Forschung 27.04.2007, 19:27 Uhr

VDE: „Energieforschung bescheiden“  

VDI nachrichten, Berlin, 27. 4. 07, mg – Deutschland spielt eine führende Rolle in der Energietechnik. Dennoch moniert der VDE, die Forschungsmittel der Bundesregierung reichten bei weitem nicht aus. Und darüber hinaus sei die Zuständigkeit von insgesamt vier Ministerien kontraproduktiv.

Seine Studie „Energieforschung 2020“ stellte der Verband der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik (VDE) in Berlin im Vorfeld der Hannover Messe vor. Das Ergebnis des 20 Seiten umfassenden Papiers: Die heutige Spitzenreiterposition wird Deutschland nur halten können, wenn mehr Geld in die Grundlagenforschung fließt.

Knapp 413 Mio. € stellt die Bundesregierung derzeit jährlich für die Energieforschung zur Verfügung, dies entspricht etwa 4 % des gesamten Forschungsetats. „Mehr als bescheiden“, urteilt der Vorsitzende der Energietechnischen Gesellschaft im VDE, Prof. Wolfgang Schröppel. Die Japaner investieren achtmal und die USA sechsmal mehr. Doch nicht nur der fehlende finanzielle Unterbau macht die VDE-Energieexperten besorgt. Die Investitionen verteilen sich auf insgesamt vier Ministerien.

Das Bundeswirtschaftsministerium mit Michael Glos (CSU) an der Spitze zeichnet für die fossilen Energien verantwortlich. Bundesumweltminister Siegmar Gabriel (SPD) finanziert die erneuerbaren Energien, und Horst Seehofer (CSU) kümmert sich im Landwirtschaftsministerium um die Biomasse. Bundesforschungsministerin Anette Schavan (CDU) finanziert überall ein wenig mit und ist für die Koordinierung zuständig. „Kein Idealzustand“, sagt Schröppel und findet es denn auch kaum verwunderlich, dass sich die Minister Glos und Gabriel „oft kontrovers unterhalten“.

Wie wichtig dieser Forschungsbereich ist, zeigt nach Ansicht des VDE auch das Ergebnis des „Innovationsmonitor 2007“, das der Verband auf der Hannover Messe vorstellte. Danach sehen 94 % der Befragten die Europäer in der Energietechnik als Innovationsführer. Und Deutschland gilt hier als „Taktgeber“.

Bis zum Jahr 2020 müsste nach den Vorstellungen des VDE nicht nur mehr Geld in die Forschung fließen, sondern es müssten auch sinnvolle Strategien erarbeitet werden. Hier müsse die Politik eine langfristige Planung vorlegen, mit welchem Anteil welche Energieart in den kommenden Jahrzehnten genutzt werden kann.

Auch vermisst der Verband eine „quantitative Festlegung von Energiesparzielen und Kennwerte für die Energieeffizienz“. Bis 2010, so Schröppel, müssten die Forschungsausgaben mindestens verdoppelt werden. 1 Mrd. € pro Jahr sei das Minimum.

Doch nicht nur bei der finanziellen Förderung gibt es Defizite. Darüber hinaus wurden in den vergangenen Jahren Hochschulinstitute geschlossen und Professorenstellen gestrichen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat ihre Mittel für die Energieforschung reduziert. Außerdem fehlen in diesem Fachbereich ebenso die Ingenieurstudenten wie in anderen Disziplinen.

Aber auch die Industrie könnte mehr leisten. Hier wurden nicht nur „erfahrene Ingenieure in den Vorruhestand geschickt“, die Unternehmen haben ebenfalls bei den Forschungsgeldern eingespart. Nach einer Statistik des Bundeswirtschaftsministeriums sogar noch drastischer als die Regierung selbst: Von 502,7 Mio. €, die 1991 von der Privatwirtschaft in die Energieforschung gesteckt wurden, blieben bis 2005 gerade noch 76,2 Mio. € übrig. Im gleichen Zeitraum wurde der staatliche Etat von 705,9 Mio. € auf 394,4 Mio. € zurückgefahren.

Bei dem Zukunftsprojekt Fusionsforschung wurde ebenfalls von Jahr zu Jahr gespart. Prof. Alexander Bradshaw, Direktor des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik, klagt über den weitgehend eingefrorenen Etat für den internationalen Experimentalreaktor Iter. Doch Bradshaw sieht bei dem Großprojekt weniger schwarz als bei der restlichen Energieforschung, „die auf der Strecke bleibe“. Der Fusionsexperte würde sich eine viel stärkere internationale Forschungsvernetzung wünschen. Denn der Kyoto-Prozess zeige, dass eine globale Ordnungspolitik nicht möglich sei. Umso wichtiger sei es, die Energieprobleme durch technische Innovationen zu lösen.

Die aktuelle Klimadebatte hat zumindest bei den deutschen Politikern Nachdenklichkeit ausgelöst. So hofft der VDE für die Zukunft auf mehr Gehör beim Thema Energieforschung. Die Physikerin, Bundeskanzlerin Angela Merkel habe „zumindest erkannt, dass wir etwas tun müssen“, glaubt der Energie-Experte Schröppel. Er sieht aber noch ein Defizit. In der Öffentlichkeit sei nicht klar, dass „wir vor allem schnelle Lösungen brauchen“.

Vor allem, da der VDE davon ausgeht, dass selbst bei Nutzung aller Sparpotenziale der Stromverbrauch steigen statt abnehmen wird. Denn es würden nicht nur immer mehr Elektrogeräte in den Haushalten verwendet, sondern es sei auch mit einem höheren Einsatz von Klimaanlagen zu rechnen, wenn die Sommer heißer werden.

BIRGIT BÖHRET

Von Birgit Böhret

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