Einsteins Theorie untermauert 18.03.2014, 11:36 Uhr

US-Forscher entdecken mit Antarktisteleskop Echo des Urknalls

Wissenschaftler haben einen Beweis dafür erbracht, dass sich das Universum nach dem Urknall blitzartig um das zehn-billionenbillionenfache ausdehnte. Sie fanden mit dem Antarktisteleskop Bicep 2 das Echo des Big Bang in Form von 13,8 Milliarden Jahre alten Gravitationswellen. Sie erlauben erstmals den Blick auf das Universum als es nur eine billionstel Sekunde alt war.

Das Teleskop Bicep 2 in der Antarktis. Der US-amerikanische Wissenschaftler Clem Pryke wollte eigentlich nur gewöhnliche kosmische Hintergrundstrahlung messen. Doch er stieß auf das Echo des Big Bang. 

Das Teleskop Bicep 2 in der Antarktis. Der US-amerikanische Wissenschaftler Clem Pryke wollte eigentlich nur gewöhnliche kosmische Hintergrundstrahlung messen. Doch er stieß auf das Echo des Big Bang. 

Foto: Harvard University/Steffen Richter

US-Forscher haben in der Antarktis eine unglaubliche Entdeckung gemacht, als sie das Teleskop Bicep 2 auf das sogenannte Southern Hole richteten. In der Region außerhalb unseres Sonnensystems fanden sie das Echo des Urknalls. „Es war wie eine Nadel im Heuhaufen zu finden, aber stattdessen haben wir eine Brechstange gefunden“, sagte Clem Pryke von der Universität von Minnesota gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Eigentlich wollten die Forscher nur kosmische Hintergrundstrahlung messen. Das ist eine allgegenwärtige Strahlung, die als Nachglimmen des Urknalls bis heute durchs All zieht.

Gravitationswellen sind 13,8 Milliarden Jahre alt

Das Echo des Urknalls besteht aus Gravitationswellen, die vor rund 13,8 Milliarden Jahren entstanden sein müssen. Und zwar unmittelbar nach dem Big Bang, als sich das Universum in der Inflationsphase innerhalb von Sekundenbruchteilen um das zehn-billionenbillionenfache ausdehnte. Schon Albert Einstein hat in seiner allgemeinen Relativitätstheorie die Existenz dieser Wellen vermutet. Die Fachwelt hat nie daran gezweifelt, aber bis heute auf den Beweis gewartet. „Die Entdeckung dieses Signals ist eines der wichtigsten Ziele der heutigen Kosmologie“, erklärt John Kovac, wissenschaftlicher Leiter vom Harvard-Smithsonian-Zentrum für Astrophysik. Schon lange bezeichnen einige Wissenschaftler die Wellen als Heiligen Gral der Kosmologie.

Blick auf das eine billionstel Sekunde alte Universum 

Die Entdeckung erlaubt erstmals den Blick auf das lediglich eine billionstel Sekunde alte Universum. „Das ist faszinierend. Wir können zurückblicken zum Beginn der Zeit“, betont der unabhängige Beobachter Lawrence Krauss von der Arizone State University in einem Bericht des Nachrichtenmagazins Spiegel. „Diese Beobachtungen zeigen, dass Gravitationswellen Aspekte des Universums enthüllen, die wir auf keinem anderen Weg herausfinden können“, schwärmt auch der deutsche Gravitationswellenforscher Karsten Danzmann vom Albert-Einstein-Institut in Hannover. „Beispielsweise liefern uns die Gravitationswellen einzigartige Informationen über die Eigenschaften des Universums gleich nach dem Urknall.“ 

Clem Pryke und sein Team auf dem Weg in die Antarktis. Wenn er es schafft, die Messergebnisse gewinnbringen weiterzuverwerten, ist er mit seinem Sensationsfund heißer Anwärter auf den nächsten Nobelpreis. 

Clem Pryke und sein Team auf dem Weg in die Antarktis. Wenn er es schafft, die Messergebnisse gewinnbringen weiterzuverwerten, ist er mit seinem Sensationsfund heißer Anwärter auf den nächsten Nobelpreis. 

Foto: University of Minnesota

Leider wird es extrem schwierig, aus den gemessenen Gravitationswellen tatsächlich verwertbare Informationen zu fischen. Denn die Mikrowellen seien wahrscheinlich auf dem Weg Richtung Erde extrem verzerrt worden, sagt Wissenschaftler Duncan Hanson von der kanadischen McGill-Universität in einem n24-Bericht. „Es ist, als blicke man auf das Universum durch ein sprudelndes Glas Wasser.“ Nur wenn es gelänge, das Gas aus dem Wasser zu bekommen, sei es wahrscheinlich, dass der nächste Nobelpreis an die Entdecker der Gravitationswellen geht.

Von Patrick Schroeder

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