Displays 22.09.2000, 17:26 Uhr

Alternde Flachbildschirme zu reparieren, kann sich lohnen

Flüssigkristallmonitore sind keineswegs stör- oder verschleißfrei. Doch auch wenn der Zahn der Zeit an der kostspieligen Anschaffung nagt, muss das Gerät noch längst nicht auf den Elektronik-Schrottplatz.

Manchen hat die berufliche Notwendigkeit, manchen die pure Lust am Luxus dazu getrieben, in den letzten Jahren mindestens 1500 DM für einen Flüssigkristallbildschirm auszugeben. Da mag man sicherlich nur ungern daran denken, dass auch diese Investition kein unendliches Produktleben hat.
Genau wie bei den Röhrenbildschirmen (kurz CRT: Cathode Ray Tube), die in Deutschland übrigens noch immer 90 % des Gesamtmarktes ausmachen, verlieren auch TFT-Displays im Laufe vieler Tausend Nutzungsstunden an Leuchtkraft. Während beim billigeren CRT-Schirm eine altersschwache Bildröhre jedoch quasi dem wirtschaftlichen Totalschaden des Gerätes entspricht, können die TFT-Nutzer mit relativ niedrigen Aufwendungen die Lebenszeit der flachen Anzeige deutlich verlängern.
„Ein klassischer CRT-Bildschirm hält theoretisch 50 000 Betriebsstunden und ist danach Elektronik-Schrott. Ein TFT-Display hat nach 20 000 Nutzungsstunden etwa die Hälfte seiner Leuchtkraft eingebüßt – ist dann aber noch voll funktionsfähig“, nennt Horst Strobender, Monitor-Produktmanager bei Samsung, die harten Fakten.
Doch – selbst nach 20 000 Stunden im Gebrauch ist ein Flachbildschirm noch immer so hell wie ein neuer Röhrenmonitor. Denn während ein neuer konventioneller Bildschirm mit einer Leuchtstärke von durchschnittlich 130 cd bis 150 cd (cd: Candela) aufwartet, strahlt die jüngste TFT-Generation seinen Nutzer mit kräftigen 300 cd an.
Wenn es hart auf hart kommt, lässt man die für die Helligkeit zuständige Hintergrundbeleuchtung – eine meist zweiteilige, ultraflache Leuchtstofflampe – austauschen. Zu moderaten Preisen: Während das Ersatzteil selbst mit 30 DM bis 50 DM zu Buche schlägt, kostet der komplette Aus- und Einbau beim Hersteller knapp 250 DM. Produktmanager Strobender erklärt, wie dieser Betrag zustande kommt: „Das Display muss mit Spezialwerkzeugen geöffnet und fast vollständig auseinander gebaut werden. Dazu braucht ein erfahrener Fachtechniker rund eine halbe Stunde.“
Wer mutig ist, kann es freilich auch billiger haben: Zwar raten alle Hersteller von eigenen Eingriffen ab, doch hinter vorgehaltener Hand verrät ein Produkt-Verantwortlicher: „Wer sich zutraut, eine Steckkarte im PC zu installieren, kann auch die TFT-Beleuchtung auswechseln.“ Prognostizierter Arbeitsaufwand für den Heimwerker: etwa eine Stunde. Wegen zahlreicher, winzig kleiner Schrauben sollte man über ein Uhrmacher-Werkzeugset verfügen und braucht sehr stabile Fingernägel – oder das Spezialwerkzeug der Hersteller.
Doch es gibt gute Argumente gegen die Heim-Arbeit: „Mit dem eigenständigen Öffnen des Gehäuses erlöschen sämtliche Garantieleistungen“, gibt Klaus Büter, zuständig für den technischen Einkauf beim deutschen Anbieter Maxdata, zu bedenken. Das Display selbst kann sehr leicht beschädigt werden – im Gegensatz zur Beleuchtung ist es nicht reparabel. Treten womöglich Flüssigkristalle aus, herrscht höchste Alarmstufe. Denn über die Gefährlichkeit der LC-Mischungen herrscht ein Expertenstreit. Keine Gefahr im Verzuge sagen die Hersteller, Umwelt- und Gesundheitsschützer mahnen angesichts unbekannter Gefahren zur Vorsicht. Die Industrie behandelt sie als sonderabfall, etwa bei der Berliner Firma Vicor, die die alten Anzeigen in einem speziellen Behandlungsverfahren einäschert.
Bislang dürfte die Schar potentieller TFT-Reparateure freilich verschwindend gering sein. In nennenswerter Stückzahl werden die Displays erst seit rund drei Jahren verkauft. Selbst wenn man von – unwahrscheinlichen – zwölf Betriebsstunden an jedem Tag im Jahr ausgeht, leidet bis dato wohl noch kein Display an Altersschwäche.
Alle Angaben über Betriebszeit und Lebensdauer der Hersteller sind derzeit noch Hochrechnungen, tatsächliche Erfahrungswerte gibt es so gut wie nicht. Das bestätigt Klaus Caspers von Raab Karcher Electronics, Anbieter der Marke Eizo: „Bislang hatten wir noch kein einziges Display, dessen Beleuchtung ausgetauscht werden musste.“
Die bisherigen professionellen Hauptabnehmer der Flachbildschirme – Großbanken und Versicherungskonzerne – wird die verlängerbare Lebensdauer der Computer-Peripherie nicht ernsthaft interessieren: Nach vier Jahren Büroeinsatz sind die Geräte steuerlich abgeschrieben. In den großen Unternehmen werden die Bildschirme danach fast immer ausgemustert.
Nach der Prognose von Belinea-Produktmanager Marius Sylla wird es bei diesen Großkunden allerdings schon bald nicht mehr bleiben: „In 2002 wird TFT einen Marktanteil von 30 % bis 40 % in Deutschland haben“, ist sich der Experte sicher. Bis zu diesem Zeitpunkt soll die Zahl der jeweils 2 Mrd. DM teuren Reinraum-Fabrikationsstraßen endlich die weltweite Nachfrage befriedigen können. Mit gegenwärtig etwa 15 Stätten ist das noch nicht möglich.
Das Angebot wird also in ein bis zwei Jahren größer und die Anschaffungspreise werden auch für kleinere Betriebe, Freiberufler und sogar ambitionierte Privatanwender akzeptabel. „Die Displays dürften dann je nach der Entwicklung des Dollar-Kurses für unter 1000 DM erhältlich sein“, glaubt Sylla.
Mit dem Massenmarkt werden derzeit noch geplante Auflagen des Gesetzgebers den Herstellern wohl vorschreiben, dass sie die von ihnen verkauften Displays am Ende der Nutzungszeit wieder zurücknehmen und recyclen müssen. Viele Markenhersteller nehmen schon heute freiwillig Altgeräte bei einem Neukauf zurück. Falls die TFTs nicht ganz so billig wie aktuelle 15- oder 17-Zoll-Röhrenschirme werden, könnte die relativ kostengünstige Reparatur dafür sorgen, dass die heute noch vorherrschende Ex-und-hopp-Mentalität bei privaten Verbrauchern ein Ende hat. FOLKER LÜCK

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