Kaderwert als Indikator 10.06.2014, 14:20 Uhr

Wahrscheinlichstes WM-Finale: Deutschland gegen Spanien

Über eine halbe Milliarde Euro ist die Nationalelf wert, mit der Bundestrainer Joachim Löw bei der WM in Brasilien antritt. Die teuerste deutsche Nationalmannschaft aller Zeiten hat gute Chancen, im Finale gegen Spanien anzutreten. Davon gehen zumindest Berliner Wissenschaftler aus, die den Kaderwert als Indikator für den Turnierverlauf herangezogen haben. 

Ein Finale zwischen Deutschland und Spanien dürfte auf den Fanmeilen in Deutschland für Begeisterung sorgen. Das Problem: Die spanische Nationalmannschaft ist 69 Millionen Euro mehr wert als die deutsche. Und müsste nach der Theorie der Wissenschaftler somit auch gewinnen. 

Ein Finale zwischen Deutschland und Spanien dürfte auf den Fanmeilen in Deutschland für Begeisterung sorgen. Das Problem: Die spanische Nationalmannschaft ist 69 Millionen Euro mehr wert als die deutsche. Und müsste nach der Theorie der Wissenschaftler somit auch gewinnen. 

Foto: dpa/Malte Christians

Auf den ersten Blick wirkt diese Prognose des WM-Verlaufs auf eingefleischte Fußballfans wahrscheinlich recht naiv: Deutsche Wissenschaftler haben nämlich einfach den Gesamtwert der Teams als Indikator für deren Erfolg herangezogen. „Ebenso wie der Marktwert ein Spiegelbild für die sportliche Leistungsfähigkeit eines einzelnen Fußballers ist, lässt sich auch die Leistungsstärke einer gesamten Mannschaft an ihrem Marktwert ablesen“, ist Prof. Gert Wagner überzeugt. Der Wirtschaftswissenschaftler der Technischen Universität Berlin hat die sogenannte Marktwert-Methode gemeinsam mit seinen Kollegen entwickelt: mit Sportwissenschaftler Prof. Michael Mütz von der Universität Göttingen und dem Soziologen Jürgen Gerhards von der Freien Universität Berlin.

Marktwert-Methode hält teure Teams für Favoriten

Laut Marktwert-Methode setzt sich stets das teuerste Team durch. Aus der Gruppenphase gehen also folgende Teams als Sieger hervor: in Gruppe A Brasilien mit einem Mannschaftswert von 468 Millionen Euro und Kroatien (193 Mio.), in Gruppe B Spanien mit der teuersten Mannschaft des gesamten Turniers (631) und die Niederlande (122). In Gruppe C triumphieren Kolumbien (190) und die Elfenbeinküste (122), in Gruppe D England (334) und Italien (323). Aus Gruppe E ziehen Frankreich (412) und die Schweiz (178) ins Achtelfinale ein, aus Gruppe F Argentinien (392) und Bosnien-Herzegowina (114). In Gruppe G gewinnen schließlich die deutsche Nationalelf (562) und Portugal (297), in Gruppe H Belgien (349) und Russland (184).

So sieht der Spielverlauf nach der Prognose der Wissenschaftler der Freien Universität, der Universität Göttingen und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung aus. Sie basiert auf den Marktwerten der Spieler. 

So sieht der Spielverlauf nach der Prognose der Wissenschaftler der Freien Universität, der Universität Göttingen und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung aus. Sie basiert auf den Marktwerten der Spieler.

Quelle: FU Berlin

Spielt man die WM mit der Marktwert-Methode weiter, sieht man vor dem geistigen Auge auch schon die Halbfinale: In diesen spielt Brasilien gegen Deutschland und Spanien gegen Argentinien. Im Endspiel kommt es dann zum Showdown zwischen Spanien und Deutschland. Spätestens dann wäre es für Fußballfans wünschenswert, dass sich die Marktwert-Methode als ungenau entpuppt. Denn die Spanier bringen 69 Millionen Euro mehr auf die Goldwaage und würden die WM somit gewinnen.

Marktwert-Methode hatte bereits mehrfach Erfolg

Ist die Marktwert-Methode nun nichts als ein Gedankenspiel? Nein, sagt Prof. Wagner: „Dieser äußerst einfache Indikator, gegen den jeder Fußballfan zig Einwände im Detail vorbringen kann, hat eine verblüffend große prognostische Kraft.“ Die Mannschaft mit dem teuersten Spielkader sei auch die spielstärkste und würde das Turnier mit der höchsten Wahrscheinlichkeit gewinnen. Seit der WM 2006 habe man den Ausgang aller großen Fußball-Turniere gut vorhersagen können. „Auch für den europäischen Vereinsfußball konnten wir zeigen, dass der Ausgang der Meisterschaft in den Fußballligen sehr gut über den Marktwert des Teams vorhersagbar ist“, sagt Mutz.

 

Von Patrick Schroeder
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