Forschung 30.03.2007, 19:27 Uhr

Zwanzig Prozent sind zu wenig  

VDI nachrichten, Berlin, 30. 3. 07, rus – Rund 80 % der 4000 in Deutschland befragten mittelständischen Unternehmen haben in den letzten drei Jahren mit Innovationsprojekten ihre Wettbewerbsfähigkeit gestärkt, doch nur knapp 20% gehören zu den Innovationsführern. Einschätzungen zum Studienergebnis von Auftraggeber und Commerzbank-Vorstand Martin Blessing sowie dem Unternehmer und VDMA-Vizepräsidenten Manfred Wittenstein.

Blessing: Wir haben aufgrund von Kundenbefragungen festgestellt, dass mittelständische Unternehmen von Finanzinstitutionen neben Bankdienstleistungen auch einen Dialog über die Tagesthemen hinaus erwarten. Deswegen habe wir die Initiative „UnternehmerPerspektiven“ gegründet, zusammen mit einem Beirat.

Wir befragen halbjährlich rund 4000 Unternehmen. Wir reden dann mit den Unternehmen, der Wissenschaft und der Politik über die Ergebnisse, um gewisse Themen voranzubringen. Die jetzt vorgelegte Umfrage befasst sich mit dem Thema Innovation.

VDI nachrichten: Was macht aus Ihrer Sicht die Innovationsführer erfolgreich?

Blessing: Die Innovationsführer sind bei Investitionen exponiert, sie vernetzen sich über ihren unmittelbaren Einzugsbereich von Kunden, Mitarbeitern und Großabnehmern hinaus erheblich stärker mit der Wissenschaft. Sie reden sehr stark mit anderen in ihrem Gebiet, um aus diesen Gesprächen heraus Innovationen erzeugen zu können. Sie haben eine viel bessere Vernetzung als andere, insbesondere in die Wissenschaft hinein.

VDI nachrichten: Sind die Innovationsführer auch geschäftlich erfolgreicher als andere?

Blessing: Das haben wir in dieser Studie nicht analysiert. Aber man sieht dank anderer Studien, dass Innovationsführer meist auch langfristig einen höheren Geschäftserfolg haben.

VDI nachrichten: Die Autoren der Studie beklagen, dass die Impulsgeber für Innovationen – bei rund 80 % der 4000 befragten Unternehmen – zu sehr aus den eigenen Reihen kommen oder von Kunden. War der Kern des Innovationsgedankens, der vor Jahren gepredigt wurde, nicht gerade, kreative Mitarbeiter zu haben und sich konsequent an Kundenbedürfnissen zu orientieren?

Blessing: Um sich als Unternehmen zu verbessern, sollten sie mit den Mitarbeitern und den Kunden an diesem Thema arbeiten. Wenn sie aber Sprünge machen wollen, müssen sie technologisch aus den bekannten Kreisen hinausgehen.

Wenn Daimler und Benz ihre damaligen Kunden nach Wünschen – vor der Erfindung des Automobils – befragt hätten, wären sie wohl nie auf die Idee gekommen, das Automobil zu erfinden.

Sie sollten die Möglichkeit haben, über die Thematik hinauszudenken, die sie beschäftigt. Die kriegen sie meist nur, wenn sie sehen, was wissenschaftlich möglich ist und dies dann in neue Anwendungen umsetzen.

VDI nachrichten: Wie kann eine Bank Innovationsfähigkeit anhand von vorgelegten Businessplänen beurteilen?

Blessing: Die Innovationen in der technischen Pipeline können sie anhand von Businessplänen nur sehr bedingt beurteilen. Da können sie sich immer nur fragen, was heißt das technisch, was steckt technisch dahinter.

Wir arbeiten mit Innovationsführern zusammen, urteilen nicht nur aus der Finanz-, sondern auch aus technischer Sicht.

Beispielsweise sind wir in Deutschland der führende Finanzierer von erneuerbaren Energien, insbesondere der Windkraft, zunehmend auch von Photovoltaik sowie von Biodiesel und Biogas.

