Stromproduktion auf hoher See 25.04.2013, 12:02 Uhr

Windgeneratoren lernen schwimmen

An schwimmenden Windenergieanlagen, die bei Wassertiefen von über 40 Metern eingesetzt werden können, forschen jetzt auch deutsche Wissenschaftler. Sie sind in ein EU-Projekt involviert, das die Europäische Kommission mit 19 Millionen Euro fördert. Ziel ist es, die Energieerzeugung auf eine sicherere Grundlage zu stellen.

Simulationsmodell einer schwimmenden Offshore-Windenergieanlage. 

Simulationsmodell einer schwimmenden Offshore-Windenergieanlage. 

Foto: IDEOL

Fernab von der Küste weht fast immer ein kräftiger Wind. Also ein idealer Standort für Windenergieanlagen. Trotzdem werden dort keine Generatoren installiert. Das Wasser ist dort so tief, dass die Fundamentierung unmöglich ist.

Das soll sich innerhalb der nächsten Jahre ändern. Dann wird es dort schwimmende Mühlen geben. Die Europäische Kommission hat für die Entwicklung stolze 19 Millionen Euro lockergemacht. Beteiligt sind Unternehmen und Forschungseinrichtungen in sechs Ländern, darunter der Lehrstuhl für Windenergie an der Universität Stuttgart und das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik in Kassel.

Mehr als fünf Megawatt Leistung

FloatGen (Demonstration of Two Floating Wind Turbine Systems for Power Generation in Southern European Deep Waters) heißt das Projekt. Die Mühlen mit einer Leistung von vermutlich mehr als fünf Megawatt werden auf schwimmenden Plattformen in Küstennähe errichtet und dann zu ihren Standorten geschleppt. Damit sie durch Strömung und Wind nicht abgetrieben werden ist eine Vertäuung am Meeresgrund geplant. Aufwändige Computersimulationen, die selbst höchste Wellen und stärkste Stürme berücksichtigen, sollen vor bösen Überraschungen schützen. Für 2015 ist der Bau der ersten Anlagen im Mittelmeer vor der spanischen Küste geplant.

Die Entwickler versprechen sich von dem Konzept eine entscheidende Verbilligung der Stromerzeugungskosten, weil die Mühlen auf hoher See mehr Strom liefern als an küstennahen Standorten. Auch Flauten sind dort seltener. Und aufwändige Reparaturen könnten billiger werden, weil die Pontons zum Hersteller geschleppt werden könnten. In Häfen passen sie allerdings nicht, denn ihr Tiefgang kann mehr als 100 Meter betragen. Andererseits ist die Verlegung der Seekabel erheblich teurer. Nötig wäre auch eine schwimmende Umspannanlage, die den von den Windgeneratoren produzierten Drehstrom in Gleichstrom mit einer Spannung von einigen 100 000 Volt umwandelt. Bei dessen Transport an Land geht weit weniger Energie verloren als bei der Übertragung von Drehstrom.

Prototyp vor Norwegens Küste

Eine schwimmende Windmühle mit einer vergleichbar bescheidenen Leistung von 2,3 Megawatt haben Siemens und der norwegische Energiekonzern StatoilHydro bereits vor vier Jahren vor der norwegischen Küste positioniert. Die britische und amerikanische Regierung wollen ebenfalls die Entwicklung schwimmender Windgeneratoren fördern.

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