerichtet.“

Wie Katja Wombacher bekommt der 51-jährige Ralf Gottschalk über Gameduell rund 600 E-Mails pro Woche von Mitspielern über die ganze Republik verteilt. „Der Austausch untereinander ist ganz wichtig“, sagen beide.

Gottschalk ist seit 2004 bei Gameduell, weil „andere Spieleanbieter viel unübersichtlicher sind“, lobt der selbstständige Unternehmer. Er ruft Spielerprofile auf, um zu zeigen, hinter welchen Namen sich die starken Spieler verbergen. Inzwischen hat Gottschalk Kontakt mit 500 Spielern bundesweit. Er fing mit Solitaire an und spielt jetzt online Skat. „Da meckert keiner rein, da kann ich in Ruhe spielen“, sagt Gottschalk, der sehr wohl wöchentliche Runden im Skatverein aus vergangenen Zeiten kennt.

Im Gegensatz zu Katja Wombacher ist auch Geld für ihn ein Anreiz. „Ich mache Gewinn“, so Gottschalk, der gerne eine Mini-Skatliga spielt und dazu gerade elf Leute einlädt. Jeden Tag frönt er bis zu vier Stunden seiner Leidenschaft und erklärt: „50 Spiele brauche ich, um eingespielt zu sein.“ Doch abends um 8 Uhr wird der Computer ausgeschaltet. Dann ist Fernsehen dran. NIKOLA WOHLLAIB

Von Nikola Wohllaib
Von Nikola Wohllaib

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