Ministerin wehrt sich 23.01.2015, 12:32 Uhr

Wanka: Wir können Forschungsmittel nicht auf Zuruf verteilen

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka hat die Förderpolitik der Bundesregierung gegen Kritik aus Reihen von Wissenschaft und Forschung am aufwendigen Antragsverfahren verteidigt und will Bürger stärker in Forschungsvorhaben einbinden.

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) verteidigt das aufwendige Antragsverfahren für Forschungsgelder und sieht große Chancen durch Forschung mit Bürgern.

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) verteidigt das aufwendige Antragsverfahren für Forschungsgelder und sieht große Chancen durch Forschung mit Bürgern.

Foto: Britta Pedersen/dpa

„Fördermittel sind Steuergelder und es geht um beträchtliche Summen. Da muss klar sein, dass das Forschungsprojekt Sinn macht und dass man eine Antwort auf die Fragestellung erwarten kann“, sagte Wanka im Interview mit den VDI nachrichten. „Auch Projekte, die ihre Ausgangshypothesen widerlegen, bringen die Wissenschaft voran. Aber einfach auf Zuruf oder aufgrund der Biografie des Antragstellers kann unser Haus keine Mittel vergeben.“ 

Auch bei unsicherem Forschungserfolg Mittelvergabe

Laut Wanka würden auch Forschungsprojekte bewilligt, bei denen der Forschungserfolg unsicher sei. „So hat das Bundesforschungsministerium vor Jahren etwa einen wichtigen Förderantrag des heutigen Nobelpreisträgers Stefan Hell bewilligt, obwohl manche Gutachter damals davon abrieten. Nur so flossen die Mittel, die Hells Forschungen schon in einem frühen Stadium unterstützten.“

Bürger stärker einbinden

Vorantreiben will Bundesforschungsministerin Wanka die Beteiligung von Bürgern an wissenschaftlichen Projekten. Sie könnten beispielsweise Daten sammeln, die dann von Wissenschaftlern ausgewertet werden. „Wenn die Wissenschaft etwa die Scheibenwischerfrequenz von Autos auswerten könnte, hätten wir sehr viel detailliertere Informationen über den gefallenen Regen, als sie die Wetterstationen liefern können“, sagte Wanka den VDI nachrichten. „Das Smartphone könnte man zur Aufzeichnung regional typischer Töne oder Geräusche nutzen.“

Mückenatlas als Beispiel 

Das klappe schon gut beim Mückenatlas, der seit April 2012 aufgebaut wird. Er soll die Verbreitung einheimischer und eingewanderter Stechmücken dokumentieren. „Wer eine Mücke gefangen hat, kann diese zur Bestimmung einschicken. Tausende Mücken
konnten seit 2012 so genutzt werden, um wissenschaftliche Aussagen zu ihrer Population zu gewinnen“, lobt Wanka. Dieses Modell könne auf andere Themenbereiche ausgeweitet werden.

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