Forschung 09.04.2004, 18:29 Uhr

Vom Solarflieger bis zur Ökofritteuse

Firmen, Institutionen und Hobbytüftler präsentierten sich am vergangenen Wochenende auf der Internationalen Erfindermesse in Genf. Besondere Aufmerksamkeit erregte das „Solar Impulse“, ein Solarflugzeug, mit dem der Schweizer Bertrand Piccard in einigen Jahren die Erde umrunden will.

Mit einer Weltpremiere eröffnete die diesjährige Erfindermesse: „Solar Impulse“ heißt das neue, von der Ecole Polytechnique Féedérale de Lausanne (EPFL) und der ESA unterstützte Projekt von Bertrand Piccard, der vor vier Jahren die Erde im Ballon umkreist hat.
Nun stellte er seine neue Idee vor: die Erdumrundung in einem Solarflugzeug. Ohne umweltbelastende Emissionen soll dieses Flugzeug funktionieren. Um den physikalisch-technischen Herausforderungen zu begegnen, werden multifunktionale und ultraleichte Materialien entwickelt. Insbesondere eine optimale Konstruktion und Anbringung der Solarzellen auf 170 m² Flügeloberfläche sowie die elektrische Transmission werden noch diskutiert. Ansatz ist die Nachahmung der pflanzlichen Photosynthese.
Eine weitere Neuerung betrifft das „symbiotische Verhältnis“ zwischen Mensch und Maschine. So soll die Bordelektronik als künstliches neuronales Netz auch Befindlichkeiten des Piloten etwa am Herzschlag erkennen, interpretieren und mit Lösungsvorschlägen begegnen.
Vorrangiges Ziel aber ist es zunächst einmal, die Öffentlichkeit auf die Möglichkeiten erneuerbarer Energien aufmerksam zu machen. „Einen Motor ohne Treibstoff und ohne umweltverschmutzende Emission erfolgreich zu konstruieren und zum Fliegen zu bringen, ist im aktuellen ökologischen Kontext ein fabelhaftes Symbol“, meint Piccard.
Aus dem „fliegenden Labor“, so hoffen die Initiatoren, werde darüber hinaus die Erforschung von Zukunftstechnologien stimuliert. Derzeit wird ein Prototyp entwickelt, der voraussichtlich Mitte 2006 mit einer Ein-Mann-Besatzung getestet werden kann.
„The revolution in deep-frying technology“ kündet ein Logoentwurf der Firma Novafrit an. Bernd Nockemann, der mit Unterstützung einer Freundin die Erfindung seines verstorbenen Vaters zum Prototyp fortentwickelte, sucht nun Investoren für die Markteinführung der Kreislauffritteuse in die Systemgastronomie. Bei den zahlreichen Verbesserungen gegenüber bisherigen Tauchfritteusen dürfte es vermutlich nicht schwer fallen, diese zu überzeugen.
Die besondere Konstruktion ermöglicht eine Ölzirkulation, die weniger als ein Sechstel der bisher verwendeten Menge Fett benötigt. Das Öl wird gesondert auf größerer Heizfläche erhitzt, während eine Pumpe für Zirkulation sorgt. Dann erst fließt das Öl ins Frittierbecken und steigt über die Pommes Frites hoch in den Überlauf, wo die Filterung vorgenommen wird.
Gesünder sind Pommes Frites aus dem „Loop Fryer“ außerdem, weil die automatische Fettabsenkung in ein Vorratsbecken laut Tests nach drei Minuten dafür sorgt, dass die Acrylamid-Werte weit unter dem Unbedenklichkeitswert von 300 µg pro kg liegen.
Die kontinuierlichen und automatischen Vorgänge von Auffrischung (Zusatz der Ölmenge, die vom Frittierten aufgenommen wurde) und Filterung optimieren die Qualität des Öls. Dies hat nicht nur besagten gesundheitlichen Effekt.
Da ein Austausch der gesamten Ölmenge überflüssig und ein zu langer Frittiervorgang ausgeschlossen sind, gelingt auch eine geschmackliche Konstanz, die selbst erfahrenen Köchen viel Aufmerksamkeit abverlangt. Der Energieverbrauch wird durch die Automatisierung der Heiz- und Kochphase gesenkt. Auch die Brandgefahr vermindert Novafrit: da das Öl nach dem Frittieren in einen sauerstofflosen Behälter fließt, wird jedes Feuer erstickt.
Für den Holzhandel, biotechnologische Firmen oder den Zoll wird die softwarelösung „Kenal Kayu“ von Interesse sein. Mit ihrer Hilfe lässt sich die anatomische Struktur von unter dem Mikroskop vergrößerten Holzstückchen definieren.
Entwickelt hat das Programm Prof. Dr. Marzuki Khalid am Zentrum für Künstliche Intelligenz und Robotik der Technologischen Universität Kuala Lumpur. Khalid setzt dabei auf das Zusammenspiel einer Digitalkamera, einer angepassten Lichtquelle und einem speziell von ihm entwickelten Computerprogramm.
Ein Zöllner muss in Zukunft kein Experte mehr sein, um Edelhölzer zu bestimmen, die einem Ausfuhrverbot unterliegen. Khalids Programm liefert anhand des Strukturbilds Gattung, Art und Handelsbezeichnung des Holzes. Die traditionell langwierige Untersuchung zur Prüfung von Hölzern verkürzt sich auch, weil Khalid seine Lösung in einer tragbaren Variante anbietet.
Der italienische Architekt Pier Francesco Ghisleri erhielt auf der Erfindermesse den Preis der internationalen Presse für sein cleveres Design von „Gecode“. In zwölf Reihen aus je acht Kästchen, die alle gegeneinander verdrehbar sind, kann der Besitzer mit einer speziellen Vorrichtung Buchstaben und Zahlen einschieben.
Für die erste Reihe denkt er sich einen Code aus, den er sich gut merken kann, der für Außenstehende aber schwierig zu erraten ist, zum Beispiel die eigene Telefonnummer. Nur diesen Code muss sich der Besitzer in Zukunft merken. Wenn er ihn zusammendreht, erscheinen in den anderen Reihen weitere Zahlenfolgen, die er selbst eingegeben hat: Passwörter, Kontonummern, Pincodes – „die genetische Information unseres Alltagslebens“, so Ghisleri, daher auch die Metapher „Gecode“.
Unter den 2 Mio. möglichen Kombinationen hält Ghisleri, der zugibt, seine Inspiration sei die eigene Vergesslichkeit gewesen, seine Geheimzahlen für sicher. Das mechanische Gerät soll etwa 18 € kosten und ist handlich genug, um am Schlüsselbund oder in der Tasche Platz zu finden.
JUTTA LINDEKUGEL

  • Jutta Lindekugel

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