Forschung 29.03.2002, 18:33 Uhr

Verfahrensingenieur mit ausgeprägtem Teamgeist

Im Degussa-Projekthaus Nanomaterialien ist der Erfolg vom guten Teamgeist abhängig. Guido Zimmermann steht als Verfahrensingenieur im Zentrum der Forschungsarbeiten.

Ingenieur – klar, das ist jemand, der sich intensiv mit Technik beschäftigt. Viel mehr wusste Guido Zimmermann über die Berufssparte nicht, als sich kurz vor dem Abitur die Frage nach dem Karriereweg stellte. „Eigentlich wollte ich Chemie studieren. Aber als in unserer Schule einige Eltern ihre Berufe vorstellten, warf ich meine Planungen über den Haufen.“ Die Ausführungen eines Verfahrensingenieurs waren so fesselnd, dass für den Abiturienten feststand: Der Job ist spannend und lässt zudem während des Studiums lange eine Schwerpunktlegung offen.

Und die Palette der Berufsalternativen wuchs. „Ende der 80er Jahre entstanden immer wieder neue Studienangebote wie Umwelttechnik, die mir einerseits ein buntes Spektrum eröffneten, gleichzeitig aber auch die Wahl erschwerten.“ Nur eines war klar: „Ich wollte in Forschung und Entwicklung arbeiten.“ Also streute Zimmermann nach seinem Studium an der FH Köln die Bewerbungen bundesweit, um sich – dank eines ausgezeichneten Diploms – die Rosinen heraus zu picken. Fündig wurde der heute 29-Jährige im hessischen Hanau bei Degussa, im Industriepark Wolfgang.

Der Chemie-Spezialist ließ dem jungen Ingenieur von Beginn an viel Entfaltungsspielraum. „In den ersten zwei Jahren, von 1997 bis 1999, habe ich einige Reaktoren konzeptioniert, vor allem Flammenreaktoren, um Einsatzstoffe in Nanomaterialien umzuwandeln.“ Die Art des Herstellverfahrens und die Verfahrensbedingungen entscheiden über Größe und Form der Partikel und damit über deren Eigenschaften. Neben der Wahl der Einsatzstoffe und deren Konzentrationen spielen Temperatur und Verweilzeit eine entscheidende Rolle, so können z. B. im Plasmareaktor Temperaturen von bis zu 10 000 º Celsius realisiert werden. „Im Laufe der Zeit wuchs die Erkenntnis, dass alle beteiligten Mitarbeiter, also Chemiker, Materialwissenschaftler, Betriebswirte und Verfahrensingenieure, ihre ganze Aufmerksamkeit und Kompetenz gemeinsam in Projekte einbringen müssen. Der ständige Gedankenaustausch als Grundlage einer effektiven Arbeit war nur zu gewährleisten, wenn sich alle hundertprozentig auf die Projekte konzentrieren können.“

Basierend auf diesem Leitgedanken entstand im Jahre 2000 das Degussa-Projekthaus Nanomaterialien. Neben der engen räumlichen und fachlichen Zusammenarbeit der Mitarbeiter sticht das Projekthaus vor allem in seinen intensiven Kooperationen mit potenziellen Kunden sowie Universitäten hervor. In dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt profitiert Degussa von der modernen Messtechnik und der Grundlagenforschung der neun Hochschulen, die ihre Kenntnisse wiederum in den Anlagen des Unternehmens erproben können. „Wir brauchen diesen Wissenschafts-Input aus den Hochschulen, deren Potenzial uns bei der Entwicklung von Nanomaterialien enorm hilft. Die Doktoranden sind bei den Arbeitsprozessen voll integriert. Für die wissenschaftlichen Mitarbeiter ist es wichtig, zu sehen, welche Bedürfnisse die Industrie hat“, sagt Zimmermann.

Obwohl die Hierarchie im Projekthaus flach ist, das „Du“ zum Umgangston gehört und von Berührungsängsten nicht die Rede sein kann, lastet auf Zimmermann als Projektverantwortlichem für den Aufbau und den Betrieb von Forschungsreaktoren für die Produktentwicklung enorme Verantwortung. „Eine große Herausforderung, die verpflichtet. Wenn etwas nicht funktioniert, muss ich dafür gerade stehen.“ Um dem entgegen zu steuern, beschäftigt sich der Verfahrensingenieur auch so intensiv wie möglich mit den Aufgabengebieten seiner Kollegen. „Das ergibt sich wie von selbst. Während der Arbeit eignet man sich beispielsweise automatisch Kenntnisse chemischer Prozesse an.“

Der Verfahrensingenieur ist stark auf seine Kreativität angewiesen. „Hauptaufgabe ist es, meine Ideen von Reaktoren oder anderen Apparaturen in Handskizzen festzuhalten, diese mit Chemikern und Konstrukteuren zu besprechen und den Prozess bis zur Montage zu verfolgen und zu begleiten. Das setzt den Willen aller Beteiligten zu größtmöglicher Kommunikation und Transparenz voraus. Ich pendele daher sehr oft zwischen meinem Büro und dem Technikum hin und her. Bis der Prozess zwischen Planung und Montage abgeschlossen ist, dauert es in der Regel zwischen einem halben und einem Jahr.“

Unter dem Strich kommt der Kölner mit einem Acht-Stundentag nicht aus. „Wenn man sich aber für eine Sache interessiert und sich dementsprechend ins Zeug legt, ist die innere Triebkraft größer als der Wunsch nach einem streng geregelten Arbeitstag.“ Konferenzen, Vorträge und Reisen runden einen erlebnisreichen Arbeitsablauf ab. „Für die Produktentwicklung muss ich schließlich immer auf dem Laufenden und im Gespräch bleiben. Die Nähe zum Kunden ist überaus wichtig. Was nutzt es, wenn ein von uns geplantes Produkt vom Markt nicht gewünscht wird?“

In Hanau bleibt Zimmermann wenig Zeit zum Verschnaufen. Zur Entspannung fährt der überzeugte Rheinländer des öfteren in seine Heimatstadt. In Köln beschäftigt sich Guido Zimmermann allerdings auch gerne mit kleinen Teilchen. Im Umgang mit dem Tischtennisball geht der Vereinsspieler ähnlich feinfühlig zu Werke wie für seinen Arbeitgeber.

WOLFGANG SCHMITZ

www.degussa.com/de/fe/nanotechnologie.html

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