Hardware 08.03.2002, 17:33 Uhr

Aldi und Dell trotzen dem Trend

Ob die PC-Hersteller davon profitieren werden, dass der Weltmarktführer Dell die CeBIT konsequent meidet, ist fraglich. Neben Außenseitern legte der texanische Direktanbieter jedenfalls auch im schwachen Marktumfeld kräftig zu.

Nach Marktanalysen von Dataquest schrumpfte der deutsche PC-Markt auch im 4. Quartal 2001 das dritte Mal in Folge, wenn auch weniger stark als in den voraus gegangenen Quartalen. Insgesamt wurden 2,05 Mio. PCs ausgeliefert, ein Rückgang um 6 % gegenüber dem Vergleichsquartal 2000. Bei PCs für professionelle Anwendungen war sogar ein Einbruch von 13 % zu verzeichnen. „Der deutsche Markt für PCs bleibt weiterhin stärker unter dem Einfluss der weltweiten konjunkturellen Entwicklung als die anderen führenden europäischen Staaten. Doch als der größte regionale Markt wirkt sich diese Situation stark auf den generellen Rückgang in Europa aus“, stellt Dataquest-Analyst Brian Gammage fest. Die besseren Daten im Consumer-Bereich wurden besonders durch vorweihnachtliche Aktionen der Handelsketten positiv beeinflusst, und hier konnte speziell der deutsche PC-Assemblierer Medion mit 250 000 PCs durch nur eine Aktion mit Aldi eindrucksvolle Zahlen vorlegen. Generell waren mobile PCs die Renner und Gericom oder IPC waren hier die Gewinner. Fujitsu-Siemens konnte über das Jahr 2001 und auch im vierten Quartal mit 407 524 Einheiten die Marktführerschaft verteidigen, Medion nahm jedoch mit 293 172 Einheiten quasi aus dem Nichts Rang 2 ein. Nach Targa mit einem Wachstum im vierten Quartal von 350 %, allerdings von einer relativ bescheidenen Ausgangsbasis, konnte Dell mit knapp 55 % die höchste Wachstumsrate auf 12 000 Einheiten hinlegen.
Hauptgrund für Dells Wachstum ist die konsequente Umsetzung des Direktmodells. Der Hersteller verzichtet auf den Handel und gibt die eingesparte Marge an den Käufer weiter. Bei kommerziellen Notebooks ist Dell laut IDC mit einem Anteil von 13,9 % im vierten Quartal 2001 zum Marktführer in Deutschland geworden. Gegenüber dem dritten Quartal wuchs das Unternehmen in dieser Sparte um 42 %, während der Gesamtmarkt von kommerziellen Notebooks in Deutschland mit -  11,5 % deutlich rückläufig war. Was die mittelfristigen Wachstumspotenziale anbelangt, gibt sich Chef Michael Dell optimistisch. „Es gibt im Markt etwa 450 Mio. PCs, die nicht älter als drei Jahre sind und noch kein Windows-XP aufweisen, schon das allein ist ein großes zukünftiges Geschäftspotenzial.“
IBM musste im vierten Quartal einen Rückgang vom mehr als 35 % hinnehmen und stand mit 3,1 % Marktanteil auf dem zehnten Rang. Das Unternehmen reagierte im Januar mit der Ausgliederung der Produktion an Sanmina-SCI. Dataquest-Analyst Brian Gammage begrüßt diese Entscheidung, die auf langfristigem Gewinndenken und nicht auf einem Ausstieg aus dem PC-Geschäft beruht. „IBM wurde wie auch andere PC-Hersteller durch nachlassende Nachfrage, geringere Margen, neue Verkaufskanäle und verstärkten Wettbewerb herausgefordert. Erfolg im heutigen PC-Markt erfordert einen strengen Fokus, eine Optimierung der Geschäftsprozesse sowie die Fähigkeit, neue Möglichkeiten schnellstens zu antizipieren. Andere Anbieter wie HP haben bereits vorher ihre Fertigung ausgelagert, so dass IBM nicht der erste Hersteller ist, der mehr Effizienz durch Outsourcing sucht.“ Trotzdem sei dieser Schritt taktisch richtig, da er IBM mehr auf Profitabilität und Forschung in PC-Kernbereichen fokussiert. Auch das kann eine Antwort auf die Dell-Herausforderung sein. „Was können wir denn tun, damit Dell nicht noch stärker wird“, fragt sich denn auch Michael Urban, Vorsitzender der Soester Actebis Holding. Die Antwort: Die Actebis-Gruppe fokussiert ihre Aktivitäten noch stärker auf den Markt und die Kundenanforderungen. Die Marken Peacock und Targa positionieren sich zukünftig in den Segmenten „Mobil Computing“ und „Monitore“ am Markt. Der Bereich Desktop-PCs und Server wird schrittweise zurückgefahren. „Zum einen ist Serienfertigung von Desktop-PCs und Servern in mittleren Stückzahlen in Deutschland nicht mehr profitabel realisierbar. Darüber hinaus gab es im Segment der Desktop-PCs einen massiven Rückgang der Margen“, so Urban. Der Ausbau der bereits im Markt positionierten Produktlinien Peacock und Targa steht daher im Mittelpunkt der Strategie. Ob diese greift, muss sich noch zeigen. Wie das Beispiel Medion aber beweist, ist der PC-Markt durchaus noch nicht ausgereizt und kann nach gezielten Aktionen große Stückzahlen aufnehmen. ACHIM SCHARF

Ein Beitrag von:

  • Achim Scharf

    Ingenieur Achim Scharf ist Fachjournalist für Technikthemen und schreibt u.a. über Automation, Elektronik und IT-Themen.

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