Wir haben ein Expertenteam, das sich nicht nur Businesspläne anguckt, sondern das weiß, wie die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind, welche technologischen Anforderungen gestellt werden. Wir prüfen, wie wir dieses Geschäft international ausbauen.

VDI nachrichten: Herr Wittenstein, die Innovationspipeline droht laut Studie leer zu laufen, weil 80 % der befragten Unternehmen ihre Innovationsfähigkeit für Produkt- und Prozessoptimierung sowie Kostensenkungsmaßnahmen verwenden. Es fehlen visionäre Ideen. Was sagen Sie als Vizepräsident des Verbandes Maschinen- und Anlagenbau dazu?

Wittenstein: Ich sehe das schon so. Wir konzentrieren uns auf unsere alten Geschäftsmodelle, alten Märkte. Die bauen wir permanent aus, da gibt es viel zu tun.

Wir sollten aber bei allen Produkt- und Prozessinnovationen die Innovationen in Businessmodelle bedenken. Manchmal gibt es ganz neue Möglichkeiten, ein Geschäft zu machen. Es gibt auch neue Märkte dank neuer Erkenntnisse der Wissenschaft.

VDI nachrichten:. Kann der VDMA Firmen stärker vernetzen?

Wittenstein: Da sind wir permanent dabei. Der VDMA hat sehr viele Forschungsvereinigungen, die wir fördern und fordern. Etwa die Brennstoffzelleninitiative, die Windkraftinitiative. Der VDMA knüpft intern Netzwerke zwischen Unternehmen, bemüht sich, Netzwerke in den Hochschulen zu verankern.

VDI nachrichten: Warum vernetzt sich der Mittelstand zu selten mit der Hochschule, wie seit Jahren beklagt wird?

Wittenstein: Da gibt es auf beiden Seiten andere Vorstellungen. Das Denken auf der Unternehmerseite ist ein anderes als auf der Hochschulseite.

Die Hochschule hat Freiheit und Lehre, die Unternehmen tun triviale Dinge, die nichts mit der Wissenschaft zu tun haben.

Es gibt aber positive Beispiele der Zusammenarbeit, sonst wären wir als Maschinenbau nicht so wettbewerbsfähig, wären nicht Exportweltmeister. Aber es gibt noch viel zu tun.

Da muss man den Hochschulen mehr Autonomie geben, sie müssen sich strukturell verändern, damit sie überhaupt mit Unternehmen zusammenarbeiten können.

Mittelständische Unternehmen sind erfolgsorientiert, können nicht Jahre auf Ergebnisse warten. Sie brauchen schnelle, zielorientierte Ergebnisse. Das ist bis dato von der Universität in der gewünschten Form nicht zu leisten.

VDI nachrichten: Der Staat verlangt von seinen Studenten Studiengebühren, sollte er nicht von seinen Professoren eine Forschungsrendite verlangen?

Wittenstein: Der Staat hat jetzt eine Forschungsprämie auf den Weg gebraucht. Die Institute und Professoren, die von Mittelständlern Forschungsaufträge generieren, erhalten eine Prämie von 20 % auf diesen Auftrag. Das ist ein gutes Zeichen, dass die Zusammenarbeit gewollt ist und unterstützt wird.

VDI nachrichten: Die Unternehmen senden für die Finanziers positive Meldungen über Gewinne und die Auftragslage, aber Zeitungen berichten über Personalabbau und Arbeitsplatzverlagerung. In das ein Klima, in dem Kreativität und Risikofreude wachsen?

Wittenstein: Ich würde das so nicht formulieren. Große Unternehmen sind einer anderen Dynamik unterworfen als der Mittelstand. Der Mittelstand ist derzeit der Bereich, der Arbeitsplätze nicht abbaut sondern aufbaut.

VDI nachrichten: Wie sieht das bei Ihrer eigenen Firma aus?

Wittenstein: Wir waren vor zehn Jahren um die 250 Mitarbeiter, machten ca. 40 Mio. DM Umsatz. Heute sind wir deutlich größer, bei Umsatz und Mitarbeiterzahl: 150 Mio. € Umsatz, 1050 Mitarbeiter. R. SCHULZE

Von R. Schulze

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