Nachhaltigkeit 16.07.2010, 19:47 Uhr

„Unsere Wissensfabriken haben versagt“

Lange Zeit war Nachhaltigkeit in den USA ein Fremdwort. Michael Crow, seit 2002 Präsident der Arizona State University (ASU), will das ändern. Dafür gründete er eigens das Global Institute of Sustain¬ability. Den VDI nachrichten sagte Crow, er fühle sich verantwortlich als Architekt einer neuen Art Universität, die es schaffe, wieder Positives aus Wissenschaft und Technologie zu entwickeln.

VDI nachrichten: Was ist das Global Institute of Sustainability (GIOS)?

Crow: Das Globale Institute wurde gegründet, um Studenten ein umfassendes Wissen aus allen Disziplinen zu vermitteln – den Sozial-, Geistes-, Wirtschafts-, Natur- und Ingenieurswissenschaften.

Warum ist das notwendig?

Unsere Wissensfabriken haben versagt: Wir haben so viel an Wissen produziert und gleichzeitig geschieht soviel Negatives. Wir bilden Menschen aus, die gedankenlos an der Welt herumbasteln. Sie bohren im Prinzip mit der gleichen Technik wie vor 130 Jahren Löcher in die Erde, um mit dem schwarzen Gold Wasser zu erhitzen, das Turbinen antreibt, mit deren Dampf wir Strom produzieren. Das muss anders werden. Ich fühle mich verantwortlich als ein Architekt einer neuen Art Universität, die es schafft, wieder Positives aus Wissenschaft und Technologie zu entwickeln.

Was verstehen Sie eigentlich unter „Nachhaltigkeit“?

Nachhaltigkeit ist für mich die Schnittstelle zwischen der natürlichen und der vom Menschen erbauten Welt. Sie erlaubt uns, eine eigene Welt aufzubauen – ohne die Natur im Übermaß zu verändern. Aber Universitäten sind zurzeit unfähig, diese Schnittstelle in ihrer Komplexität zu erfassen.

Wie wollen Sie das ändern?

Wir müssen überdenken, was wir tun. Wir haben als Universitäten keinen guten Job gemacht. Wir haben zum Beispiel nicht genug Zeit damit verbracht, das menschliche Verhalten zu erforschen. Warum agieren Menschen so, dass Negatives entsteht? Wir tun das aus Ignoranz. Doch warum sind wir so ignorant? Das heißt nicht, alles neu zu erfinden. Wir können alte Techniken neu nutzen. Wir können auch von alten Kulturen lernen, wie ihr Verhältnis zu dem Land ist, auf dem sie leben, und das dann auf die heutige Zeit übertragen.

Ist nicht der Klimaschutz die größte Herausforderung?

Nein. Ich glaube, der Klimawandel ist nicht die Krankheit. Er ist ein Symptom wie auch etwa die Ausrottung der Fischbestände im Atlantik. Die Wurzel des Übels ist, dass wir nicht wissen, was nachhaltiges Verhalten ist. Das ist eine viel grundlegendere Frage.

Sind die USA ein guter Platz für solch eine nachhaltige Wissensinitiative?

Ja! Die USA sind ein enorm vielfältiger Ort – und vielfach schon auf dem richtigen Weg. Städte und Staaten, die 60 % der Bevölkerung vertreten, haben sich bereits Verpflichtungen auferlegt, die das Kyoto-Ziel übertreffen. Arizona zum Beispiel will 2020 ein Viertel des Strombedarfs mit erneuerbaren Energien decken. Unterschätzten Sie nicht die USA.

Aber warum weigern sich dann die USA, das Kyoto-Protokoll zu ratifizieren?

Das Kyoto-Protokoll sehen wir als eine aggregierte Entscheidung von Nationalstaaten an. Wir tun dieses in den USA nicht oft. Wir treffen Entscheidungen vor Ort in den Städten, in den Regionen. Unsere nationale Regierung ist nur eine von vielen Kräften in den USA.

Sie haben jetzt drei Tage lang Deutschland besucht. Was hat Sie am meisten beeindruckt?

Vieles hat mich beeindruckt – etwa der Emscher Landschaftspark. Der ist ein tolles Beispiel dafür, wie Landnutzung und Lebensqualität neu gedacht wurde. In den USA gibt es auch viele alte Industrieorte. Etwa Detroit, doch dort fehlt ein Plan. In den USA sagt man: Reißt die Gebäude ein, werft alles auf den Müll und wer vorbei kommt und das Land kauft, baut etwas Neues. In den USA entwickelt der Markt die Lösungen. Ich glaube, wir können so nicht mehr weitermachen.

Wie wollen Sie diese Mentalität ändern?

Wettbewerb und Wachstum sind bei uns wichtiger als alles andere. Wachstum ja, aber wir müssen wissen, warum! Wir brauchen es, um Lebensqualität zu verbessern. So haben wir bisher aber nicht gedacht. Doch in den USA gehen mehr und mehr Menschen in diese Richtung: Und wir an der Arizona State University (ASU) wollen unseren Teil dazu beitragen.

Es gibt also Hoffnung – für die USA und die Welt?

Ja, glücklicherweise sind wir eine Spezies, die über ihr Schicksal selber bestimmen kann. Wir können also das bekommen, was wir uns wünschen.

Ist die ASU ein Vorbild?

Ich glaube, ja. Nachhaltigkeit ist inzwischen ein Leitprinzip unserer Universität. Wir haben etwa die Initiative ASU LightWorks ins Leben gerufen, um Solarenergie zu fördern. Photonen der Sonne werden bald all unseren Strom liefern. Eines unserer Projekte soll Phoenix dazu verhelfen, die Großstadt mit dem niedrigsten CO2-Fußabdruck zu werden. Das Nachhaltigkeitsinstitut hat auch 150 ASU-Mitarbeiter als Nachhaltigkeitsforscher ausgezeichnet, um die Forschung wie auch die Zusammenarbeit mit Partnern weltweit in die richtige Richtung zu lenken.

Und die Absolventen der Nachhaltigkeitsschule?

Der Fokus unserer Nachhaltigkeitsschule bereitet die Studenten darauf vor, nachhaltige Lösungen für unsere Herausforderungen zu finden. Sie mögen als Ingenieur arbeiten, als Doktor, als Jurist oder in der Wirtschaft. Das Nachhaltigkeitstraining gibt ihnen eine andere Sichtweise auf die Welt. RALPH AHRENS

Von Ralph Ahrens

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