Forschung 10.03.2006, 18:43 Uhr

„US-Verhältnisse kommen für uns nicht in Frage“  

VDI nachrichten, New York, 10. 3. 06, ws –

Jürgen Rüttgers warb auf seiner jüngsten USA-Reise für den deutschen Hochschul- und Forschungsstandort. Ein schwieriges Unterfangen, wie sich zeigte. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident musste sich kritische Stimmen anhören, die nicht so recht an einen Aufschwung deutscher Lehre und Forschung glauben wollen.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) hatte eigens in New York ein Forum organisiert, auf dem Rüttgers mit in den USA lebenden deutschen Akademikern über die Wissenschaftslandschaften beider Länder diskutierte. Offiziellen Schätzungen zufolge arbeiten etwa 40 000 deutsche Wissenschaftler an amerikanischen Universitäten und Instituten.

Rüttgers präsentierte den 150 Teilnehmern zunächst das Konzept der NRW-Hochschulreform, bei der Professoren keine Beamte mehr sind, Hochschulen in Folge verschärften Wettbewerbs in Konkurs gehen können und Ministerien weniger Einfluss haben. Rüttgers: „Wir wollen mit diesen gewaltigen Umstrukturierungen aus dem Mittelmaß heraus und an die Spitze.“

Die aus ganz Amerika angereisten Teilnehmer lauschten zwar aufmerksam, doch die folgende Diskussion spiegelte erhebliche Zweifel wider. „An Berkeley ist alles viel dynamischer, es gibt viel mehr Wettbewerb und man bekommt wesentlich früher Verantwortung übertragen“, schwärmt Alexander Kohl, der an der kalifornischen Edeluniversität am Institut für Umwelt-Wissenschaften tätig ist. „Keine Stelle wird automatisch neu besetzt es wird stets überprüft, ob nicht andere neue Gebiete wichtiger sind – das bewirkt automatisch Flexibilität.“

Prof. Martin Wikelski, der an der Princeton University am Institut für Ökologie und Biologie arbeitet, verglich zwei Ausschreibungen. Die eine entstammt einer deutschen Zeitung, die andere der Hauszeitung von Princeton. Hier die trockene, jederzeit durch eine andere, ähnlich lautende Stellenbeschreibung ersetzbare Anzeige, dort der zusätzliche Hinweis auf „einen Zukunftsplan, der beschreibt, wie eure spezifischen Forschungsinteressen die Biologie als Ganzes voranbringen“. Wikelski: „Ich glaube, es ist klar, wo sich junge aufgeweckte Wissenschaftler eher bewerben werden.“

Vor allem den Geldmangel deutscher Universitäten sehen Wikelski und die meisten anderen Diskussionsteilnehmer als Nachteil. „Die Besten verlangen die besten Bedingungen – und die gibt es nicht zum Spartarif“, so Peter Zuhauf von der Columbia-University zu Rüttgers“ Plänen. Dieser widersprach: „US-Verhältnisse kommen nicht in Frage, jeder muss sich ein Studium leisten können. Geld allein ist kein Allheilmittel.“ Es gebe in den USA viele teure Privat-Universitäten, die nur Mittelmaß bieten, sowie öffentliche Hochschulen, die auf hervorragende Spitzenleistungen verweisen können.

Einzig Prof. Gabriel Oettingen, Psychologin an der New York University, zeigte sich weniger polarisierend und verlangte von der Politik mehr wissenschaftliche Kooperation statt Konkurrenz. „Es ist Aufgabe der Politik, das Spannungsverhältnis zwischen international angelegter Wissenschaft und nationaler Förderung aufzulösen“, so die Forderung an den Ministerpräsidenten, der die zahlreichen guten Anregungen beherzigen will. H. WEISS

Von H. Weiss

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