Messkampagne nach Erdbeben 02.12.2013, 16:11 Uhr

Verschiebungen im Millimeterbereich erfasst

Mit beispielloser Genauigkeit haben Forscher aufgezeichnet, was vor vier Jahren bei einem sehr schweren Beben in Zentral-Chile passierte. Damit wächst das Wissen, das irgendwann Prognosen ermöglicht.

Installation eines Creepmeters, mit dem tektonische Verschiebungen entlang einer Störungszone bis auf hundertstel Millimeter gemessen werden.

Installation eines Creepmeters, mit dem tektonische Verschiebungen entlang einer Störungszone bis auf hundertstel Millimeter gemessen werden.

Foto: GFZ

420 Tage dauerte die Messkampagne. Die gesamte Region ist, zum Glück für die Wissenschaft, von einem dichten Netz an Messgeräten und Sensoren überzogen. So genannte Creep Meter erfassen Verschiebungen im Millimeterbereich, zwei unterschiedliche Seismographen registrieren Stärke und Position von Erschütterungen. Dazu kommen fest installierte GPS-Stationen, die gemeinsam mit den Signalen der Satelliten millimetergenaue Lagebestimmungen ermöglichen.

Eine geodynamische Beobachtungsstation des Plattengrenzen-Observatoriums Chile wird aufgebaut. 

Eine geodynamische Beobachtungsstation des Plattengrenzen-Observatoriums Chile wird aufgebaut. 

Foto: GFZ

Mit Hilfe einer elektromagnetischen geophysikalischen Methode, Magnetotelluric genannt, gewannen die Forscher ein genaues Abbild des Untergrunds. Zudem sind in der Region zahlreiche  Empfangsstationen für die aktuelle Uhrzeit installiert, die weit mehr als sekundengenau sein muss. „Damit konnten wir ein beispiellos genaues Modell der Vorgänge im Untergrund beim Beben selbst und den Ereignissen danach schaffen“, sagt Gfz-Geologe Jonathan Bedford.

Erdbebenhistorie in Chile

Erdbebenhistorie in Chile

Foto: GFZ

Bei dem Beben, das von den Wissenschaftlern derart genau analysiert wurde, handelte es sich um eines mit der Stärke 8,8 und damit um ein  „extrem großes“. Mehr als 500 Menschen starben damals oder wurden vermisst. Der jetzt vorliegende gigantische Datenschatz soll helfen, Erdbeben besser zu verstehen, sodass derartige Ereignisse einmal besser vorhersagt werden können. Und viele Menschenleben gerettet.

Eine überraschende Entdeckung hat das internationale Forscherteam unter der Leitung des Geoforschungszentrums (Gfz) in Potsdam bereits gemacht. Es registrierte nicht nur die üblichen Nachbeben, die manchmal nahe an die Stärke des Hauptereignisses heranreichen, sondern auch Verschiebungen, die in aller Stille stattfinden. Weitere Einflussgrößen müssen also für Prognosen berücksichtigt werden.

Die Forscher vermuten, dass  es lokale Veränderungen in der Zone gibt, in der das Beben stattfindet. Diese sorgen dafür, dass sich Erdplatten weiter verschieben, ohne dass die seismischen Messgeräte etwas registrieren. Schuld daran könnte eingeschlossenes Wasser sein. Da es unter hohem Druck steht, schießt es in entstehende Hohlräume und verändert den Untergrund. Dadurch werde „das Spannungsfeld beeinflusst und Nachbeben können weitgehend unabhängig vom bruchgesteuerten Spannungsfeld auftreten“, heißt es aus dem Gfz. 

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