Forschungsinvestitionen 10.12.2010, 19:50 Uhr

Wirtschaft setzt auf Forschung

Die Ausgaben der deutschen Wirtschaft für Forschung und Entwicklung sind im Krisenjahr 2009 nicht so dramatisch zurückgegangen wie befürchtet. Zwischen den Branchen gibt es jedoch deutliche Unterschiede. Zudem besteht die Industrie weiter auf der zügigen Einführung der steuerlichen Forschungsförderung.

Bei den konjunkturellen Berg- und Talfahrten der vergangenen Jahre ließ sich in der Regel ein Trend beobachten: Die Ausgaben der Wirtschaft für Forschung und Entwicklung (FuE) folgten der Konjunktur. Für die jüngste Krise ist das zwar auch der Fall, bei Weitem aber nicht mehr in dem Umfang wie in früheren Jahren.

Unternehmen erkennen immer stärker die Bedeutung von FuE für ihre langfristige Wettbewerbsfähigkeit an. Dies zeigen die Zahlen des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, die am Mittwoch dieser Woche in Berlin vorgestellt wurden.

So ist zwar im Jahr 2009 das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 3,5 % zurückgegangen, die Aufwendungen der deutschen Wirtschaft für FuE jedoch nur um 2,4 %.

„Trotz Krise“, so Jürgen Hambrecht, Vizepräsident des Stifterverbandes und Vorstandsvorsitzender der BASF, „wurde in Deutschland also kaum an Forschung und Entwicklung gespart.“

Die deutsche Wirtschaft hat im Jahr 2009 insgesamt 55,9 Mrd. € für FuE ausgegeben – 1,4 Mrd. € oder 2,4 % weniger als im Jahr 2008. Dabei, so Gero Stenke, Geschäftsführer der Stifterverband-Wissenschaftsstatistik, sei allerdings zu berücksichtigen, dass das Jahr 2008 gerade für FuE-Ausgaben der Wirtschaft „ein historisches Hoch“ gewesen sei.

Dieses Hoch könnte sich nach der Delle 2009 auch 2010 fortsetzen: Erste Indikatoren des Stifterverbandes weisen bereits darauf hin, dass die Zahlen für 2010 wieder über denen von 2008 liegen dürften, sodass Stenke von einem „soliden Wachstumspfad“ spricht.

Die Verteilung der FuE-Ausgaben nach Unternehmensgrößen ist seit Jahren weitgehend konstant: Um die 85 % aller FuE-Ausgaben der Wirtschaft entfallen auf Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern.

Beschäftigt waren in den FuE-Abteilungen der deutschen Wirtschaft 2009 gut 329 600 Mitarbeiter, ein Rückgang gegenüber 2008 von nur 1 %. In früheren wirtschaftlichen Krisen hatten die Unternehmen dagegen deutlich mehr Forschungspersonal abgebaut.

Wie bei den Forschungsausgaben liegen auch beim Forschungspersonal die großen Unternehmen vorn: Gut 77 % der FuE-Beschäftigten arbeiten in Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern.

Zwischen den einzelnen Branchen gibt es jedoch deutliche Unterschiede, was die Forschungsausgaben angeht. Die Branche, die in Sachen FuE-Ausgaben und -Beschäftigte den Ton angibt, ist in Deutschland fraglos die Automobilbranche. Der Fahrzeugbau allein steuerte 2009 mit 22 Mrd. € fast 40 % zu den FuE-Gesamtausgaben der Wirtschaft bei.

Doch im Automobilbau gingen die Forschungsausgaben um fast 6 % zurück. Noch deutlichere Rückgänge verzeichnete die Elektroindustrie mit 14,8 %.

Zugelegt bei den Forschungsausgaben haben dagegen Pharma- und Chemiebranche. Dazu kommt die wachsende Bedeutung von FuE im Dienstleistungssektor. Hier hat der Stifterverband, so Stenke, „FuE-Wachstumsraten von 10 % im Vergleich zum Vorjahr“ festgestellt. Diese Dienstleister sind „in der Regel keine Konkurrenten“, sondern „leistungsfähige Partner der Industrieunternehmen“.

Erfreulich, so Hambrecht, sei auch, dass „die Regierung in den letzten Jahren wieder zunehmend in Forschung und Bildung investiert“. Das aber reicht nicht. So empfiehlt Hambrecht der Bundesregierung, die seit Langem umstrittene steuerliche Forschungsförderung „zügig“ einzuführen. Bereits vor Wochen wurde sie allerdings in Berlin politisch weitgehend beerdigt.

Zudem fordert Hambrecht mehr Wagniskapital für die Gründung innovativer Unternehmen – zumal Deutschland hier international hinterherhinke. Außerdem solle sich die Politik stärker auf die Förderung von Schlüsselsektoren – von Gesundheit über Mobilitätskonzepte bis hin zum Rohstoffwandel – konzentrieren.

Bedauert wurde, dass weder Deutschland, noch die EU ihr zehn Jahre altes Ziel, die FuE-Ausgaben auf 3 % des BIP anzuheben, erreicht hätten. Insbesondere die EU habe mit 1,77 % ihr Ziel weit verfehlt. Deutschland liegt bei 2,77 %.

Doch insgesamt herrscht Zuversicht. Die Krise, so Hambrecht, „hat 2009 nur eine Delle hinterlassen. Am langfristigen Trend ändert das nichts“. WOLFGANG MOCK

Von Wolfgang Mock

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