Das 2:0 war regulär 16.06.2014, 14:10 Uhr

Torlinientechnik Goal Control verhindert erstmals Fehlentscheidung

Zum ersten Mal in der WM-Historie verhinderte moderne Torlinientechnik eine Fehlentscheidung: Im Spiel zwischen Frankreich und Honduras konnten die installierten Hochgeschwindigkeitskameras und ein 3D-Modell der deutschen Firma Goal Control beweisen, dass das 2:0 der Franzosen regulär war.

Torjubel der französischen Mannschaft im Spiel Frankreich gegen Honduras: Auch das 2:0 von Torjäger Karim Benzema war regulär, wie die deutsche Torlinientechnik von GoalControl erstmals bei einer Fußball-WM bewiesen hat.

Torjubel der französischen Mannschaft im Spiel Frankreich gegen Honduras: Auch das 2:0 von Torjäger Karim Benzema war regulär, wie die deutsche Torlinientechnik von GoalControl erstmals bei einer Fußball-WM bewiesen hat.

Foto: dpa/Mohammed Messara

Diese Szene im WM-Spiel zwischen Frankreich und Honduras hätte das Potential gehabt, in die Historie umstrittener Schiedsrichterentscheidungen einzugehen: In der 48. Minute trifft Frankreichs Stürmer Karim Benzema den Pfosten. Der Ball prallt ab und fällt Honduras‘ Torwart Noel Valladares vor die Füße, der auf Höhe des gegenüberliegenden Pfostens steht – rund 30 Zentimeter von der Torlinie entfernt. In einer unglücklichen Abwärtsbewegung lenkt Valladares den Ball mit der Brust Richtung Tor, pfeffert ihn aber in letzter Sekunde mit dem linken Arm auf Höhe der Torlinie zurück auf das Spielfeld.

GoalControl verhindert Debakel einer Fehlentscheidung

Im Stadion von Porto Alegre macht sich nun Unsicherheit breit: Während Stürmer Benzema schon triumphierend über das Spielfeld düst, rätselt der brasilianische Schiedsrichter Sandro Ricci noch, ob der Ball tatsächlich hinter der Torlinie war. Doch er muss nur einen kurzen Moment abwarten, bis ihm die Torlinientechnik Goal Control zur 100 Prozent richtigen Entscheidung verhilft: Auf seiner Uhr erscheint das Wort Goal, der Ball war also in vollem Umfang hinter der Torlinie, das Tor somit gültig. Davon können sich auch die Fans überzeugen. Auf den Videoleinwänden ist die Auswertung des Torliniensystems nur Momente später zu sehen.

Kameras schießen 3500 Bilder pro Sekunde

An Zuverlässigkeit ist Goal Control kaum zu überbieten: Auf Höhe des Stadiondaches sind 14 Hochgeschwindigkeitskameras installiert – sieben für jedes Tor. Jede Kamera schießt pro Sekunde 500 Einzelbilder, insgesamt existieren also von jeder Sekunde eines zweifelhaften Tormoments 3500 Bilder. Eine Software erstellt aus diesen Fotos ein dreidimensionales Bild, so dass sich die Position des Balls auf fünf Millimeter genau bestimmen lässt.

„Der Mensch kann 60 Bilder in der Sekunde sehen, die Kamera 3500“, sagte der ehemalige Schweizer Fußballschiedsrichter Urs Meier im ZDF-Studio. „Früher hätte niemand das Tor gegeben. Alle hätten gesagt, der Ball wäre nicht hinter der Linie. Aber ja, jetzt kann man sagen: Vertrauen wir der Technik.“

Dass Goal Control der WM nicht zur 100-prozentigen Gerechtigkeit verhilft, zeigte schon das Eröffnungsspiel zwischen Brasilien und Kroatien. Im Sechzehner zupfte der kroatische Verteidiger Dejan Lovren minimal oben am Trikot des brasilianischen Angreifers Fred. Diesem knickten wie durch Zauberhand unten die Beine weg, sodass er krachend zu Boden fiel. Eine Schwalbe wie aus dem Bilderbuch. Doch Schiedsrichter Yuichi Nishimura fand das überzeugend: Der Japaner gab einen Elfmeter zum spielentscheidenden 2:1 für Brasilien und sorgte damit für die erste krasse Fehlentscheidung der jungen WM.

Entwickelt wurde die Technik vom Unternehmen GoalControl aus Würselen bei Aachen. In einer Ausschreibung der FIFA setzte sich GoalControl gegen drei Mitbewerber durch. In jedem der zwölf WM-Stadien hat GoalControl 14 hochauflösende Kameras installiert, also sieben Kameraaugen für jedes Tor. Diese überwachen laufend die Position des Balles in Tornähe.

 

Von Patrick Schroeder

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